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CD-Besprechung

The Father, The Son & The Godfather

2 x Bach & Telemann

BIS 1895

1 CD • 70min • 2010

22.12.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Seit Anfang der Neunziger Jahre hat Dan Laurin mit seinem eminent expressiven Spiel von bislang nie gehörter Farbigkeit und Mut zu Extremen die Blockflötenwelt revolutioniert. Sein 2008 mit der Cembalistin Anna Paradiso und zwei weiteren herausragenden Musikern gegründetes Barockensemble Paradiso Musicale stellt sich nun erstmals auf CD vor.

Johann Sebastian Bach, seinen Sohn Carl Philipp Emanuel und Georg Philipp Telemann in einem Programm zu vereinen, lag aus mehreren Gründen nah: Diese drei großen deutschen Komponisten des 18. Jahrhunderts schätzten nicht nur einander, sondern es verknüpften sie auch familiäre Bande. Carl Philipp war Telemanns Patensohn und folgte ihm später im Amt des Musikdirektors der Hamburger Hauptkirchen nach. Trotz dieser engen Verbindungen schuf jeder der drei seinen eigenen Personalstil und war – in der Rückschau – musikgeschichtlich von größter Bedeutung.

Telemann, der das Programm eröffnet, gilt zu Recht als Meister der Triosonate. Wir verdanken ihm eine ganze Reihe fantasievoller Trios, Musik, die stets im besten Sinne „auf den Punkt kommt". Laurin und Henrik Frendin nutzen die „Steilvorlagen" des Komponisten und kosten – extravagant zuweilen – Affekt und Virtuosität großzügig aus und entfachen dabei geradezu ein Feuerwerk an „barbarischer Schönheit", wie es wohl schon Telemanns Zeitgenossen unwiderstehlich gefunden haben müssen.

Für die Vorbereitung der „großen" Bach'schen h-Moll-Sonate haben sich Laurin und seine Frau Anna Paradiso einige Jahre Zeit genommen. Es entstand eine Referenzaufnahme, an deren Reife und Stimmigkeit sich Musiker noch lange messen werden. Ein seltener Glücksfall musikalischer Symbiose: Anna Paradisos herrlich „beredtem" Spiel und Laurins mutiger Agogik und feiner Artikulation ist eine Neudeutung zu verdanken, die frei von jeglichem historisierenden Purismus so klingt, als habe man das Stück gerade zum ersten Mal gehört.

Ein Kuriosum in der Besetzung ist Carl Philipp Emanuels F-Dur-Trio für Bassblockflöte, Bratsche und Continuo. In diesem, klar in die Berliner Zeit weisenden Werk beeindrucken Laurins innige tonliche Wärme und Frendins runder Bratschenklang. Dass Mats Olofsson nicht „nur" der Continuocellist des Ensembles, sondern ein ebenso veritabler Solist ist, zeigt Telemanns D-Dur-Sonate. Mutatis mutandis wechseln Laurin und er die Rollen: zusammen mit dem Cembalo bestreitet hier die Bassblockflöte den Continuopart. Olofssons Spiel vereint (ebenso wie Telemann in seiner Musik) ideal französische Eleganz mit italienischem Esprit. Exquisites Gespür für den spezifischen „Ton" des Bach-Sohnes beweist Henrik Frendin, der Bratschist des Ensembles, in seiner Barockviola-Fassung der Gambensonate g-Moll. In der Schlussnummer bündelt das Ensemble noch einmal höchste Lebendigkeit und spielerische Leichtigkeit. Telemanns g-Moll-Trio beschließt das Programm mit seinem metrisch fast freischwebenden Largo und einem jener schmissigen Gassenhauer-Finales, deren Vorlagen der Komponist so oder so ähnlich als ganz junger Mann in den polnischen Dorfkneipen gehört haben mag und die weit über ein halbes Jahrhundert hinweg ihre Spuren in seiner Musik hinterlassen haben. Nomen est omen: Diese CD ist paradiesisch!

Heinz Braun [22.12.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Georg Philipp Telemann
1Triosonate d-Moll TWV 42:d7 00:06:55
Johann Sebastian Bach
5Sonate h-Moll BWV 1030 für Flöte und obligates Cembalo 00:17:00
Carl Philipp Emanuel Bach
8Triosonate F-Dur Wq 163 00:10:28
Georg Philipp Telemann
11Sonate D-Dur TWV 41:D6 für Violoncello und Basso continuo 00:08:38
Carl Philipp Emanuel Bach
15Sonate g-Moll für Viola da gamba und obligates Cembalo 00:17:27
Georg Philipp Telemann
18Triosonate g-Moll TWV 42:g9 00:07:41

Interpreten der Einspielung

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