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CD-Besprechung

cpo 777 103-2

1 CD • 62min • 2012

04.04.2013

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Wiederentdeckungen vergessener Komponisten gestalten sich meist etwas zwiespältig. Dass der berühmte Dirigent Felix Weingartner (1863–1942) auch ein versierter und fruchtbarer Komponist war, ist durchaus bekannt. Auch wenn seine Werke epigonal sind, an den großen Komponisten der Romantik, vor allem aber der Kompositionstechnik nach Beethoven und Brahms geschult, sind sie doch handwerklich professionell gearbeitet und von Erfindungsreichtum gespeist. Unverkennbar hatte Weingartner mit seinen sinfonischen Beiträgen auch eine Aktualisierung musikgeschichtlicher Werte im Sinn; nicht zufällig etwa steht ausgerechnet seine fünfte Sinfonie op. 71 in c-Moll, wenngleich Weingartner eigene Wege geht sein Heil statt mit aggressivem Schlußjubel in einer ehrgeizigen Orchesterfuge sucht (cpo 77 101-2). Man wird aber bei aller Entdeckerlust nicht so weit gehen, große Aufführungen von Weingartners sieben Sinfonien einzufordern (angemessen wäre vielleicht eher einmal die Programmierung einer der kürzeren Ouvertüren, etwa des substanzvollen „König Lear“ op. 20, vgl. die CD cpo 999 981-2). Weingartners sinfonisches Werk ist aber ein typischer Fall für eine sinnvolle Nutzung der Schallplatte. Die aufwendige, von Eckhardt van den Hoogen auch äußerst ausführlich und persönlich kommentierte Edition der Sinfonien, welche die Firma cpo auf sieben CDs unternahm und nun mit einer Produktion der letzten Sinfonie des Dirigenten-Komponisten krönte, ist also wärmstens zu begrüßen.

Es lohnt sich durchaus, Weingartners wohl ehrgeizigstes Orchesterwerk, seine siebte und letzte Sinfonie C-Dur op. 88 kennen zu lernen, die wenige Monate vor seinem Tod im Jahr 1942 in Basel uraufgeführt wurde. Der aufmerksame Hörer durchlebt in der guten Stunde Spieldauer eine Art klingenden Roman, in welchem orchestrale, gesangssolistische und chorische Passagen in ruhiger, formal kluger Disposition, aber ohne größere Dramatik abwechseln. Es ist dies ein konservatives Komponieren, das einen Eindruck davon liefert, wie die Musikgeschichte hätte aussehen können, wenn nach Bruckner das spätromantische Material nicht, wie bei Mahler, zum Exzeß übersteigert oder, wie bei Schönberg, zerstört worden wäre. Das elegische Geschehen mündet in ein Chorfinale nach Hölderlins „Hymne an die Liebe“, das unverkennbar das Beethoven'sche Vorbild in das 20. Jahrhundert transponieren sollte – und an diesem Anspruch natürlich, wenn auch eindrucksvoll, scheitern mußte. Dass das halbstündige Finale nicht wirklich abheben will, liegt auch an der gerade zum Schluß hin etwas zu bedächtigen Art des Dirigenten Marko Letonjas, der auch in den vorhergehenden sechs Folgen mehr auf wohlklingende Analyse denn auf emotionale Aufwiegelung gesetzt hatte. Dem slowenischen Dirigenten gelingt mit dem präzisen und durchaus klangvollen Sinfonieorchester Basel die erste Hälfte der 7. Sinfonie am besten, weil er Ruhe in die an Bruckner gemahnenden Ostinato-Motive bringt und so die verschiedenen Schichten des Kopfsatzes nachvollziehbar anordnet. Dass Weingartner aber in dem Werk eine Bewegung anlegte, die von der Erhabenheit des Beginns zum erlösenden Jubel des Finales führen sollte, fängt Letonja nicht ein. Die Gesangssolisten sind hochkarätig, es ragt aber keine Persönlichkeit aus dem Ensemble heraus. Auch ist der Klang etwas zu indirekt geraten, um eine enge Verbindung zu der Musik zu ermöglichen. Es ist jedoch gut, dass Weingartners opus summum in einer so sorgfältigen Produktion mit einem guten Orchester vorgelegt wurde, und der Repertoirewert ist natürlich immens. So hat der Zyklus von Weingartners Sinfonien einen würdigen Abschluß gefunden.

Dr. Michael B. Weiß [04.04.2013]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Felix Weingartner
1Sinfonie Nr. 7 C-Dur op. 88 01:02:02

Interpreten der Einspielung

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