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CD-Besprechung

D. Buxtehude

Carus 1 CD 83.234

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7

Klangqualität:
Klangqualität: 9

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Besprechung: 11.09.07

Carus 83.234

1 CD • 69min • 2007

Angesichts etlicher letzthin erschienener Einspielungen hat Buxtehudes musikalische Passionsmeditation zur Zeit offensichtlich Konjunktur. Über die begrüßenswerte Rehabilitierung eines Meisterwerkes der geistlichen Musik des 17. Jahrhunderts hinaus wird über die Brücke der Zeiten hinweg in diesem Werk die Begegnung mit einer geistig hochstehenden und von innigem Gefühl beseelten Spiritualität möglich, die sich wohltuend vom herdenhaften Wir-Gefühl der Klampfenklänge und „Benedetto!“-Rufe heutiger Tage unterscheidet.

Der 1985 von Hans Christoph Rademann gegründete Dresdner Kammerchor gehört zu den deutschen Spitzenensembles dieser Art und hat sich mit Einspielungen von Musik der Schütz-Zeit bis ins 20. Jahrhundert eine eindrucksvolle Diskographie geschaffen. So gebührt auch ihrer Interpretation dieses wichtigen Werkes der deutschen geistlichen Barockmusik von vornherein Aufmerksamkeit, zumal es keinesfalls an Alternativen mangelt.

Als Vergleich bieten sich hier besonders die 2005 eingespielten Versionen der Niederländischen Bach-Gesellschaft unter ihrem Leiter Jos van Veldhoven sowie die Aufnahme von Cantus Cölln unter Konrad Junghänel an.

Cantus Cölln gewinnt zunächst einen Heimvorteil, der manchem als Erbsenzählerei erscheinen mag: Junghänel lässt seine Sänger den lateinischen Text in der traditionellen deutschen Aussprache singen, Veldhoven und Rademann bevorzugen hingegen die historisch für Deutschland nicht verbürgte italienische Aussprache. Mir scheint die Auswahl einer historisch korrekten Aussprache lateinischer Texte in der geistlichen Musik keine Frage rein philologischer Korrektheit, sondern eine eminent musikalische Frage zu sein: Das macht sich in der niederländischen Aufnahme besonders bemerkbar, wo die allgegenwärtigen „tsch“- und „dsch“-Laute als deutlich fremde Elemente hervorstechen. Besonders die historisch informierte Aufführungspraxis sollte sich nicht scheuen, auch Aussprachetraditionen zu respektieren; bei unseren französischen Nachbarn ist es bereits seit mehr als einem Jahrzehnt selbstverständlich, das berühmte Te Deum von Marc-Antoine Charpentier mit den Worten „Tê deomm lôdamüs“ zu beginnen und so zu bezeugen, dass regionale Aussprachen des Latein in der europäischen Geschichte kulturelle Identität bedeuteten und nicht philologische Nachlässigkeit waren – auch die romanischen Sprachen sind nicht aus Schlamperei, sondern als Varianten örtlicher Sonderformen des gesprochenen Lateins entstanden.

Alle drei Aufnahmen sind mit einem dieser Musik angemessenen kleinen Ensemble eingespielt, sie stehen einander auch, was die technische Perfektion der Ausführung angeht, in nichts nach. Dennoch gibt es einen Unterschied zwischen der Einspielung des Dresdner Kammerchors und den beiden Konkurrenten: Wo bei Cantus Cölln ein vorgeblich distanzierter Ansatz den Eindruck von Eindringlichkeit und Inbrunst eher noch verstärkt, betont die dramatische Interpretation der Niederländer den Predigtcharakter des Werkes – bei Junghänel stehen also die Einflüsse des heraufdämmernden Pietismus auf Buxtehudes Passionsmusik im Vordergrund, während Veldhoven die Verwurzelung der lutherischen Tradition im Wort Gottes betont. Rademanns Version dieses Meilensteins der vorbachschen geistlichen Musik wirkt hier im Vergleich seltsam blass. Sicherlich ist technische Perfektion in der Darbietung ein immens wichtiges Kriterium, gewissermaßen die eigentliche Berechtigung, sich ein Meisterwerk dieses Kalibers überhaupt vorzunehmen; doch wird die Komposition selbst, wenn sie wie hier – ihrer Bedeutung als Zeugin der geistlichen Tradition der evangelisch-lutherischen Kirche entkleidet – allein auf ihre technische und musikdramatische Wirkung reduziert scheint, mehr zur historisierenden Stilübung denn zu einem lebendigen musikalischen Erlebnis. Und der traurige Verdacht drängt sich auf, den Musikern sei es während der Einspielung auch nicht um mehr gegangen.

Vergleichsaufnahmen: Niederländische Bach Gesellschaft, Jos van Veldhoven (Channel Classics SA 24006); Cantus Cölln, Konrad Junghänel (harmonia mundi HMC 901912)

Detmar Huchting [11.09.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 D. Buxtehude Jesu, Membra nostri BuxWV 75 00:56:21
30 Wär Gott nicht mit uns diese Zeit BuxWV 102 00:04:07
31 Walts Gott, mein Werk ich lasse BuxWV 103 00:07:44

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Dresdner Kammerchor Chor
Hans-Christoph Rademann Dirigent
 
83.234;4009350832343

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