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CD-Besprechung

Johanna Martzy plays Mozart

SWRmusic 94.230

1 CD • 48min • 1956, 1962

07.05.2015

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Um die Klasse zu erahnen, in welcher sich die Geigerin Johanna Martzy zu ihrer Zeit bewegte, empfiehlt es sich, zunächst einmal die beiden langsamen Sätze der Mozart´schen Violinkonzerte Nr. 3 G-Dur und Nr. 4 D-Dur anzuhören. Es entspinnt sich nach den Einsätzen der Solovioline jeweils ein unendlicher Gesang, von anrührender tonlicher Süße, dabei stets mit größter Feinheit gestaltet und von absoluter Diskretion beherrscht. Allein, wie Johanna Martzy die Tiefe in die weiten Bögen integriert, ist wunderbar. Gerade in diesen zarten Sätzen wirkt das instrumentale Cantabile wie eine heimliche Verheißung.

Diese violinistische Klasse steht in einem krassen Mißverhältnis zu Martzys Nachruhm, der nach ihrem letzten Auftritt 1976 „erstaunlich schnell“ verblaßte, wie Christoph Schlüren in seinem gewohnt kenntnisreichen Begleittext ausführt. Geboren in Siebenbürgen, genoß Martzy den größten Teil ihrer Ausbildung in Budapest als Schülerin Jenő Hubays. Nach ihrem Debüt 1942, begleitet von Willem Mengelberg, lief ihre Konzertkarriere sehr gut an – sie musizierte etwa mit Joseph Keilberth und Leonard Bernstein und nahm für Deutsche Grammophon, später für die EMI, etwa unter Eugen Jochum und Ferenc Fricsay auf.

Allein aus musikalisch-interpretatorischen Gründen ist es höchst an der Zeit, Johanna Martzy wieder einem breiteren Publikum nahezubringen. Die hier vorgelegten zwei Violinkonzerte Mozarts sind dazu vorzüglich geeignet. Beide Einspielungen: die des 4. Konzertes D-Dur KV 218 wurde 1956 im SDR-Studio produziert, die des 3. Konzertes G-Dur KV 216 ist ein Mitschnitt eines Stuttgarter Konzertes von 1962, klingen erstaunlich präsent, die digitale Überarbeitung hat hier offenkundig viel geleistet. Vor allem die Balance zwischen der Solistin und dem Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR unter Hans Müller-Kray ist von natürlicher Ausgewogenheit. Müller-Kray hält die Begleitung stets im leichten Fluß, kann jedoch auch die langsamen Tempi wirklich erfüllen.

Das Ereignis freilich ist Johanna Martzy. Noch zwei Beispiele ihrer Kunst: wie subtil und dennoch wirkungsvoll sie die Moll-Episode im Hauptsatz des G-Dur-Konzert abschattet und mit welcher Raffinesse sie immer wieder neue Stricharten für das Rondeau des D-Dur-Konzertes findet. Es ist leicht, sich in das Spiel Johanna Martzys zu verlieben. Eine beglückende Wiederentdeckung.

Dr. Michael B. Weiß [07.05.2015]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Wolfgang Amadeus Mozart
1Violinkonzert Nr. 4 D-Dur KV 218 00:24:14
4Concerto No. 3 G major KV 216 for Violin and Orchestra 00:23:29

Interpreten der Einspielung

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