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CD-Besprechung

I. Kuusisto

BIS 1 CD 1847

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 05.12.11

Klassik Heute
Empfehlung

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BIS 1847

1 CD • 75min • 2010

Ein origineller Eklektizist? Man könnte lang und breit darüber diskutieren, ob so etwas überhaupt möglich ist. Wir können aber auch einfach diese CD mit Kompositionen des 1933 geborenen Ilkka Kuusisto auflegen und hätten die ganz schwejksame Antwort: „dass ja!"

Der einstige Schüler von Aarre Merikanto, der seine berufliche Laufbahn als Fünfzehnjähriger am Jazzklavier begann, Chöre leitete und für diese arrangierte, viele Bühnenmusiken und andere Zweckdienlichkeiten verfaßte – dieser vielseitige Musiker hat sich lange Zeit selbst als „Handwerker" verstanden und wäre gewiß nicht böse, wenn man ihn als „Tonmetz" bezeichnete, da er denn selbst sein Schaffen als einen „Eintopf" der verschiedensten Zutaten ansieht, „die ich ständig umrühre".

Es liegt was Zwangloses in der Statur des Mannes, den wir da auf dem Cover mit seinen damals noch elf Jahre jüngeren Söhnen Jaakko und Pekka abgelichtet sehen: „Jungs, helft mir!" heißt der Schnappschuß, der Kuusisto selbdritt vor der Wasserung ihres Ruderbootes zeigt. Und als Motto und Illustration hätte man hier nichts besseres finden können: Die Jungs, Pekka an der Violine und Jaakko am Pult des wieder einmal großartig disponierten Sinfonieorchester aus Lahti bescheren ein fünfviertelstündiges Portrait ihres „alten Herrn" von überragender Vergnüglichkeit.

Dabei spielt es erst einmal keine Rolle, ob das Orchesterwerk, mit dem das Programm beginnt, tatsächlich eine Sinfonie ist oder ob Kuusisto senior hier nur „vier seiner tollsten Kinder zusammengekoppelt" hat. In einer Fernsehsendung war er Ende der neunziger Jahre gefragt worden, warum er bis dato vornehmlich Opern komponiert habe, worauf er versetzte, dass er bei entsprechenden Aufträgen auch eine Sinfonie schreiben würde. Osmo Vänskä hörte die Worte, hatte den Glauben, erteilte den Auftrag, und so entstand 1998 ein bunt glitzerndes, mal impressionistisches, mal nach zerklüftetem Prokofieff, mal tänzerisches und mal dahinmarschierendes Menu, dem man rundum anhört, mit welch lockerer Hand es zubereitet wurde.

Ungewöhnlich ist auch die Geschichte des dritten Werkes: Die Kantate Kun talo alkaa soida – eine Art „Weihe des Hauses" auf einen festlichen Text von Lassi Nummi – war die Idee des Baritons Walter Grönroos, der 1992 der erste Direktor der neuen Oper von Helsinki wurde und somit vom letzten Leiter des alten Hauses, nämlich Ilkka Kuusisto, die Schlüssel übernahm. Da Grönroos von den Åland-Inseln kam, war Schwedisch seine Muttersprache, und er wagte es nicht, eine finnische Festrede zu sprechen. Die Lösung war: Sie zu singen! „Wenn das Haus beginnt zu klingen" ist eine knapp zwanzigminütige musikalische Wanderung von romantischen Festklängen bis zu einer kurzen, herzhaften Einlage der Quetschkommode und von kräftigen Romantizismen bis zu herb-sachlicher Deklamation: Jorma Hynninen, einst unter Kuusisto der künstlerische Leiter der finnischen Nationaloper, hält die Klangrede mit der Überzeugungskraft eines Musikers, der schon die Anfänge des Werkes miterlebt und selbst Geschichte geschrieben hat.

Zwischen diesen beiden ohnehin erfreulichen Stücken erhebt sich das Concertino improvvisando aus dem Jahre 2006 als mein erklärter Favorit. Die völlig entspannte Volkstümlichkeit der melodischen Haupteinfälle und die nach ungefähren Anweisungen improvisierte, von Pekka Kuusisto mit lausbübischem Augenzwinkern ausgeführte Solopartie verbinden sich zu einem derart heiteren, jazzig-verspielten Ganzen, dass ich ein ums andere Mal bereitwillig die Waffen streckte – vollends, wenn Pekka sein „flautando" wörtlich nimmt und mit realem Pfeifen in die transparenten Klänge des kleinen Orchesters hineinzwitschert, wenn er wie aus purer Laune plötzlich in halb-avantgardistische Wendungen verfällt und ihn die klaren Anweisungen des Vaters wieder auf die tonale Schiene setzen: „Ich werd‘ euch helfen, Jungs!" tönt es da, und man sitzt daneben und kichert vergnügt, weil die drei sich auf solch hohem Niveau miteinander amüsieren.

Rasmus van Rijn [05.12.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 I. Kuusisto Sinfonie Nr. 1 00:34:20
5 Concertino Improvvisando für Violine und kleines Orchester 00:20:46
8 Kun talo alkaa soida für Bariton und Orchester (Kantate) 00:18:29

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Jorma Hynninen Bariton
Lahti Symphony Orchestra Orchester
Jaakko Kuusisto Dirigent
 
1847;7318590018477

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