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CD-Besprechung

cpo 777 656-2

1 CD • 73min • 2010

29.08.2011

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Monteverdi war in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zwar kein Unbekannter, aber er wurde grundsätzlich in Bearbeitungen gespielt, die den Hörgewohnheiten eines am klassischen und romantischen Repertoire orientierten Publikums entgegenkamen. In Frankreich hatte Vincent d’Indy 1905 den Orfeo wieder belebt, in Italien setzten sich die Fassungen von Ottorino Respighi und Gian Francesco Malipiero durch. Paul Hindemith war der erste, der sich um eine Rekonstruktion des originalen Klangbildes bemühte. Seine 1944 an der Yale University semiprofessionell uraufgeführte Version wurde später in Wien, Rom und Perugia nachgespielt, hatte aber keine nachhaltigen Folgen. Erst mit dem Zürcher Monteverdi-Zyklus unter Nikolaus Harnoncourt und Jean-Pierre Ponnelle begann 1969 die eigentliche Renaissance des Komponisten.

Vor dem Hintergrund dieser Rezeptionsgeschichte kommt den Adaptionen Carl Orffs eine besondere, genau genommen eine Außenseiterrolle zu. Denn es handelt sich im strengen Sinne nicht um Bearbeitungen, sondern um Aneignungen, „in freier Neugestaltung“, wie der Komponist redlicherweise anmerkt. Über das Studium Monteverdis suchte sich Orff selbst als Musikdramatiker zu finden und zu positionieren. Neben der Klage der Ariadne und dem Tanz der Spröden („Il ballo delle ingrate“) galt sein Interesse besagtem Orfeo, den er sich gleichsam in drei Anläufen eroberte. Die letzte (und hier vorliegende) Fassung wurde 1940 unter Karl Böhms Leitung in Dresden uraufgeführt.

Orff hat in nachhaltiger Weise in Sprache, Dramaturgie und Musik der Vorlage eingegriffen. Der deutsche Text weicht nicht nur inhaltlich, sondern auch im Metrum oft vom italienischen Original ab, aus den ursprünglich fünf Akten werden drei, wobei der Verzicht auf die Gottheiten und Allegorien der Vergegenwärtigung des Mythos durchaus zuträglich ist, auch die Anspielungen auf den Hof von Mantua dürften kaum vermisst werden. Gravierender ist die Änderung des Schlusses: wo bei Monteverdi Apollo und Orfeo himmelwärts zum „Nume eterno“ aufsteigen, endet Orff mit dem trostlosen Fazit: „…ewig verloren, Eurydike“.

Auch die musikalischen Eingriffe sind nicht unerheblich, denn Orff hat nicht nur viel gestrichen, sondern auch (aus Bausteinen Monteverdis zusammengesetzte) neue Kompositionen hinzugefügt. Anstelle der begleitenden Instrumentalisten tritt ein traditionelles großes Symphonie-Orchester, das mit Lauten, Bassetthörnern und Harfen allerdings eine Aura alter Musik schafft. Heute, in der noch anhaltenden Blütezeit der Originalklang-Bewegung hat diese Orff-Version keine großen Chancen im Repertoire der Theater, zumal sie mit einer Stunde Spieldauer nicht abendfüllend ist und mit einem anderen Werk gekoppelt werden muß. Die Orff-Festspiele in Andechs haben im vergangenen Jahr eine Reprise gewagt, die man durchaus als Plädoyer für das Stück auffassen kann. Ulf Schirmer gelingt mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem orpheus chor eine sehr expressive und klanglich differenzierte Interpretation, die auch von den Sängern getragen wird. Kay Stiefermann vermittelt mit seinem tenoral gefärbten Bariton eine Idee des mythischen Sängers Orpheus, in den kleineren Rollen fallen die Sopranistin Michaela Selinger (Eurydike) und der sehr junge Bass Tareq Nazmi (Wächter) positiv auf. Die Mezzosopranistin Janina Baechle, die als Botin etwas zu dick aufträgt, kann in der angefügten Klage der Ariadne (Version von 1940) ihre sängerischen und gestalterischen Qualitäten ins richtige Licht setzen.

Ekkehard Pluta [29.08.2011]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Carl Orff
1Orpheus (nach Claudio Monteverdi)
40Klage der Ariadne (nach Monteverdi) 00:12:13

Interpreten der Einspielung

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