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CD-Besprechung

French Treasures

Aleksey Semenenko

Ars Produktion ARS 38 544

1 CD • 57min • 2015

30.03.2017

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Wer Aleksey Semenenko und Inna Fiasowa live erlebt, bekommt einen starken Einruck von der tiefen Symbiose dieses Duos. Solche Bedingungen sind ideal für neue, ambitionierte Projekte: Auf ihrer neuen CD haben sich der Geiger und die Pianistin, beide aus der Ukraine stammend, auf den Länderschwerpunkt Frankreich gestützt. Dabei kommt – natürlich! - eine besondere Klangwelt ins Spiel, ebenso eine typische Aura von Poesie. Französische Komponisten befreiten sich vom Ballast der Spätromantik und entwickelten einen neuen Sinn für den absoluten Klang und das Atmosphärische.

Aleksey Semenenko und Inna Firsova spüren solchen Aspekten überzeugend nach. Zum einen durch eine plausible Werkauswahl und vor allem durch ihren erfrischend eigenständigen, hellhörigen, und wunderbar temperamentvollen Zugriff. Selbst, wenn es hier um so manches anerkannte „Standardwerk“ im Repertoire geht: Klischeehaft wirkt das alles in keinem Moment!

Francis Poulencs Sonate für Violine und Klavier markiert einen Einstieg auf energischem Höchstlevel. Die imaginäre Kraft von Aleksey Semenenkos Violinton erreicht vor allem im langsamen Intermezzo-Satz eine oft beklemmende Dimension. Spektakulär ist, wie differenziert farbenreich dieser junge Geiger auf seiner Stradivari spielt, um damit in verborgene Tiefenaspekte der Musik vorzudringen. Und so sehr sich dadurch eine neue, bemerkenswerte Stimme am Violinhimmel Gehör verschafft, so sehr beherrschen er und seine pianistische Partnerin die Kunst des gemeinsamen Atmens in der Musik. Nach einem doppelbödig wirkenden Presto Tragico in der Poulenc-Sonate spannt sich der Bogen weiter: Ernesto Chaussons Poème für Violine und Orchester wird zum weit gespannten, innigen (Klage-) Gesang, in dem ein 15 minütiger Spannungsbogen zu stemmen ist.

Entfaltet Irina Fiasovas Spiel ohnehin schon orchestrale, aber nie wuchtige Raumwirkungen, so ist dies eine sichere Bank für den Klangkosmos eines Claude Debussy. Nicht nur, wenn sich Aleksey Semenenkos Violine der schillernden Exotik des originalen Flötenmotivs annimmt und dann mit einem Feuerwerk aus Dynamikwechseln, Legatoeffekten, feinsten Glissandi und ätherischen Flagoletts die Melodie in bestem Sinne auskostet. Ähnlich funktionieren auf dieser CD ein Walzer aus dem Jahr 1910 und das zärtliche Clair de Lune aus der Suite bergamasque.

Man möchte noch viel länger eintauchen in die temperamentvolle Spiellust der beiden. Der Wunsch nach mehr wird prompt erfüllt auf dieser CD: Die Capricen nach einer Walzeretude flossen ursprünglich aus der Feder von Camille Saint-Saëns, dann hat sie Eugène Ysaÿe für die Violine transkribiert und spieltechnisch auf die Spitze getrieben. Das ist genau richtig ë für Aleksey Semenenko und Inna Firsova: Nachdem alles noch vergleichsweise harmlos als verspielter Walzer beginnt, explodieren danach die vertrackten Herausforderungen in Gestalt endloser, akrobatischer Doppelgriffpassagen und expressiver Ausbrüche. Dieses Duo lässt sich vorbehaltlos auf jedes musikalische Abenteuer ein, von denen man sich noch viele weitere wünscht!

Stefan Pieper [30.03.2017]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Francis Poulenc
1Sonate Nr. 2 op. 119 für Violine und Klavier 00:17:42
Ernest Chausson
4Poème E flat major op. 25 for Violin and Orchestra 00:15:21
Claude Debussy
5La Plus que lente L 121 00:04:21
6Clair de Lune D flat major L 82/3 – Andante très expressif 00:04:37
7Prélude à l'après-midi d'un faune for Orchestra (1892/1894) 00:06:22
Camille Saint-Saëns
8Caprice d'après l'étude en forme de valse op. 52 Nr. 6 00:08:35

Interpreten der Einspielung

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