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CD-Besprechung

Julia Fischer

Paganini

Decca 478 2274

1 CD • 80min • 2008, 2009

23.08.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die 27jährige Julia Fischer ist in der Galerie der rasant emporstreben "Geigen-Girlies" (sorry) gewiss nicht jene, die mit verwegenem Outfit oder sonstigen Accessoires ihre Karriere befördert. Gerade war sie in der vergangenen Saison "Artist in Residence" beim Zürcher Tonhalle-Orchester und hat dort nicht zuletzt ihre interpretatorische Vielseitigkeit zwischen intimer Kammermusik und großer Konzertallüre bewiesen. Dass zum akustischen Bild dieser Künstlerin auch die brillante Geste gehört, selbst wenn sie kaum demonstrativ hervorgehoben wird, liegt auf der Hand. Kurzum, gerade ein so hochvirtuoses Kompendium wie die 24 Caprices füür Violine solo von Niccolo Paganini kann und soll ins Repertoire Julia Fischers gehören. Einige dieser Piècen davon hat sie gelegentlich als Zugaben geboten, jetzt folgt die komplette Sammlung.

Eine erstaunliche, ja ich wage zu behaupten: begeisternde Leistung! Weil sich die Geigerin eben nicht damit begnügt, die gehäuften technischen Kniffligkeiten dieser Capricen zu meistern (was sie im übrigen mühelos tut), sondern weil sie darüber hinaus die unbestreitbar vorhandene musikalische Substanz zu fassen und darzustellen sucht. Paganinis Opus ist, das macht sie klar, teuflischer Bluff und eigenwillige Aussage zugleich. Man mag, gerade in einer derartigen Deutung, von einem freudigen Experimentieren sprechen, das in zwei Dutzend pittoreske Gefäße gesteckt wird.

Julia Fischer, so sehr sie den Zyklus als geschlossenes Ganzes sieht, setzt dennoch nicht auf Einheitlichkeit. Sie spreizt die – stilistische wie emotionale – Skala im Großen wie im Detail. Dafür mag als prononciertestes Beispiel die bekannteste dieser Capricen stehen, die abschliessende Nummer 24 a-Moll, eigentlich eine Variationenfolge über ein eigenes Thema. Mühelos wechselt die Violinistin vom satten zum spitzen Ton, scheut auch, wenn sie gerechtfertigt scheinen, gewisse Schärfen und heftige Akzente keineswegs – Ziel ist der konsequente Ausdruck. Mitunter geht Julia Fischer sogar eigene Wege: die 6. Caprice (g-Moll) hat sie offenbar einmal mit und einmal ohne Dämpfer aufgezeichnet. Schliesslich wählte sie die sordinierte Fassung, obwohl nichts dergleichen in den Noten steht. Das klingt in der Tat schon ein bisschen anders als bei den meisten Aufnahmen. Das ist wohltuend, solch eine Unbekümmertheit, die nicht exzentrisch sein will, sondern auf den tönenden Kern zielt.

Mario Gerteis † [23.08.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Niccolò Paganini
124 Caprices für Violine solo

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