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CD-Besprechung

cpo 777 226-2

1 CD • 63min • 2006

05.06.2007

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Wenn Sie einen guten Freund ein bisschen auf den Arm nehmen wollen, dann spielen Sie ihm diese CD vor. Er wird vom munteren Wechselspiel zwischen spätromantischer Schwelgerei und jazzigen Rhythmen, zwischen kernigem Pathos und huschender Leichtigkeit unweigerlich irritiert sein. Erich Zeisl (Lebensdaten: 1905-1959) gehört zu jenen Komponisten aus dem frühen 20. Jahrhundert, die das Label cpo mit bemerkenswerter Beharrlichkeit aus der Versenkung holt und zur Diskussion stellt. Natürlich sind es, wie schon die vorangegangene cpo-Liedplatte mit Wolfgang Holzmair, lauter CD-Premieren.

Erich Zeisls Leben und Karriere waren zweigeteilt – unsere Aufnahme dokumentiert beide Abschnitte. Der gebürtige Wiener zeigte sich zunächst von exotischen Klängen mit jazzigem Einschlag angetan – kein Zufall, ist doch eine der drei Hauptfiguren in seinem 1929 geschriebenen Ballett Pierrot in der Flasche (nach einer makaber-grotesken Vorlage des Golem-Dichters Gustav Meyrink) der Jazztänzer Charly. Bravourös und durchaus betörend wechselt die Palette in der fünfteiligen Suite zwischen energiesprühenden Rhythmen („Tanz der fliegenden Teufel“) und süchtigmachender Sinnlichkeit in der „Orientalischen Liebesszene“.

Fast ein Vierteljahrhundert später entstand das Klavierkonzert in C-Dur. 1938 hatte Zeisl Europa verlassen und war in die Vereinigten Staaten emigriert (wo er sich fortan Eric nannte). Die Flucht bedeutete – musikalisch – für ihn auch eine Rückkehr, nämlich zu den hebräischen Wurzeln, hierin verwandt dem ebenfalls nach Amerika gezogenen Westschweizer Ernest Bloch. Wie in seinem Requiem Ebraico (festgehalten auf einer CD der Decca-Reihe „Entartete Musik“) arbeitet Zeisl auch hier mit modalen Melodien und Harmonien. Typisch erscheint zumal das Finale, das zwischen einer rituellen Formel im Klavier (das Spirituelle) und heftiger tänzerischer Bewegung im Orchester (das Irdische) pendelt und die beiden Sphären im zügigen Ausklang zu einem effektvollen Miteinander verschmilzt.

Solche Projekte am Rande des Repertoires lassen sich wohl nur in Koproduktion mit dem Rundfunk realisieren. Dies hier ist eine Aufnahme des ORF mit dessen hauseigenem Ensemble, dem Radio-Sinfonieorchester Wien. Mit ausgesprochen sinnlichem Zugriff geleitet von Johannes Wildner, der mit frischer, direkt anspringender Attacke ans Werk geht. Das klingt unverkrampft, da muss nichts gewaltsam demonstriert werden. Darin findet sich Wildner perfekt mit seinem 27jährigen Klaviersolisten Gottlieb Wallisch, der die nicht wenigen vertrackten Passagen des Konzertes ebenso locker wie spielfreudig meistert – und im meditativen Mittelsatz das lyrische Element gültig auszuformen versteht.

Mario Gerteis † [05.06.2007]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Erich Zeisl
1Klavierkonzert C-Dur 00:35:41
4Pierrot in der Flasche (Suite aus dem Ballett) 00:27:00

Interpreten der Einspielung

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