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CD-Besprechung

W.A. Mozart

BIS 1 CD/SACD stereo/surround 1894

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 10.11.11

Klassik Heute
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BIS 1894

1 CD/SACD stereo/surround • 55min • 2010

Das Foto auf dem CD-Booklet ist folgendermaßen unterschrieben: „Aus dem Wald in den Konzertsaal – baue dein eigenes Fortepiano." Was dort nach kräftezehrender Arbeit aussieht, mag vielleicht für die Entstehung des Klavierkonzerts c-Moll KV 491 gelten (Mozart hatte es – für ihn äußerst ungewöhnlich – zahlreichen Korrekturen und Revisionen unterzogen), nicht aber für dessen in den Bann ziehende Wiedergabe durch Ronald Brautigam und die von Michael Alexander Willens geleitete Kölner Akademie. Einen gewissen Anteil daran hat auch der von Paul McNulty 1992 nach Anton Walter (ca. 1795) gebaute Hammerflügel. Er verfügt über einen kraftvollen Klang, ebenso über den nötigen Biss und fügt sich hervorragend in das kernig und sehr transparent musizierende Orchester ein, dessen wunderbare Holzbläser für zahlreiche Gänsehaut-Momente sorgen. Scharf konturierend – und das ist dann auch die einzige Analogie zu dem Axt schwingenden „Holzfäller"ì auf dem CD-Cover – gehen die Beteiligten zu Werke, keineswegs grobschlächtig, sondern detailgenau, aber nicht detailverliebt, geschweige denn Details überzeichnend, wozu sich manch historisch informierte Interpret schnell einmal verleiten lässt. Mit einem untrüglichen Gespür für große Gesten und Subtilitäten sowie für hoch gespannte Tempi tauchen Ronald Brautigam – wie gewohnt mit einer beeindruckenden Kontrolle des Anschlags – und die von Michael Alexander Willens hellwach geführte Kölner Akademie das c-Moll-Konzert KV 491 und das Konzert C-Dur KV 503 in ein aufregendes Licht. Und sie verleihen ihnen eine so persönliche Note, dass man nicht nur die komplette CD, sondern auch einzelne Passagen immer wieder anhören möchte.

Alles an diesen zwei großen, 1786 entstandenen Konzerten ist Ausdruck. Das eine, c-Moll, tragisch umschattet, das andere, C-Dur, festlich, glanzvoll, bisweilen heroisch – beide stellen, jedes auf seine ganz eigene Weise, eine Abkehr von bis zu diesem Zeitpunkt gültigen Konventionen dar: In ihrer motivisch-thematischen Konzentration, ihrer intensiven thematischen Arbeit, ihrem Kreisen um immer dieselben Gedanken, in ihren dramatischen Entwicklungen versagen sie sich nicht nur einer galanten oder verbindlichen Gesellschaftskunst. Sie weisen – auch aufgrund ihrer kunstvollen Solo-Tutti-Verflechtung, ihrer Instrumentierung, ihrem dichten Klangbild und, selbst im C-Dur Konzert, aufgrund ihrer unerwarteten, manchmal sogar bedrückenden klangfarblichen Brechungen – mehr auf das Sinfonische, als auf die bis dahin übliche Konzertform und das typisch dialogische Prinzip. Die schmerzhafte Chromatik und die mitunter dämonischen Passagen des Kopfsatzes von KV 491 haben eine enorme Ausdrucksgewalt, ebenso der einer Ouvertüre gleichende prachtvolle Beginn und das virtuose Spielwerk des Klaviers im Allegro maestoso des C-Dur-Konzerts KV 503. Ohne pathetisch zu werden, gelangen Brautigam und die Kölner Akademie in beiden Sätzen mit ihren charakteristischen Hell-Dunkel-Kontrasten zu einer der jeweiligen Stimmung mehr als nur gerecht werdenden, zu einer tatsächlich gefangen nehmenden Ausdruckskraft. Nicht minder in den straff genommenen Mittelsätzen, in denen die Interpreten auf Verzärteltes und Süßliches verzichten. Dass sie sich jenseits jeglicher Mozart-Klischees bewegen, beweist schließlich ihre Wiedergabe der Finalsätze. Zunächst einmal findet Brautigam in den Variationen und der fast schon taumelnd zu nennenden Coda des Allegretto von KV 491 sowie in dem virtuosen Finalrondo des C-Dur-Konzerts KV 503 zu einer bewundernswerten Balance von Brillantem, Deklamatorischem, Phrasierung und Artikulation. Doch damit nicht genug. Brautigam und Willens verbinden pianistische Wendigkeit, bläserische Kraft und Kantabilität sowie Streicherfülle zu einem untrennbaren und dabei hoch durchsichtigen Ganzen. All das geschieht in einer faszinierenden Unaufgeregtheit, womit sich Brautigam, Willens und die Kölner Akademie als berufene Mozart-Interpreten ersten Ranges zu erkennen geben. Und was unglaublich neugierig auf die noch kommenden Mozart-Einspielungen macht.

Christof Jetzschke [10.11.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Klavierkonzert Nr. 24 c-Moll KV 491 00:26:45
4 Klavierkonzert Nr. 25 C-Dur KV 503 00:28:00

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ronald Brautigam Fortepiano
Die Kölner Akademie Orchester
Michael Alexander Willens Dirigent
 
1894;7318599918945

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