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CD-Besprechung

cpo 777 163-2

1 CD • 60min • 2007

22.12.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Dass Wilhelm Furtwänglers Leidenschaft dem Komponieren galt, ist bekannt. Ebenso, dass er sein Leben lang darunter litt, als Komponist nicht die gleiche Anerkennung zu finden wie als Dirigent. Inzwischen hat die Welt die Qualität seiner Musik erkannt, seine ausladenden Sinfonien sowie verschiedene andere Kompositionen sind kein Geheimtip mehr und werden zunehmend von jüngeren Musikern aufgeführt. Auch von Otto Klemperers kompositorischer Arbeit wusste man. Seine Sinfonien – knapper aber auch spröder als die des Kollegen – hat er auf Schallplatten eingespielt, seinen Merry Waltz hat sogar Leopold Stokowski ihm zu Ehren dirigiert. So gut wie nichts wusste man hingegen von Bruno Walters Kompositionen, denn im Gegensatz zu den beiden Erstgenannten, die ihr Leben lang komponierten und die eigenen Werke selbst aufführten, hat Bruno Walter mit etwa 35 Jahren das Komponieren aufgegeben, nachdem er Mahlers Lied von der Erde und die 9. Sinfonie uraufgeführt hatte – zwei Werke, an die er, wie er glaubte, als Komponist niemals würde heranreichen können. Da er sich in der Folge auch nicht weiter für seine Kompositionen einsetzte, gerieten diese völlig in Vergessenheit.

Also ein Fall für cpo, wo nun erstmals Bruno Walters 1909 in Wien uraufgeführte erste Sinfonie d-Moll auf CD erscheint. Seit einer weiteren Aufführung in Straßburg 1911 hat sie praktisch im Dornröschenschlaf gelegen. Es ist ein einstündiges Werk überwiegend düsteren Charakters, das seinerzeit von einigen Kritikern sogar als „modernistisch“ aufgefasst wurde. Wer den altersmilden Dirigenten Bruno Walter vor Augen hat, wird zweifellos von den dämonischen Aspekten dieser Musik überrascht sein. Die Sinfonie ist ausgesprochen dicht gearbeitet, die Sätze sind verzahnt und das thematische Material wird in vielfältiger Weise, manchmal allerdings etwas angestrengt, weiterentwickelt. Beeindruckend ist der sichere Umgang mit dem großen Orchesterapparat. Gewiss gibt es Stellen, die (etwa im trauermarschartigen Kopfsatz oder dem Walzer-Scherzo) entfernt an Gustav Mahler erinnern, aber generell ging Walter experimentierfreudig seine eigenen Wege – vor allem in dem eine ganz eigenartige Stimmung vermittelnden Adagio oder im gespenstischen Finale. Mahler selbst konnte mit der Musik seines Schützlings wenig anfangen, vielleicht vermisste er etwas Herzenswärme, die seine eigene Musik auch in tragischsten Momenten durchpulst.

Dem amerikanischen Dirigenten Leon Botstein, der sich schon in den USA um das Werk verdient gemacht hat, ist die Wiederentdeckung vor allem zu danken. Mit dem formidablen Sinfonieorchester des NDR bringt er die Sinfonie bei aller Herbheit recht eindrucksvoll zur Wirkung. Eine interessante Veröffentlichung, die dazu beiträgt, unser Bild von einer der großen Persönlichkeiten im Musikleben des 20.Jahrhunderts zu vervollständigen.

Sixtus König † † [22.12.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Bruno Walter
1Sinfonie d-Moll

Interpreten der Einspielung

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