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CD-Besprechung

Georg Philipp Telemann: Germanicus

cpo 3 CD 777 602-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 09.01.12

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cpo 777 602-2

3 CD • 2h 44min • 2010

„…etliche und zwanzig Opern“ habe er für das Leipziger Opernhaus komponiert, schrieb Telemann in einer autobiographischen Notiz. Die meisten sind in seinen Studienjahren an der Pleiße von 1701 bis 1705 entstanden, so auch dieser Germanicus, der 1704 über die Bühne der Leipziger Oper ging. Diese war 1692 von Nikolaus Strungk, dem Kapellmeister der Dresdner Hofoper, als zweite Bürgeroper in Deutschland nach der 1678 gegründeten Hamburger Oper am Gänsemarkt ins Leben gerufen worden: Bis zu seinem Tod 1700 brachte Strungk zu den drei Leipziger Messeterminen sein Ensemble von der sächsischen Hauptstadt in die Handelsmetropole und präsentierte auf einer Bühne in einem Hinterhof am Brühl erfolgreich Musiktheater. Nach seinem Tod wurde die Oper zum Tummelplatz einheimischer Leipziger Talente, die sich hauptsächlich aus Studentenkreisen rekrutierten. Telemann blieb der Stadt und ihrer Oper auch nach seinem Weggang aus Leipzig 1705 verbunden; für die Wiederaufführung des Germanicus 1710 ersetzte er 16 Arien der vorher rein deutschsprachigen Oper durch italienische Arien, diese Mischform eines Handlungsablaufs auf deutsch mit italienischen Arien für die dramaturgischen Gipfelpunkte entsprach damals der neuesten Mode.

1720 ging die Leipziger Oper bankrott – Johann Sebastian Bach, der drei Jahre später als Thomaskantor in die Stadt kam, fand die Institution folglich nicht mehr vor. Man stellt sich besser gar nicht erst vor, zu welchen Schöpfungen sie ihn inspiriert hätte, wäre ihr ein auskömmlicher wirtschaftlicher Bestand beschieden gewesen! Viele Arien seiner Kantaten und Passionen liefern trotz der Ermahnungen der Leipziger geistlichen Obrigkeit, die Musik dürfe nicht zu opernhafft herauskommen, beeindruckende Beispiele seiner außerordentlichen dramatischen Talente.

Die Musik zu Telemanns Leipziger Opern galt als verschollen, daher war es eine Sensation, als sich 45 in der Frankfurter Universitätsbibliothek aufbewahrte Arien als dem Germanicus zugehörig herausstellten. Das vollständig erhaltene Libretto stammt von einer Frau, die Telemann laut eigenem Eingeständnis außerordentlich schätzte: Christina Dorothea Lachs, Tochter von Nikolaus Strungk, inzwischen Pastorenfrau und Dichterin von Operntexten. Der Musikwissenschaftler Michael Maul brachte Ordnung in die kunterbunte Ariensammlung, ersetzte die verlorenen Rezitative durch ein von einem Sprecher vorzutragendes Handlungsgerüst und schuf so eine Aufführungsversion der Oper des jungen Georg Philipp Telemann; in einzelnen Fällen bereicherte er seine Partitur mit Anleihen bei Telemann selbst und bei seinen Kollegen Heinichen, Hoffmann und Vogler, die ebenfalls für die Leipziger Oper schrieben. 2007 wurde Mauls Version des Germanicus unter der Leitung von Gotthold Schwarz beim Bachfest Leipzig aufgeführt und 2010 bei den Magdeburger Telemann-Festtagen wiederholt. Der Mitschnitt von Deutschlandradio Kultur der konzertanten Aufführung in Magdeburg vom 19. März 2010 bildet die Grundlage dieser CD-Veröffentlichung.

Dieter Bellmann, einem weiten Fernsehpublikum als Professor Simoni aus der Leipziger Arztserie „In aller Freundschaft“ bekannt, leiht seine sonore Stimme und packende dramatische Gestaltungskraft der durch Maul geschaffenen Rolle des Erzählers. Leider kann die dramatische Gestaltungskraft von Gotthold Schwarz und seinem Ensemble nicht mit Bellmanns souveräner Erzählerkunst mithalten; musikalisch gelingt eine ergreifende oder begeisternde Darstellung von Telemanns musikdramatischem Meisterwerk nur in seltenen Augenblicken. Dabei sind Intonationsunreinheiten bei Elisabeth Scholl und Matthias Rexroth, immerhin zwei Hauptakteure der Aufführung, und Schärfen im Timbre von Elisabeth Scholl zusätzlich betrüblich. Olivia Stahn in der Rolle der Claudia, der Tenor Albrecht Sack als Segestes und die Bässe Henryk Böhm und Tobias Berndt als Germanicus und Arminius heben sich positiver ab, hervorragend ist der Knabensopran Friedrich Praetorius, Mitglied des Thomanerchors, in der Rolle des kindlichen Caligula – im Textheft findet sich zu diesem ausgezeichneten jungen Sänger leider kein Wort, der mit seinen beiden Arien Geschmeidigkeit und Stimmschönheit unter Beweis stellt.

Angesichts der hervorragenden Musik kann die Anschaffung dieser Telemann-Neuheit allerdings trotz der Schönheitsfehler dieser Aufführung empfohlen werden.

Detmar Huchting [09.01.2012]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G.Ph. Telemann Germanicus

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Elisabeth Scholl Agrippina - Sopran
Olivia Stahn Claudia - Sopran
Matthias Rexroth Florus - Alt, Lucius - Alt
Albrecht Sack Segestes - Tenor
Henryk Böhm Germanicus - Baß
Tobias Berndt Arminius - Baß
Friedrich Praetorius Caligula - Sopran
Sächsisches Barockorchester Orchester
Gotthold Schwarz Dirigent
 
777 602-2;0761203760220

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