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CD-Besprechung

Piazzolla on Marimba

OehmsClassics OC 1851

1 CD • 67min • 2015, 2016

26.11.2016

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Fumito Nunoya kann als einer der wohl profiliertesten „Spezialisten“ auf dem Marimbafon, jenem mächtigen Instrument mit den hölzernen Klangkörpern und Resonanzröhren betrachtet werden. Das Spiel des gebürtigen Japaners zeichnet sehr viel subtile Finesse aus, mit welcher das ganze Kapital dieses Instruments ausgeschöpft wird – nämlich jene eigenwillige „Kreuzung“ des Marimbafons aus Schlag-, Melodie- und Harmonieinstrument.

Auf seiner aktuellen CD widmet er sich der Musik Astor Piazollas. Aber eine solche „Einverleibung“ durch ein neues Instrument löst die Atmosphäre der Originale keineswegs auf. Piazolla bleibt immer zu 100 Prozent Piazolla, wenn man ihn – egal worauf und in welchem Arrangement - spielen kann! Und das können Fumito Nunoya sowie Momoko Shano, Klavier und Yuka Sato, Violine auf jeden Fall. Piazolla plausibel musizieren, heißt zunächst einmal, die allgegenwärtigen Rubato-Effekte wirkungsvoll atmen zu lassen. Aber auch, harmonische Farben und dissonante Reibungen aufleuchten zu lassen, ebenso, in den ständigen, lyrisch-zerbrechlichen Gegenparts, auf maximale Intimität umzuschalten. Fumito Nunoya und auch seine Mitmusiker lassen in dieser Hinsicht eindrückliche Konseqenz walten. Das von Nunoya gespielte Marimbafon kann singen – vor allem, wenn es ums Legato geht, an sich eine wesensfremden Qualität für ein Perkussionsinstrument. Dafür wird jede lange Note durch eine Kette aus Tonrepetitionen gewissermaßen „zerlegt“. Und auch sonst bringt Nunoya das ganze Potenzial des Marimbas zur Entfaltung, vor allem die endlosen Möglichkeiten von dynamischer Abstufung, Akzentuierung und Artikulation.

Das auf dieser CD vorliegende Programm präsentiert den argentinischen Weltmusiker Piazolla einmal nicht als Appetithäppchen (zum Beispiel als Zugabe sehr beliebt), sondern wagt die Gesamtschau, was zum Eintauchen in aufschlussreiche Zusammenhänge animiert. Invierno Porteño liefert ein atmosphärisches Stimmungsportrait voller tiefer Lyrik. Eine mehrsätzige Tango-Suite demonstriert danach, wie Fumito Nunoya aus einem ursprünglichen Virtuosenstück für zwei Gitarristen eine ganz „neue“ Musik kreiert und wo dennoch die ursprünglichen Ideen ungefiltert weiterleben.

Nunoya bleibt aber nicht für sich allein. Immer, wenn die Pianistin Momoko Shano und der Violinspieler Yuka Sato ins Spiel kommen, tun sich faszinierende klangliche Reibungen auf. Da wird der Marimbasound von dem im Kern ja sehr verwandten Klavierspiel feinsinnig überhöht – Kompliment hier für die sehr plastische Aufnahmetechnik, die gerade diesen Moment hervorragend einfängt! Ebenso erhebt Yuko Sato mit seinem flammenden Violinspiel eine ausdrucksmächtige Stimme. Zusammen formen die drei eine gemeinsame, intensive Linie, was einmal mehr die Ausdruckswelt des Bandoneonspieler Piazolla assoziieren lässt. Oblivion, eines der bekanntesten Piazolla-Stücke, entstand ursprünglich als Filmmusik. Hier wird es umso mehr zum sehnsuchtsvollen Lied. Das Stück Adiós Nunino hat eine rezitativische Einleitung, um die sich gläserne Arpeggien des Marimbas ranken, bevor sich später ein wuchtiger tänzerischer Part aufbaut. Es ist ein berührendes Abschiedslied, welches Astor Piazolla für seinen verstorbenen Vater schuf.

Schließlich bietet das Ensemble im dreiteiligen Stück Tangata Silfo y Ondina eine aufschlussreiche Antwort auf die Frage nach einer möglichen „DNA“ für Piazollas Tonsprache: So ganz selbstverständlich gleitet das Spiel in eine Bachsche Fuge hinein. Es liegt in der Natur des Instruments von Fumito Nunoya, dass dessen aktuelle Deutung von Piazollas Musik gerade deren polyphonische Prägung besonders greifbar hervor treten lässt.

Stefan Pieper [26.11.2016]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Astor Piazzolla
1Invierno Porteño 00:07:26
2Tango Suite 00:17:44
5Escualo 00:03:34
6Oblivion 00:04:55
7Adiós Nonino (Tango Rapsodia) 00:09:17
8Tangata – Silfo y Ondina 00:20:16
11Libertango 00:03:56

Interpreten der Einspielung

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