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CD-Besprechung

Roger Norrington

Bruckner

SWRmusic 93.218

1 CD • 61min • 2007

02.12.2008

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Die Erstfassung von Bruckners vierter Sinfonie, der „Romantischen", aus dem Jahr 1874 hat ohne Frage ihre Reize. Es ist durchaus spannend zu verfolgen, wie Bruckner mit dem Material experimentierte, das erst Jahre später nach mehreren Umarbeitungen seine endgültige Form finden sollte. Da gibt es Passagen, die keineswegs nach dem vertrauten Bruckner klingen, aparte Rhythmen, interessante Überleitungen – aber auch Weitschweifigkeiten und Umwege, die der Klarheit der architektonische Struktur nicht unbedingt förderlich sind.

Ganz verzichten muss der Hörer in dieser Fassung auf das berühmte Scherzo („welches die Jagd darstellt"), das Bruckner erst 1878 komponierte um das ursprüngliche, weitaus weniger prägnante Scherzo zu ersetzen. Und auch der Schlusssatz der Urfassung kann sich nicht mit dem 1880 neu komponierten Finale messen, das mit seiner visionären Coda eine beispiellose Krönung des sinfonischen Baues darstellt. Mag die Urfassung hier und da mehr „Kühnheiten" aufweisen, stringenter und in ihren Proportionen überzeugender wirkt die Version von 1878/80.

Roger Norrington begegnet der Gefahr der Langatmigkeit mit beschleunigter Gangart – auch um (besonders im Andante) die mangelnde Tragfähigkeit der Streicher zu kaschieren, die der selbsternannte Reinheits-Apostel einmal mehr zu vibratolosem Spiel verdonnert hat. Manche Motive lassen sich im Schnelldurchgang nicht mehr klar artikulieren, anderes geht durch nicht genügen austarierte Balance zwischen den Stimmen verloren, die sogar Bruckners „hervortretend" nicht immer berücksichtigt. Insgesamt ist das Verhältnis zwischen Bläsern und Streichern hier besser als in anderen Norrington-Aufnahmen – billige Krach-Effekte unterbleiben weitgehend, das Blech klingt weich und geschmeidig und es gibt schöne Holzbläser-Soli. Auch das Violinsolo, eine Zutat Norringtons, ist durchaus hübsch. Den besonderen Herausforderungen dieser Fassung zeigt sich das Stuttgarter Orchester erstaunlich gut gewachsen.

An frühere Bruckner-Aufführungen, die Stuttgart mit dem gleichen Orchester erlebt hat, sollte man jedoch tunlichst nicht denken. Norringtons Welt ist eine andere – breit angelegte große Perspektiven sind ebenso wenig seine Sache wie metaphysische Aspekte. Sein Ansatz ist weltlich-bodenständig, sein Interesse gilt den deskriptiven Einzelheiten mehr als den architektonischen Zusammenhängen. Ein flotter, leicht verdaulicher Bruckner für eine schnellebige Zeit und mit einem kurzen Gedächtnis.

Sixtus König † [02.12.2008]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Anton Bruckner
1Sinfonie Nr. 4 Es-Dur WAB 104 (Romantische)

Interpreten der Einspielung

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