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CD-Besprechung

French Impressions

Sofia de Salis

French Impressions

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 15.06.17

Klassik Heute
Empfehlung

Ars Produktion ARS 38 543

1 CD • 58min • 2016

Die Flötistin Sofia de Salis stammt aus Russland, ist aber in der französischen Schweiz heimisch geworden. Und sie hat sich von klein auf mit der frankophonen Musikkultur verbunden gefühlt. Kein Wunder, wenn man -wie sie – in die Flöte verliebt ist und gerade französische Komponisten dieses Instrument besonders bevorzugt haben. Eine CD mit ausschließlich französischer Musik würde also zu einem sehr persönlichen Unterfangen werden. Die Rechnung ging auf: Die klingenden Resultate auf dem aktuellen Tonträger präsentieren eben keine vielstrapazierten „Highlights“, sondern markieren ein persönliches Statement der Interpretin.

Die hier vereinten Kompositionen wirken dezidiert ausgewählt, in Ruhe gereift und mit ungebändigter Leidenschaft und tiefer, oft zarter Emotion präsentiert. Auch die dramaturgische Abfolge verfehlt ihre Wirkung nicht: Der Hörer wird gepackt, verführt und mit Leichtigkeit betört. Und das schon direkt am Anfang mit Francis Poulencs Sonate op. 164 aus dem Jahr 1956. Sofia de Salis und Elina Kachalova am Klavier legen auf Anhieb ihre traumwandlerische Kompetenz an den Tag: Flexibel und mit souveräner Leichtigkeit erfühlen sie die Affekte und Stimmungen. Sofia de Salis lässt ihr Instrument in den verschiedenen Registern, zwischen denen sie schwerelos hin- und herspringt, im besten Sinne singen. Überhaupt ist Gesang ein großes Thema für diese Musikerin, die aus einer Moskauer Künstlerfamilie stammt. Ihre Mutter war Sängerin und Gesang hat auch Sofia de Salis von Grund auf erarbeitet. Vor allem hat sie spezifische Atemtechniken aus dem Gesang auf die Flöte übertragen, wodurch die Tongebung voller und körperhafter wird. Ob dies ein Schlüssel zum Geheimnis ist, warum die kantablen Linien in ihrem Spiel so intensiv aufblühen? Francis Poulenc hat den Reigen mit seinen Wechselbädern aus Anmut, spritzigem Esprit, ja manchmal sogar neobarock-zitathaftem eröffnet. Eine Neuentdeckung, zumindest für jene Hörer, die keine Spezialisten in Sachen Flötenliteratur sind, ist Pierre Sancans Sonatine aus dem Jahr 1946. Äußerst wendig vermittelt sie zwischen impressionistischer Klanglichkeit und exotisch fantasierender Harmonik. Sofia de Salis reizt in ihrem Spiel nicht zuletzt eine breite Skala an Klangeffekten oder auch raffinierten Wechseln zwischen Stakkato und Legato hochvirtuos aus.

Wer von betörenden Flötenklängen spricht, dem kommt als erstes der Name Claude Debussy in den Sinn. Dessen Romances sind aber trotzdem kein „Standardwerk“, sondern liefern hier eine weitere Überraschung. Sie sind im Original Gesangsstücke und wurden erst nachträglich für Klavier und Flöte bearbeitet. Sofa de Salis und Elina Kachalova schließen damit eine Lücke im Repertoire, wenn sie diese Versionen zum ersten Mal auf CD einspielen. Zart und elegisch versetzt das erste Stück ins Träumen. Noch leiser und inniger perlen im zweiten Stück die Mollakkordbrechnungen des Klaviers, bevor die Flöte zu einer bittersüß dahin gehauchten Melodie anhebt. Rezitativischer beginnt Le Faune, bevor das Klavier einen tänzerischen Rhythmus entfaltet und die Flöte originell lautmalerisch zu Werke geht. Eine bemerkenswerte kleine Trilogie!

Dramatischer, manchmal fast expressionischer inszenieren Sofia de Salis und Elina Kachalova in André Jolivets Chant de Lions aus dem Jahr 1944 einen weitgespannten, assoziativen Bogen aus Ruhepolen und starken Ausbrüchen. Auch Maurice Ravels Pièce en Forme de Habanera liegt in einer bemerkenswerten Transkription vor, die auf dieser CD einmal mehr so wirkt, als wäre sie speziell für dieses Duo entstanden. Den Habanera-Rhythmus entschleunigen die beiden sehr bewusst. Umso mehr hypnotische Wucht geht aus den Klavierakkorden hervor, über die Sofia de Salis die andalusisch anmutende, auch mit virtuosen Glissandi ausgestaltete Melodie legt. Auf ganz andere Weise überraschend ist Jules Mouquets dreiteilige Sonate La Flute de Pan: weniger exotisch, als das vorherige, dafür umso ergreifender kommt einmal mehr die sangliche Gabe dieses Flötenspiels zum Ausdruck.

Fazit: Um diese Ausnahme-Flötistin – hier im Zusammenspiel mit ihrer einfühlsamen Klavierpartnerin – kommt man nicht herum. Neben ihrer unverwechselbaren Spielkultur offenbart dieses Album bemerkenswerte Repertoire-Entdeckungen und macht über weiter Strecken – hier passt dieses Attribut einmal! – pure musikalische Schönheit erfahrbar.

Stefan Pieper [15.06.2017]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Poulenc Sonate op. 164 für Flöte und Klavier 00:12:09
4 P. Sancan Sonatine für Flöte und Klavier 00:10:12
5 C. Debussy Romance L 79/1 (L' âme évaporée et couffrante) – Moderato 00:01:48
6 Beau Soir für Violine und Harfe 00:02:25
7 La faune (1904) 00:01:55
8 A. Jolivet Chant de Linos für Flöte und Klavier 00:10:59
9 M. Ravel Pièce en forme de Habanera 00:03:11
10 J. Mouquet Sonate op. 15 für Flöte und Klavier (La Flûte de Pan) 00:14:58

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Sofia de Salis Flöte
Elina Kachalova Klavier
 
ARS 38 543;4260052385432

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