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CD-Besprechung

Max Reger

Sonatas for Violin solo op. 42

Max Reger

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 14.07.16

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 762-2

1 CD • 57min • 2013

Es gibt sicherlich noch weitere große Sammlungen für Violine solo, etwa die von Eugène Ysaÿe, doch reicht selbst dieser moderne Violinmeister nicht an das heran, was Max Reger unter einer einzigen Opusziffer vorlegte. In den bis heute sowohl im Konzert als auch auf Tonträger sträflich vernachlässigten vier Sonaten op. 42 lässt der Komponist 1900 noch einmal einen ganzen Kosmos erstehen, der zwischen dem Erbe Johann Sebastian Bachs und der modernen Zukunft vermittelt. Pünktlich zur Jahrhundertwende sozusagen schafft es Reger, die abklingende Spätromantik und die anklingende Moderne durch die Bach´sche Technik und nicht zuletzt dessen kontrapunktischen Geist integral auszudrücken.

Dass die vier Solo-Sonaten op. 42 als Zyklus geplant sind, der Komponist möglicherweise sogar einen vollständigen Vortrag bevorzugt haben könnte, zeigt sich besonders deutlich daran, dass die Form der Fuge, welche Regers Werke so häufig beschließt und krönt, erst in der letzten der Sonaten erscheint, gefolgt von einem leichtgewichtigen Intermezzo und einer Chaconne, die unüberhörbar auf Johann Sebastian Bachs berühmte Chaconne d-Moll anspielt. Ulf Wallin entwickelt für diese für den tiefsinnigen Reger typischen Passagen die notwendige Übergröße, man höre etwa die naturhafte Kraft, mit der Schlusstöne ausgehalten werden, überhaupt die glutvolle Leidenschaft, mit der der schwedische Geiger jeden Hauch von Akademismus aus diesen Werken vertreibt.

Wallin hat mit seiner Gesamtaufnahme der Werke Regers für Violine und Klavier (mit Roland Pöntinen auf cpo) sein Gespür für diese Musik eindrucksvoll demonstriert. Auch auf diesem Soloalbum wird die unaufdringliche, den Hörer jedoch jederzeit unmittelbar ansprechende Erzählkunst zum Ereignis. Wallins feingliedriger Ton ist zu unendlich differenzierten Modulationen fähig, seine Technik ist makellos, wie etwa die Doppeltriller oder die blitzsauberen schnellen Läufe beweisen, in denen kein 64-tel untergeht. Kleine Effekte, wenn etwa im Vivacissimo-Capriccio der 3. Sonate ein Ton auf drei verschiedenen Saiten gegriffen werden, werden klar, doch nie über Gebühr herausgestellt. Nicht zuletzt hat Wallin ein Händchen für die in diesen Werken so überraschend häufig auftretende, so ganz un-regerisch wirkende leichte Bewegung, man höre etwa das scherzohafte Finale der zweiten Sonate. Und wie der kontrapunktisch kunstvolle und strenge Kanon der 3. Sonate in einen einfachen, anmutigen Duett-Gesang überführt wird, ist schlichtweg beglückend. Die durchgehende sinnliche wie intellektuelle Gegenwärtigkeit, die den Vortrag sämtlicher 14 Sätze durchdringt, macht diese unbedingt hörenswerte, immens wichtige Produktion zu einer Referenzaufnahme.

Dr. Michael B. Weiß [14.07.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 M. Reger Sonate d-Moll op. 42 Nr. 1 für Violine allein 00:18:46
5 Sonate A-Dur op. 42 Nr. 2 für Violine allein 00:09:54
8 Sonate h-Moll op. 42 Nr. 3 für Violine allein 00:11:21
12 Sonate g-Moll op. 42 Nr. 4 für Violine allein 00:17:15

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ulf Wallin Violine
 
777 762-2;0761203776221

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