Klassik Heute - Ihr Klassik-Portal im Internet

Über uns | Impressum | Kontakt | Sitemap

Suche

CD-Besprechung

L.v. Beethoven • F. Schubert • K.A. Hartmann

Carus 1 CD 83.230

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 27.02.08

Carus 83.230

1 CD • 52min • 2003

Frieder Bernius – dieser Name ist ein Gütesiegel, ob es sich nun um Vokal- oder Instrumentalmusik, um barocke, klassisch-romantische oder zeitgenössische Musik handelt. Seine aktuelle Veröffentlichung mit der Streicherakademie Bozen und der Geigerin Ulrike-Anima Mathé bleibt jedoch ein wenig hinter den hohen Erwartungen zurück. Dies mag aber auch daran liegen, dass es sich bei zwei Einspielungen um Bearbeitungen einer Quartett- und Quintettkomposition für Streichorchester handelt. Das Ergebnis ist ein zwar nie erlahmender, in Teilen eleganter Fluss, in dem allerdings manche Stimmverläufe zu undeutlich herausgearbeitet erscheinen.

Karl Amdeus Hartmans Concerto funebre, dieses unentbehrliche, eloquente und exzessive Meisterwerk des 20. Jahrhunderts, ist ein Stück der klassischen Moderne und erschließt sich dem Hörer sofort. Bei diesem während der ersten Monate des 2. Weltkriegs entstandenen Violinkonzert handelt es sich um erschütternd in Musik gefasste Düsternis, Trauer und Wut. Ein Hauch von Trauer offenbart auch Schuberts Ouvertüre c-Moll D 8 (1811); so ernst und bedeutungsschwer ist ihr Ton, dass man kaum glauben mag, es hier mit dem Frühwerk eines Jugendlichen zu tun zu haben. Beethovens Streichquartett F-Dur op. 135 (1826), sein letztes Werk dieser Gattung, wirkt schließlich in seinem fragmentarischen Charakter, in seinen Tendenzen zu strukturellem Zerfall und „mit dem unmäßig wilden zweiten Satz und dem fidelen letzten etwas wie ein Totentanz“ (Th. W. Adorno).

Das Glanzstück der CD ist ohne Zweifel Hartmanns Concerto funebre. Phänomenal ist die dramatische Gestaltungskraft der Solistin Ulrike-Anima Mathé. Den großen melodischen Reichtum und die weitgespannten Kantilenen füllt sie mit immenser Spannung, Drängen und teils unheilschwerem Pathos, doch ohne beispielsweise im Adagio und Schlusschoral Sentiment mit Sentimentalität zu verwechseln. Dabei ist ihr Repertoire an klanglichen Abstufungen, ihre Tonformung von sonorer bis zerbrechlicher Klanglichkeit, ihre überzeugende Phrasierung und Artikulation vom Allerfeinsten sowie ihre Grifftechnik ohne Fehl und Tadel – man höre nur die Kadenz im 3. Satz. Auch die pulsierend und beredt musizierende Streicherakademie Bozen präsentiert sich in einer klugen klanglichen Disposition. Doch abgesehen vom fesselnd ausgebreiteten 3. Satz scheint ihr das zu fehlen, was das Spiel von Ulrike-Anima Mathé so unwiderstehlich macht: das letzte Quentchen Aufbegehren und der unbedingte Wille zu unmittelbarem und größtmöglichem Ausdruck.

Diesen Eindruck hinterlässt auch die Wiedergabe von Schuberts Ouvertüre c-Moll D 8, einem Gattungsgrenzfall, ursprünglich geschrieben für Streichquintett. „Es handelt sich um ein einsätziges Kammermusikwerk für eine eigentlich der sinfonischen Orchestermusik zugehörige Form“, so Uwe Schweikert in seinem hervorragenden Booklet-Text. Beethovens Streichquartett op. 135 kann orchestrale Züge ebenfalls nicht verleugnen. Also ein ähnlicher Gattungsgrenzfall – wohl auch mitverantwortlich für den Umstand, dass sich hier die Version für Streichorchester im Repertoire etablieren konnte. Bernius’ fließende und stets die Proportionen wahrende Lesart des Beethoven-Quartetts zeigt eine große Vertrautheit mit der Partitur; ihr fehlt es nicht an Temperament und Kraft. Aber auch sie ist für meinen Geschmack etwas zu unverbindlich. So zieht etwa das Lento assai, cantante e tranquillo des 3. Satzes mit einer Spielzeit von 5’40 Minuten ungewöhnlich zügig und ohne wirkliche emotionale Tiefe vorüber (eine Einspielung des Juilliard String Quartets aus den 80er-Jahren dauert dagegen gute acht Minuten!). Erfreulich jedoch ist das Ausloten gegensätzlicher Gefühlswelten im zäsurenreichen Finale. Hier wird Musik beim Wort genommen. Man spürt förmlich, wie wichtig Bernius nicht nur das Klingen ist, sondern auch das Verstummen: Pausen und Fermaten werden da zu wissenden Gedankenstrichen, die ich in den vorangegangenen Sätzen doch etwas vermisst habe.

Christof Jetzschke [27.02.2008]

Bechsteinkonzert

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 F. Schubert Ouvertüre c-Moll D 8 für Streicher 00:07:57
2 L.v. Beethoven Streichquartett Nr. 16 F-Dur op. 135 für Streichquartett, 2 Violinen, Viola und Violoncello 00:21:21
6 K.A. Hartmann Concerto funèbre für Violine und Streichorchester 00:22:05

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ulrike-Anima Mathé Violine
Streicher Akademie Bozen Orchester
Frieder Bernius Dirigent
 
83.230;4009350832305

Bestellen bei jpc

 

Das könnte Sie auch interessieren:

 

⇑ nach oben

AGBs Impressum Kontakt Mediadaten Sitemap Datenschutz

© Klassik Heute

jpc