BIS 2014
1 CD/SACD stereo/surround • 54min • 2012
28.11.2013
Künstlerische Qualität:
Klangqualität:
Gesamteindruck:
Klassik Heute
Empfehlung
Mag es auch noch so abgedroschen klingen, aber bei der Aufnahme der beiden Mozart-Klavierkonzerte Nr. 20 d-Moll KV 466 und Nr. 27 B-Dur KV 595 spielt tatsächlich zusammen, was einfach zusammengehört: Ronald Brautigam auf einem Paul-McNulty-Hammerflügel (2011), einem Nachbau eines Instruments von Walter & Sohn, Michael Alexander Willens und seine Kölner Akademie, schließlich die famose Tontechnik. Abseits jeglicher ausgetretener Pfade tritt uns hier nichts weniger als ein Glücksfall der Mozart-Interpretation entgegen. Zwar lassen sich beide Konzerte durchaus – jedes auf seine eigene Weise – als romantisch verklärt bezeichnen. Aber die Interpreten werfen in einer kammermusikalisch transparenten Lesart Sentimentalität, Pathos, überhaupt jeglichen romantischen Rezeptionsballast kurzer Hand über Bord. Das beginnt bereits bei den flotten Tempi, die nicht einmal in den außerordentlich zügig genommenen Binnensätzen gehetzt wirken; die Romanze aus KV 466, vor allem das Larghetto aus KV 595 sind ganz in den Bewegungsfluss der Ecksätze eingebettet, verlieren dadurch zwar ein wenig von ihrer kontrastierenden Wirkung, aber nichts von ihrer Delikatesse, Leidenschaft und gespannten Anmut.
Ronald Brautigam und Michael Alexander Willens setzen spürbar auf eine vorwärts drängende Motorik. Das wird besonders in den Ecksätzen des d-Moll-Konzerts, schon in den dramatisch pochenden Streichersynkopen, der dumpf grollenden Bass-Motivik und dem flehentlich wirkenden Klavierthema der Allegro-Exposition überdeutlich; Unruhe und rhythmische Findigkeit werden dabei bestens herausgestellt. Das Ergebnis ist ein absolut elektrisierender Zugriff, der als Krönung auch noch das Gesangliche in den teils heftigen Stimmungswechseln des Kopf- und Finalsatzes derart betont, als hätte man klar gezeichnete und voneinander abgegrenzte Charaktere vor sich.
Diese bestechenden Charakterzeichnungen finden sich ebenso in dem liedhaften B-Dur-Konzert, das mit seinem sich aus knappen Motiven zusammensetzenden thematischen Material aufregend einheitlich gearbeitet ist (Friedrich Blume spricht von einer „ruhigen Klarheit, die das ganze Konzert ausströmt"). Klanglich greifen hier Klavier und Orchester so delikat ineinander, wie ich es in noch keiner anderen Aufnahme gehört habe. KV 466 stellt dagegen mit seiner überaus kontrastreichen Thematik Solist und Orchester einander gegenüber – zwischen feinfühliger und knackiger Tonformung, zwischen sorgsam modellierten Spielfiguren des Klaviers und resolut dreinfahrenden Tutti und Bläsern von Ronald Brautigam und der Kölner Akademie hellwach in einer Art gleichberechtigten Klangrede, in einem dramatisch paritätischen Dialog perfekt abgebildet.
Dass hier wahrlich Gleichgesinnte am Werk sind und ihre Kunstfertigkeit vollkommen unprätentiös in den Dienst einer größtmöglichen Texttreue stellen, merkt man zu jeder Zeit: pulsierender Drive und ansteckende Spielfreude, wohin man auch hört. Darüber hinaus scheinen Mozarts Spielwitz und Gedankentiefe mit eben diesen Gaben von Ronald Brautigam, Michael Alexander Willens und der Kölner Akademie vollkommen übereinzustimmen. Ganz klar eine Referenzaufnahme, nicht nur die so genannte historisch informierte Aufführungspraxis mit dem entsprechenden Instrumentarium betreffend.
Christof Jetzschke [28.11.2013]
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Komponisten und Werke der Einspielung
Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
---|---|---|
CD/SACD 1 | ||
Wolfgang Amadeus Mozart | ||
1 | Konzert Nr. 20 d-Moll KV 466 für Klavier und Orchester | 00:26:14 |
4 | Konzert Nr. 27 B-Dur KV 595 für Klavier und Orchester | 00:26:35 |
Interpreten der Einspielung
- Ronald Brautigam (Fortepiano)
- Die Kölner Akademie (Orchester)
- Michael Alexander Willens (Dirigent)