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CD-Besprechung

Classica Francese

Classica Francese

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 10.01.14

Klassik Heute
Empfehlung

MDG 910 1825-6

1 CD/SACD stereo/surround • 77min • 2013

Viele der sogenannten „Crossover“-Experimente der letzten Jahre und Jahrzehnte hinterließen einen zwiespältigen Eindruck, vor allem wohl, weil meist so getan wurde, als ob alle Musikformen, jene der Kunstmusik und jene der Populärkultur, irgendwie gleichwertig wären. Interessanterweise unterscheidet auch Anette Maiburg, der spiritus rector dieses Albums „Classica francese“, in ihrem Beihefttext zwischen „klassischer Ausbildung“ und „anderen Musikstilen“: Auf dieser fünften Folge einer Reihe von nationalstilistischen CD-Programmen (es gibt auch „Classica Cubana“ und anderes) stehen französische Chansons besonders der 1950er und 60er Jahre den vier Kunstkompositionen von Debussy, Jolivet und Jean Cras gegenüber.

Das Nebeneinander von Chanson und klassischer Kammermusik erweist sich hier jedoch als harmonisch. Dies liegt daran, dass sowohl die Komponisten Debussy, Jolivet und Cras auf je eigene Weise auch auf die Popularmusik ihrer Zeit anspielten, die sehr guten Arrangements der Chansons für das siebenköpfige Kammerensemble von Andreas N. Tarkmann aber ihrerseits starke Anleihen an klassischer Instrumentationskunst machen. Schön etwa die vereinzelten Tupfer von Harfe und Xylophon in „Elle fréquentait la rue Pigalle“, das durch die Piaf berühmt wurde, oder „Ces gens là“ von Jaques Brel, dessen Besetzung lange sehr reduziert gehalten wird. Alexandra Cravero singt diese Chansons, die von der Authentizität der Passionen leben, schlichtweg wundervoll.

Zwischen den Kompositionen und den Chansons treten die Qualitätsbrüche aber auch deswegen nicht störend hervor, weil die sieben Musiker um die Flötistin Anette Maiburg alle Stücke mit einer begeisternden Sensibilität spielen. Die sieben Solisten sind sämtlich bereit, gleichsam auch ihrem eigenen Klang nachzulauschen sowie den zauberhaften Verbindungen, die dieser mit dem der anderen Instrumenten eingeht. So übertreffen die Musiker in Debussys Sonate für Flöte, Viola und Harfe sogar die bisherige Referenzaufnahme des Ensembles Wien-Berlin aus den späten achtziger Jahren (Deutsche Grammophon 429 738-2) an Raffinesse; die Sonate und auch das Prélude à l'après-midi d'un faune in einer kammermusikalischen Fassung werden mit einem akuten Sinn für deren klanglichen Wunder präsentiert. Den kompositorisch avanciertesten Akzent setzt Jolivets Chant de linos von 1945, der neben den magischen und den melancholischen Stimmungen auch ein wenig Dunkelheit hören läßt. Wenn ein Programm so ausgewogen zusammengestellt ist und so hochkonzentriert musiziert wird, dann läßt man sich „Crossover“ gerne gefallen. Nicht zuletzt auch wegen der glasklaren Akustik sehr hörenswert.

Dr. Michael B. Weiß [10.01.2014]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 C. Debussy Sonate für Flöte, Viola und Harfe 00:17:37
4 J. Brel Amsterdam 00:02:58
5 C. Debussy Prélude à l'après-midi d'un faune für Orchester (Nach einem Gedicht von Stéphane Mallarmé, 1892/1894) 00:09:33
6 M. Legrand Chanson de Maxence 00:04:29
7 E. Piaf Elle fréquentait la rue Pigalle 00:03:36
8 G. Auric Bonjour tristesse 00:03:14
9 J. Cras Quintett für Flöte, Violine, Viola, Violoncello und Harfe 00:05:23
10 J. Brel Ces gens là 00:05:17
11 M.A. Serf (Barbara) Göttingen 00:03:27
12 F.A. Lai La Bicyclette 00:02:49
13 A. Jolivet Le Chant de Linos für Flöte, Violine, Viola, Violoncello und Harfe 00:11:03
14 J. Brel Ne me quitte pas 00:04:36
15 E. Piaf Padam, Padam 00:02:35

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anette Maiburg Flöte
Alexandra Cravero Gesang
Emmanuel Ceysson Harfe
Karina Buschinger Violine
Wen Xiao Zheng Viola
Guido Schiefen Violoncello
Mathias Haus Vibraphon
 
910 1825-6;0760623182568

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