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CD-Besprechung

Arnold Schönberg
Moses und Aron

Arnold Schönberg<br />Moses und Aron

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 12.06.14

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SWRmusic 93.314

2 CD/SACD stereo • 1h 41min • 2012

Ein dichterisch-musikalisches Hochgebirge, ein philosophisch-psychologisch-religiöses Gesamtkunstwerk, schwer zu entschlüsseln und noch viel schwerer zu realisieren: Moses und Aron, jenes Riesenwerk, das Arnold Schönberg, der selbst so etwas wie ein Moses seiner Epoche war, mit biblischem Eifer errichten wollte – und letzten Endes gescheitert ist, wenngleich auf geniale Weise gescheitert. Alles, was es im Theater möglich ist, Rezitation, Tanz, Gesang, wird zu einem gigantischen Gebäude aufgehäuft, das von Anfang an die Gewissheit über die Vergeblichkeit alles Suchens und Strebens in sich birgt. Trotz aller Schwierigkeit, trotz der letztendlichen Unbesteigbarkeit des Gipfels, übt dieser religiös-philosophische Text- und Musik-Kosmos seit jeher eine ungeheure Anziehungskraft aus – auf die Künstler genauso wie auf das Publikum. Seit Jahren ringen die Opernhäuser um dieses Mahnmal des vergeblichen Ringens – und scheitern fast immer. Denn die Anforderungen von Text und Komposition gehen weit über Menschenmögliches hinaus. Vollendung kann dabei nie herauskommen, im besten Falle Annäherung. Und so wird das Werk ad infinitum weiterleben, sozusagen mit offenem Schluß: „O Wort, du Wort das mir fehlt!“

Diese Passage aus Moses und Aron bildet den Abschluß in der neuen Aufnahme, die nur auf dem von Schönberg vollendeten Teil beruht, also auf Akt eins und zwei. Der Text des dritten, unvertonten Akts findet sich im Booklet abgedruckt. Eine Besonderheit bei diesem Jahrhundert- oder Jahrtausendwerk: dass man als CD-Konsument, der einzig auf den akustischen Teil angewiesen ist, ungleich besser dran ist als jeder Besucher einer Bühnenaufführung. Denn wenn diese noch so bemüht ausfällt, so wird sie doch immer nur einen Schatten, ein triviales Abbild der großen Idee bieten können. Als Theaterbesucher ist man außerdem durch die Vorgänge auf der Bühne unausgesetzt irritiert und abgelenkt. Wobei die unvermeidlichen Nuditäten im zweiten Akt eine spezielle Rolle spielen. So aber, ungestört und unbelästigt, kann man die eigene Phantasie spielen lassen und die musikalisch-dichterische Struktur in voller Reinheit entgegen nehmen. Und dies mit allerhöchstem Gewinn.

Als akustische Quelle der Neuerscheinung werden vier öffentliche Darbietungen genannt: Konzertmitschnitte aus Berlin, Luzern, Freiburg und Straßburg. Alle im September 2012, mit dem SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg, der EuropaChorAkademie unter der kompetenten Führung durch Sylvain Cambreling. Orchester, Chor und alle sonstigen Kräfte und Mächte – alle hochgespannt, voll Eifer und Energie am Platz. Eine Wiedergabe von außerordentlichem Format.

Ungemein beeindruckend: die Moses-Stimme von Franz Grundheber. Ein Sänger mit langer Opern-Erfahrung ist an dieser Stelle auf jeden Fall viel besser eingesetzt als ein purer Rezitator, wie dies auch schon vorgekommen ist. Grundheber bringt das breite Pathos der Opernbühne mit herein, was absolut im Sinne Schönbergs ist – denn der Text ist durch und durch pathetisch. Die tiefe, sonor schwingende Stimme, markant und wortdeutlich, erhebt sich fallweise („Reinige dein Denken“ im ersten Akt) zur Gesangs-Andeutung. Eine große Leistung eines großen Künstlers. Nicht ganz auf dieser hohen Stufe steht der Gegenspieler Aron, dem Schönberg die einzige große Gesangspartie des Werks zugewiesen hat: Andreas Conrad, wohlbekannt als Spiel- und Buffotenor (Pedrillo, Mime). Er meistert alle Schwierigkeiten dieser horrenden Partie, nimmt die steilsten Tonhöhen, die vertracktesten Ton-Figurationen mit Leichtigkeit. Bewundernswert. Aber das Gleißende, verführerisch Flackernde der Partie tritt nicht scharf genug hervor. Andererseits – noch mehr zu verlangen, etwa auch etwas mehr Wortdeutlichkeit beim Chor, wäre Unbescheidenheit, sogar Maßlosigkeit. Somit: eine gelungene Annäherung – und das bedeutet bei Moses und Aron schon sehr viel.

Clemens Höslinger [12.06.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Schönberg Moses und Aron

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Franz Grundheber Moses - Sprechrolle
Andreas Conrad Aron - Tenor
EuropaChorAkademie Chor
SWR Sinfonieorchester Baden-Baden und Freiburg Orchester
Sylvain Cambreling Dirigent
 
93.314;4010276026792

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