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CD-Besprechung

DG 477 8770

1 CD • 71min • 2010

13.09.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Pianist Pierre-Laurent Aimard und Dirigent Pierre Boulez sind sich offenbar einig, dass Maurice Ravel „sein Bestes in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg“ gegeben habe. Später dann habe sich der Komponist, gewissermaßen als früher Pionier der Postmoderne, vielfältigsten Neo-Einflüssen geöffnet. Pikanterweise sind die zwei Klavierkonzerte auf der aktuellen Ravel-CD dieser beiden Künstler – abgesehen von den 1905 geschriebenen Miroirs für Klavier solo, einer willkommenen Zugabe – gerade Zeugnisse dieser späten Phase. Dennoch wird man kaum behaupten, dass Aimard wie Boulez mit Unlust an ihre Aufgabe gegangen seien. Vielleicht mussten sie ein wenig über den eigenen Schatten springen, aber das Ergebnis ist faszinierend. Zwei Musiker, die durch die progressive Schule des Ensemble Intercontemporain gegangen sind, spielen mit Versatzstücken des frühen 20. Jahrhunderts – brillant und mit kühlem Espressivo. Aufgezeichnet wurde bei Auftritten in Cleveland, und das dortige Orchester, mit dem Boulez seit rund einem halben Jahrhundert eine enge Liaison pflegt, macht seinem (immer noch) hochstehenden Ruf alle Ehre; zumal die Bläser, gerade das Holz, sind absolut Spitze.

Aimard spricht von „akustischer Sinnlichkeit“, die er bei den beiden Ravel-Konzerten erstrebe. Eine treffliche Definition für das Vorhaben. Der an Messiaen und Ligeti geschulte Pianist und der für seine Maßstab setzende „clarté“ geschätzte Dirigent schaffen klar konturierte Klangsphären, über die sich höchstens beklagen mag, wer in Ravel vorab den Impressionisten wittert. Auch hier werden Ton-Bilder kreiert: eher spielerisch und im Finale sogar sarkastisch beim G-Dur-Konzert, dunkler eingefärbt bis hin zu spürbarer Tragik im D-Dur-Konzert für die linke Hand. Im letzteren geht es Aimard, wie allen ambitiösen Vermittlern, natürlich nicht zuletzt darum, mit den fünf Fingern der linken Hand ein vollgriffiges doppelhändiges Spiel zu suggerieren – was ihm bravourös gelingt. Ob Ravels Palette neoklassizistisch eingefärbt ist samt unverkennbarer Verbeugung vor Mozart im Adagio des G-Dur-Konzertes, ob mit Jazz-Einflüssen jongliert wird oder sonst ein für die damalige Zeit „modegemäßer Zugriff“ (Boulez) erfolgt – Ravel zeigt viele, oft verwirrende und gelegentlich widersprüchliche Gesichter. Die eingestandene Absicht beider Interpreten ist es, „die Einheit des in sich total Verschiedenen zu manifestieren“. Das ist in der Tat das wohl hervorstechende Kennzeichen ihrer Darstellung: durch alle verführerischen „Klimazonen“ (um noch einmal Boulez zu zitieren) hindurch dem unverwechselbaren Ravel-Stil auf die Schliche zu kommen.

Mario Gerteis † [13.09.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Maurice Ravel
1Klavierkonzert Nr. 2 D-Dur (Für die linke Hand) 00:18:51
2Konzert G-Dur für Klavier und Orchester 00:22:22
5Miroirs 00:29:19

Interpreten der Einspielung

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