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CD-Besprechung

Mozart Piano Concertos

Mozart<br />Piano Concertos

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 11.04.14

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BIS 2044

1 CD/SACD stereo/surround • 60min • 2012

Als Solist darf sich der Pianist mit gutem Gewissen als treibende Kraft empfinden und – wenn die technischen Ressourcen vorhanden sind – auch als ein solcher geben. Ein gewisses Einvernehmen mit dem Dirigenten sollte allerdings hergestellt sein. An Übereinstimmung in dieser mechanisch-chronologischen Hinsicht des Zusammenwirkens fehlt es dieser Einspielung von zwei Mozart-Klavierkonzerten keineswegs. Die treibenden Kräfte jedoch des vor allem in den beiden Finalsätzen auf raschen Vollzug zielenden Ronald Brautigam gefährden den Gesamtverlauf der Vorführung in einem Maße, wie es mir im Rahmen dieser Konzertperlen noch nie in die Quere gekommen ist. Natürlich ist der Schlusssatz des B-Dur-Konzerts (KV 456) „Allegro vivace“ bezeichnet – und auch der dritte Abschnitt des festlich-melancholischen Es-Dur-Schatzes scheint unter der Devise „Allegro“ eher den Vorstellungen fingertechnischer Gewandtheit und Geläufigkeit zu entsprechen. Brautigam nutzt zwar die elegisch-tänzerische Einblendung im Finale des Es-Dur-Konzerts zu gebremster Hammerflügel-Höflichkeit, aber rundherum um diese Insel der instrumentalen Glückseligkeit rappelt und zappelt es in höchster Aufregung. Nur ganz, ganz selten bleibt zwischen den Skalenpartikeln und zwischen den Einzelnoten ein Minimum an Gestaltungsabstand – und damit dem Hörer Gelegenheit, dem Gang der Dinge folgend zu verstehen.

Extrem rasante, ja gnadenlos in Bezug auf Mozarts thematische und musikrhetorische Vorgaben packt Brautigam das genannte „Allegro vivace“ aus KV 456 an. Genau genommen: er packt es nicht nur an, er schleudert es wie ein fleischlos klapperndes Skelett über die Rampe!, ungerührt offenbar von den kleinen Repetitions-Feinheiten im wegweisenden Thema, hochtourig die Tonleitern hinauf und hinab eilend. Erfahrungsgemäß eignen sich reine Solostücke besser für Experimente im Bereich der Tempowahl. Oft sind sie von Atem beraubender Wirkung, zuweilen geben sie Aufschluss über die Vieldeutigkeit des hochwertigen Materials, meist dienen sie der Gewährleitung von gestalterischer Individualität. Ein Aspekt fällt hier meiner Ansicht nach besonders ins Gewicht. Die interpretatorischen Hauptlinien bei den Werken für ein Soloinstrument in Allianz mit einem Orchester sind durch die Aufführungspraxis und den rein organisatorischen Aufwand stärker definiert als bei den unbegleiteten Stücken. Nur wenige Einspielungen sind mir bekannt, die sich im Zusammenwirken von Solist und Dirigent diesem Sachzwang entzogen haben. Glenn Gould etwa im C-Dur-Konzert von Beethoven und im d-Moll-Konzert von Brahms (wobei Letzteres gar nicht so langsam gespielt ist, wie es immer wieder kolportiert wird). Zur Zeit ist es Boris Berezovsky, der Brahms’ B-Dur-Konzert offenbar zur Erringung des musikalischen Sportabzeichens missbraucht. Doch der russische Pianist rast ja in letzter Zeit – ähnlich wie seine junge Kollegin Katia Buniatishvili – ganz generell durch die Virtuosenliteratur, dies freilich mit etwas größerer Treffsicherheit… (Mirare 132).

Die Kölner Akademie mit und unter ihrem Dirigenten Michael Alexander Willens folgt Brautigam fair und spürbar auf Gleichlauf achtend auf einer Art Hochgeschwindigkeitskurs mit zwei langsamen Sätzen als ästhetischen Schikanen. Hier dürfen sich die Bläser schlank, mit Vorsicht auch expressiv äußern. In fast all den von mir wenigstens in Ausschnitten wieder gehörten Einspielungen wird in diesen Passagen mehr musikantisches Herzblut verströmt, gar nicht zu reden etwa von der Grazilität und Elastizität, mit der etwa der junge Barenboim das Finalthema aus KV 482 singend sprechen lässt.

Vergleichsaufnahmen: KV 482: E. Fischer (London 6.6.1935 EMI CHS 7637192, Turin 9.11.1954 Music & Arts CD-871, Salzburg 7.8.1946 EMI 5 66085 2 und Orfeo C 823 104 L), Barenboim (Teldec 9031-72024-2, Westminster LP PWS 730, EMI LP 1 C 063-0327), Buchbinder (EMI LP CDC 754275 2, Hänssler PH 04008), A. Schiff (Decca 425855-2), Tipo (EMI CDC 7 54235 2), Haebler (LP Philips 6747 375), Landowska 2.12.1945 New York, ASdisc 357, The Piano Library PL 201, Fellner (Claves 50-9328), de Larrocha (RCA/BMG 09026 61698 2, Decca LP SXDL 7566), Horszowski (Pearl Gemm CDS 9153), R. Serkin (Sony SMK 66 570, DG 415 488-2), Richter (EMI LP 1C 067-1435281 und EMI 2 17411 2, Aldeburgh 1967, Nuova Era 013.6339, London 1961, Intaglio INCD 707-1, Tokyo live – King International KKC 2020/1), Ashkenazy (Decca LP 6.42697 AW), Brendel (Philips LP 9500 145, Philips 468367-2), Casadesus (CBS LP S 72230), Uchida (Philips LP 420 187-2), Anda (Köln 4.4.1960 audite 23.407), Demus (DG LP LPM 18588), Biss (EMI 2 17270 2), Badura-Skoda (Transart 166), Pagny (gutingi 222), R. Levin (L’Oiseau-Lyre 452052-2), Knauer (Berlin classics 0017042 BC), Katsaris (Piano 21 21010), Zacharias (MDG 340 1182-2), Engel (Teldec 9031-72482-2), Anda (DG 429001-2, bzw. DG LP 2720030), Piazzini (Edition Hera 02200).

Peter Cossé † [11.04.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Klavierkonzert Nr. 18 B-Dur KV 456 00:28:44
4 Klavierkonzert Nr. 22 Es-Dur KV 482 00:30:29

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ronald Brautigam Fortepiano
Die Kölner Akademie Orchester
Michael Alexander Willens Dirigent
 
2044;7318599920443

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