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CD-Besprechung

Igor Levit

Bach Partitas

Sony Classical 88843076302

2 CD • 2h 31min • 2014

10.09.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Kürzlich noch – im TV-Film „Igor Levit-Mein Liszt“ – hatte er sich als entschlossener Liszt-Fan deklariert. Jetzt aber, mit seinen ersten beiden Solo-CDs, bewegt er sich auf ganz andern Feldern: der Einspielung von Beethovens späten Klaviersonaten folgt eine Aufnahme der sechs Partiten BWV 825 bis 830, dem frühesten Abschnitt der vierteiligen Clavier-Übung von Johann Sebastian Bach. Igor Levit ist eben ein vielseitiger Mann, das möchte er damit wohl unterstreichen. Der 27jährige Künstler aus dem russischen Nischni Nowgorod, aufgewachsen und ausgebildet allerdings im Westen (etwa als Schüler des legendären Karl-Heinz Kämmerling in Hannover), wird von den Medien bereits kräftig bejubelt. Natürlich fällt dabei wieder mal das Wort vom „Jahrhundertpianisten“. Man muss nicht gleich in den Jubelchor einstimmen, aber fest steht: Igor Levit ist hochbegabt und er bietet eine eigenständige Auseinandersetzung mit Bachs Musik. Er spielt die Partiten übrigens konsequent klaviermäßig, ohne Assoziationen ans originale Cembalo.

Offenbar hatte Igor Levit gewünscht, in der Einführung (von Martin Geck) auf Robert Schumanns Wort vom „Tiefkombinatorischen, Poetischen und Humoristischen“ in Bachs Tonkunst zu verweisen. Dabei ist es ihm wohl ganz besonders um das letztere gegangen – um jene „Galanterien“, von denen der Komponist in seinen Abfolgen von vielfältigen Tänzen selber sprach. Nehmen wir als Beispiel die drei letzten Sätze in der dritten Partita a-Moll: bevor Levit in eine geradezu überschäumende Gigue mündet, forciert er in der Burlesca den spöttischen Bewegungsablauf und markiert das Scherzo durch heftige Sforzato-Akzente. Auch Crescendi, angezogene Tempi und sonstige Zuspitzungen gehören zum interpretatorischen Bach-Vokabular des Pianisten.

Auf der andern Seite zeigt Levit keinerlei Scheu vor nahezu romantischen Exkursen, am frappantesten ablesbar in den Allemande- und vor allem in den Sarabande-Abschnitten. Da spielt er eine wohldosierte Klangsinnlichkeit ungeniert aus und bleibt dabei doch einfach und geradlinig. Solcherart zeigt sich der souveräne Virtuose, der seine makellose Technik gar nicht unbedingt demonstrieren muss. Aber natürlich tönt er immer wieder und durchaus gezielt an, dass diese Partiten eben entschieden mehr als bloße Übungsstücke sind, wie sie der Komponist selber listig getarnt hatte: „…denen Liebhabern zur Gemüths Ergoetzung verfertiget“. Igor Levit, das ist vielleicht sein größter Verdienst, bringt das Schlichte und das Komplizierte, das Geläufige und das Poetische unter einen Hut. Als Paradox mag man festhalten: da geht einer mit intensivierter Gelassenheit an seine fordernde Aufgabe.

Mario Gerteis † [10.09.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johann Sebastian Bach
1Partita Nr. 1 B-Dur BWV 825 00:18:54
7Partita Nr. 2 c-Moll BWV 826 00:22:32
13Partita Nr. 4 D-Dur BWV 828 00:34:17
CD/SACD 2
1Partita Nr. 3 a-Moll BWV 827 00:20:03
8Partita Nr. 5 G-Dur BWV 829 00:20:38
15Partita Nr. 6 e-Moll BWV 830 00:33:50

Interpreten der Einspielung

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