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CD-Besprechung

F. Liszt

Hungaroton 1 CD HCD 32704

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 03.10.11

Hungaroton HCD 32704

1 CD • 77min • 1956, 1936, 1953, 1966, 1955

Jene Musikfreunde, die sich schon mit den hier gekoppelten Aufnahmen eingedeckt haben, werden diese pünktlich zum Liszt-Jahr 2011 produzierte Edition vernachlässigen dürfen, auch wenn die Gegenüberstellung von fünf bedeutenden Liszt-Interpreten auf nur einer CD von Interesse bleibt und der Ökonomie des vergleichenden Hörens dienlich ist. Gleichwie: Hungaroton versammelt hier gewissermaßen die frühen und späten künstlerischen Früchte des Lisztschen pianistischen und pädagogischen Wirkens! Die akademische Klavierausbildung fußt auf der unermüdlichen Tatkraft des zuletzt wieder in Weimar sesshaften Meisters. Sein Schüler István Thomán kümmerte sich um das große Talent Ernö Dohnányi, dem er 1927 zum 30jährigen Jubiläum von dessen Künstlerlaufbahn die schönen Zeilen widmete: „Einer der stolzesten Momente meiner Karriere ist, dass ich Liszt als Lehrer hatte – der andere, dass ich Ernö Dohnányi als Schüler hatte: Weil Dohnányi als Komponist weltberühmte Größe, als Pianist herrlich, in seiner Art sogar der Größte ist."

Diese – etwa holprig übersetzten – Bewertungen lassen sich heute in Bezug auf Dohnányis musikalische Persönlichkeit und seine technischen Möglichkeiten als Liszt-Spieler kaum nachprüfen. Verlässlich aber sind zweifellos die Berichte vieler Zeitgenossen, die Dohnányis eleganten, schwebend-grazilen, „diszipliniert gestaltenden" Umgang mit den ihm anvertrauten bzw. eigenen Werken hervorheben. Leider wollten (oder konnten) die Herausgeber der vorliegenden Anthologie nur auf Liszts Des-Dur-Consolation zurückgreifen, die Dohnányi am 15. April 1956 in Athens/Ohio aufgenommen hat. Aber so viel lässt sich sagen: die Einspielung lebt in ihrer zurückhaltenden Grundstimmung von einer zarten Melancholie, wie sie dieser Kostbarkeit des klavieristischen Belcantos nach meinem Empfinden angemessen ist.

Verbürgt ist, wie sehr der junge Béla Bartók von Dohnányis technischer Perfektion beeindruckt war. Nach einigem Zögern entschied sich Bartók, seine Studien nicht in Wien, sondern in Budapest fortzusetzen. Dohnányi hatte ihm positiv von seinen Erfahrungen in dem von Liszt gegründeten Institut berichtet. Auch Bartók ist hier nur mit dem Finalstück aus dem dritten Band der Années de Pèlerinage quantitativ nur knapp, dafür qualitativ sehr anschaulich vertreten. Ganz im Gegensatz zu Dohnányis Schülerin Annie Fischer, die mit der – hier 1953 eingespielten – Liszt-Sonate schon anlässlich des 1933 erstmals durchgeführten Liszt-Wettbewerbs im Halbfinale begeisterte. Unangefochten gewann sie den Ersten Preis! Die Studioaufnahme überzeugt mit einer klaren Disposition der verschiedenen Elementarteile und ihrer brillanten, gleichwohl unaufgeregten, noblen Verbindung bis hin zur Verschmelzung im Bereich der raffiniert und logisch zugleich fusionierten Werkcharaktere. Veröffentlicht wurde diese Interpretation bereits auf Hungaroton-LP und auf CD (HCD 31494).

Die umfangreichen Liszt- Bemühungen des 1905 geborenen Lajos (Louis) Kentner – etwa für Vox – habe ich stets mit einiger Irritation verfolgt. Hinsichtlich materieller Beherrschung des Klaviers – gar nicht zu reden von dämonischer, grenzüberschreitender Virtuosiät – war und ist ihm, was Tondokumente und Konzertauftreten anbelangt, sein Landsmann György Cziffra turmhoch überlegen. Kentner agierte immer etwas fahrig, wie nicht ganz fertig in der musikalischen Ausarbeitung der betreffenden Stücke. Ein Manko, das er mit dem australischen Liszt-Kollegen Leslie Howard gemein hat – dass soll freilich dessen gewaltige Verdienste um die diskographische und musikologische Aufarbeitung des Lisztschen Gesamtwerkes für Klavier nicht schmälern.

Die Aufnahmen Cziffras von 1955 und 1956 sind bekannt und gehören zu den Ecksteinen furioser, technisch schier übermenschlicher Liszt-Erweckung (Mephisto-Walzer Nr. 1!). Aber sie zeigen auch Cziffras Bedachtsamkeit und Ruhe im Bereich von Passagen, die im Allgemeinen flüchtig, hastig angefasst und damit verschenkt werden. Dies gilt für den Beginn der „Wasserspiele" und für den Mittelteil des Mephisto-Walzers, dessen Tonrepetitionen Cziffra als melodische Qualität bewahrt, während die Kollegen hier meist im Campanella- bzw. Etüdengestus üüber die kantable Szene hinwegrattern.

Peter Cossé [03.10.2011]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Liszt Consolation Nr. 3 Des-Dur S 172/3 00:03:49
2 Sursum corda S 163:7 (aus: Anneés de pèlerinage - troisième année) 00:03:17
3 Klaviersonate h-Moll S 178 00:31:36
4 Konzertetüde Nr. 1 Des-Dur S 145 (Waldesrauschen) 00:04:20
5 Konzertetüde Nr. 2 Fis-Dur S 145 (Gnomenreigen) 00:03:11
6 Grande Étude de Paganini S 141 Nr. 3 (La Campanella) 00:04:57
7 Grand Galop chromatique S 219 00:03:12
8 Les jeux d'eau à la Villa d'Este S 163:4 (aus: Années de pèlerinage: Troisième année) 00:07:18
9 Ungarische Rhapsodie Nr. 6 Des-Dur S 244/6 00:06:54
10 Valse oubliée Nr. 1 Fis-Dur Sz 215 00:02:50
11 Ungarische Rhapsodie Nr. 15 a-Moll S 244/15 (Rakoczy Marsch) 00:04:46

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ernö Dohnányi Klavier
Annie Fischer Klavier
Béla Bartók Klavier
György Cziffra Klavier
Lajos Kentner Klavier
 
HCD 32704;5991813270429

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