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CD-Besprechung

Mozart with Friends

Mozart with Friends

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 22.06.16

Sony Classical 889853054121

1 CD • 76min • 215

Es ist immer ein zweischneidiges Schwert, anstelle einigermaßen fundierter, faktenorientierter Einführungstexte die Resultate mehr oder minder ergiebiger Interviews mit dem oder den beteiligten Künstler(inne)n abzudrucken. Denen, die sich schon lange mit der Materie befassen, wird man damit nichts Neues verkünden, und einem jüngeren Publikum wäre mit der ausführlicheren Beleuchtung der historischen Hintergründe und vor allem mit gut verpackten Höranleitungen gedient (wobei freilich nicht auf das erste das zweite Thema und auf die Sechzehntelfigur eine Stelle in c-Moll folgen sollte, wie wir das ab und zu lesen müssen).

Die vorliegende Produktion zeigt mir dieses Dilemma. Wenn man selbst einige Jahre mit der Materie „herumgehökert” hat, dann freut es einen natürlich zu lesen, dass Lars Mönkemeyer nun auch den „verschatteten” Mozart erkannt und an die Stelle des völlig unbeschwerten Götterlieblings gerückt hat. Doch angenommen, ich wollte erfahren, was denn den besonderen Wert des Duos G-Dur K 423 ausmachte, das Wolfgang Amadeus Mozart zur kompositorischen Unterstützung seines Salzburger Freundes Michael Haydn geschrieben hat – dann müsste ich in die Röhre gucken. Das wird apodiktisch hingesetzt und im Zusammenwirken mit der Geigerin Julia Fischer auch ganz ordentlich abgeliefert. Aber Hand aufs Herz: Ein bisschen mehr Wärme hätten der Interpretation größere Dienste geleistet als Mönkemeyers – mir übrigens nicht ganz nachvollziehbare – Versicherung.

Keineswegs will ich indes der Veröffentlichung den Wert absprechen, der sich beim Hören recht bald mitteilt. Zunächst ist das von Sabine Meyer, Lars Mönkemeyer und William Youn ganz vortrefflich ausgeführte Kegelstatt-Trio ein ideales Beispiel für die dunklen Saiten Mozarts, mithin für das, was zumeist durch turbulente Späße (immer muss ich an den armen Joseph Leutgeb denken) und mancherley Unflath übertüncht wurde: Die drei Ausführenden sind sich völlig einig in den herbstlichen Farben und der fast durchgehenden Melancholie des Werkes, das man nicht selten, selten aber so innig und ernsthaft wie hier zu hören bekommt. Ähnliches gilt für die abschließenden Variationen KV 360 über “Hélas, j’ai perdu mon amant”: Die vornehmlich in g-Moll geschriebenen Veränderungen vertragen es durchaus, dass sie auf der Bratsche anstatt der originalen Violine gereicht werden, und es zeugt von viel Empfinden für die Substanz, dass das Duo Mönkemeyer-Youn nach der recht ruppig endenden Finalvariation das subtile Thema als Ausklang wiederholt.

Als echte Bereicherung erweist sich der Griff zur Bratsche auch in der frühen, zweisätzigen Sonate F-Dur KV 30. Besonders profitiert von dem sonoren Ton das außerordentlich anrührende Adagio, das tatsächlich nicht so wirkt, als habe es ein kaum neunjähriges Bürschlein komponiert, das eben von einem Affenzirkus zum nächsten gereicht wurde – oder vielleicht doch? Traurig genug klingt’s jedenfalls ...

Nicht ganz so glücklich fällt der Kopfsatz der Sonate C-Dur KV 14 aus, den Mönkemeyer und Youn gern als ein Allegro molto nähmen, ohne dabei zu beachten, dass die Bratsche ein wenig länger vorglühen muss als ihre kleinere Schwester und, weil sie aus tieferen Gründen emporsteigt, die selbstgewählte Eilfertigkeit nur mit merklicher Mühe absolviert. Das anschließende zweite Allegro ist wieder wesentlich günstiger temporiert, und die beiden Menuetten fallen geradezu ins Ohr, wobei vor allem das alternative zweite (en carillon) mit seinen glöckenartigen Pizzikati die Gesetze der Schwerkraft aus ihren Angeln hebt.

Als niedliches Einsprengsel hat William Youn für die versammelte „Viererbande” zudem ein paar Minuten aus den Londoner Skizzen des kleinen Wolfgang arrangiert. Vier der selten näher spezifizierten Dingelchen, mal von Violine und Bratsche, mal von Bratsche und Klarinette (oder Klavier) oder vom Kegelstätter Trio mit feinstem Fingerspitzengefühl dargeboten, bilden die hübsche Überleitung zu den bereits angesprochenen Variationen und eine gelungene Reaktion auf das von F nach E modulierende Präludium, von dessen Existenz Ritter von Köchel noch keine Ahnung hatte. Insgesamt also ein gelungenes Konzept und eine sehr erfreuliche Realisation desselben.

Rasmus van Rijn [22.06.2016]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Trio Es-Dur KV 498 für Klarinette, Viola und Klavier (Kegelstatt-Trio) 00:19:12
4 Sonate C-Dur KV 14 für Violine und Klavier (1764) 00:11:00
7 Duo G-Dur KV 423 für Violine und Viola 00:15:17
10 Sonate F-Dur KV 30 für Violine und Klavier 00:10:14
12 Modulierendes Präludium (F-E) KV Deest 00:01:44
13 Duo KV 15gg für Violine und Viola (Aus dem Londoner Skizzenbuch) 00:00:51
14 Intermezzo KV 15p für Viola und Klavier (Aus dem Londoner Skizzenbuch) 00:02:18
15 Duo KV 15q für Klarinette und Viola (Aus dem Londoner Skizzenbuch) 00:02:37
16 Trio KV 15x für Klarinette, Viola und Klavier (Aus dem Londoner Skizzenbuch) 00:00:55
17 Hélas, j'ai perdu mon amant g-Moll KV 360 (Variationen) 00:11:26

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Nils Mönkemeyer Viola
Julia Fischer Violine
Sabine Meyer Klarinette
William Youn Klavier
 
889853054121;0889853054121

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