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CD-Besprechung

Franz Schubert Piano Works Vol. 11

hänssler CLASSIC 98.617

1 CD • 62min • 2009

26.02.2014

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Noch vor wenigen Jahrzehnten gab es Konzertführer, in denen empfohlen wurde, die Klaviersonaten Franz Schuberts doch beherzt zu kürzen, um sie für den Konzertsaal urbar zu machen ... So weit würde unsere Zeit, die von Respekt vor dem Original durchdrungen ist, sicherlich nicht gehen; und doch kennt jeder, der selbst einmal Musik von Franz Schubert spielte, jene Momente, in denen nichts passiert, in denen das Geschehen auf der Stelle tritt. Man mag dies als seinerzeit völlig neues, statisches oder kreisförmiges Zeitgefühl schätzen oder auch einfach kritisch von Durststrecken sprechen; jeder Interpret jedoch muß auf jene Stellen innerhalb der Schubert´schen Musik, in der die Spannung abfällt, reagieren.

Gerhard Oppitz ist, das stellen schon die ersten Takte des Adagios der späten Sonate c-Moll D 958 klar, kaum gewillt, sich auf Schuberts „himmlische Länge“, wie Schumanns Euphemismus einst lautete, einzulassen: Den Themenkopf spielt er noch breit aus, doch dann stiftet schon die kleine Auflockerungsfigur im Alt des Klaviersatzes Unruhe, gibt einen Impuls, so dass die choralartige Steigerung einen wenig hymnischen, eher zusammenfassenden Drall mitbekommt. Das hat etwa Konstanze Eickhorst jüngst gelassener gespielt, wenngleich sie die sich dadurch ergebende Statik in Kauf nehmen mußte (Genuin 13289, KLASSIK HEUTE berichtete). Spannungs- und Richtungslosigkeit gibt es bei Oppitz nicht, die Entwicklung ist stets von Energie durchpulst – Kürzungen, um mit dem ketzerischen alten Konzertführer zu sprechen, sind hier also nicht nötig.

Andererseits wirkt in dieser Schubert-Deutung, konträr zu ihren belebenden Tendenzen, auch ein mäßigender Zug: Diese beiden einander entgegengesetzten Kräfte machen die Vielschichtigkeit dieser intelligenten Realisierung aus. Im Vergleich etwa zu Mitsuko Uchidas etwas überspannter Anlage des Jagdfinales aus den späten 1990er Jahren (wiederveröffentlicht in der Sammlung Philips 475 6282) kann Oppitz diesen Satz mit mehr Gewicht versehen und somit zu einem formal tragfähigen Abschluß des gesamten Werkes modellieren. Bedauern mag man vielleicht nur, dass Oppitz dem heroischen Gestus des Kopfsatzes die physische, im Ansatz vielleicht gar geräuschhafte Massivität verweigert. Der gebürtige Niederbayer, der etwa in seinen Brahms- oder Martucci-Spielweisen durchaus die berühmte pianistische Pranke zeigen kann, kultiviert hier mit frischem, kernigem Ton und gemessener Rhythmik eine rational durchlüftete Totale, in der es keinen unausgeleuchteten Winkel gibt – die glückliche Akustik des Historischen Reitstadls in Neumarkt und die natürliche Klangtechnik (die Aufnahme entstand bereits 2009) unterstützen diese Ästhetik. Der Satz gewinnt so an Klarheit und Geplantheit, verliert jedoch ein wenig an Stimmung.

Das restliche Programm dieser mittlerweile elften Folge einer entstehenden Totale von Schuberts Klavierwerken umfasst kleinere und eher unbekannte Werke, unter denen die reizvolle Ungarische Melodie h-Moll D 817 heraussticht – deren repetitive, leicht manische Begleitung Oppitz übrigens hier auch einmal ohne Modifikation und in voller Renitenz ausspielt.

Dr. Michael B. Weiß [26.02.2014]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Franz Schubert
1Klaviersonate Nr. 19 c-Moll D 958 op. posth. 00:32:00
5Adagio Des-Dur D 505 00:03:43
6Ungarische Melodie h-Moll D 817 00:04:14
7Galopp und Acht Ecossaisen D 735 00:05:27
16Zehn Variationen F-Dur D 156 00:17:14

Interpreten der Einspielung

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