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CD-Besprechung

Lully Jean-Baptiste: Proserpine

Glossa 2 CD GCD 921615

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 06.10.08

Glossa GCD 921615

2 CD • 2h 32min • 2006, 2007

Mit dieser Ersteinspielung von Jean-Baptiste Lullys Proserpine (1680) schließt Hervé Niquet seine Trilogie über antike Frauengestalten in der französischen Tragédie lyrique der Barockzeit ab. Voraufgegangen waren die von der Kritik einhellig gefeierten Ausgrabungen von Destouches’ Callirhoé und Marais’ Sémélé, die sich beide als Entdeckungen erwiesen.

Auch Lully, der aus Italien stammende Ahnvater der französischen Oper, hat noch längst nicht wieder ins Repertoire zurückgefunden. Trotzdem ist dem Autor des Booklet-Textes (Benoît Dratwicki) zu widersprechen, wenn er den Beginn der Lully-Renaissance auf das Jahr 1987 datiert, auf die Aufführung des Atys durch das Ensemble Les Arts Florissants unter William Christie, an der Niquet als Chorsänger beteiligt war. Schon vorher gab es maßstabsetzende Aufnahmen von Alceste unter Jean-Claude Malgoire (CBS, 1974) und Armide unter Philippe Herreweghe (Erato, 1983).

Proserpine ist diesen Werken künstlerisch gleichzusetzen, hat aber nicht die gleiche dramaturgische Stringenz, obwohl wiederum der hochversierte und kluge Philippe Quinault als Librettist tätig war. Es fehlt den handelnden Figuren an charakteristischem Profil, es fehlt damit auch an Spannung schaffenden schroffen Gegensätzen, und schließlich ist die mythologische Nebenhandlung mit der Nymphe Arethusa und ihrem Liebhaber Alpheios nicht zwingend mit dem Hauptthema verknüpft, der Entführung Proserpinas durch Pluto und den daraus resultierenden, die Erde verderbenden Zorn ihrer Mutter Ceres. Lully nutzt diese Leerstellen, indem er den Anteil „reiner” Musik ausbaut. Die Vor- und Zwischenspiele wie die zahlreichen Tanzsätze wären, losgelöst vom theatralischen Anlaß, auch als Orchester-Suite denkbar.

Die Wiedergabe durch Niquet und sein Instrumental-Ensemble Le Concert Spirituel ist, wie in den voraufgegangenen Aufnahmen, exzellent. Es herrscht ein drahtig-trockener Ton vor, der sich aber oft zu barocker Klangpracht öffnet. Die Sänger sind durchweg stilkundig und technisch souverän. Neben der Protagonistin Salomé Haller, einem Sopran von spröder Schönheit, glänzen besonders der Mezzo Stéphanie d’Oustrac als Ceres, ihre Fachkollegin Blandine Staskiewicz als zu Recht von allen Männern umworbene Arethuse und João Fernandes als Pluton, der schwärzeste Bassfarben mit einem entspannten Legato in der Mittellage in Einklang bringt.

Ekkehard Pluta [06.10.2008]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.-B. Lully Proserpine

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Salomé Haller Sopran
Bénédicte Tauran Sopran
Stéphanie d' Oustrac Mezzosopran
Blandine Staskiewicz Mezzosopran
Hjördis Thébault Mezzosopran
Cyril Auvity Tenor
François-Nicolas Geslot Countertenor
Benoît Arnould Bariton
Marc Labonnette Bariton
Pierre-Yves Pruvot Bariton
João Fernandes Bass
Le Concert Spirituel Ensemble
Hervé Niquet Dirigent
 
GCD 921615;8424562016156

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