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CD-Besprechung

Joseph Marx

Eine Herbstsymphonie

Joseph Marx

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 21.03.19

Klassik Heute
Empfehlung

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cpo 555 262-2

1 CD • 67min • 2018

Um eine Rehabilitierung des in der Zwischenkriegszeit wohl erfolgreichsten österreichischen Komponisten, Joseph Marx (1882-1964), haben sich in den vergangenen 20 Jahren einige Künstler und Schallplattenfirmen eher etwas glücklos bemüht. Herausragend ist sicher immer noch Marc-André Hamelins Einspielung des Romantischen Klavierkonzerts (Hyperion). Die vier CDs mit Orchesterwerken – darunter die Natur-Trilogie – des nach der Übernahme durch Universal plattgemachten ASV-Labels mit den Bochumer Symphonikern unter Steven Sloane waren lange nicht verfügbar, werden aber derzeit auf Naxos wiederveröffentlicht. Einen erneuten, durchaus vielversprechenden Anlauf in Sachen Orchestermusik machte dann 2008 cpo mit der Frühlingsmusik, der Idylle und Feste im Herbst unter Johannes Wildner. Letzteres ist immerhin eine in der Orchesterbesetzung reduzierte und zur symphonischen Dichtung umgearbeitete Fassung des Finalsatzes von Marx‘ Hauptwerk, der 1920/21 entstandenen Herbstsymphonie – dennoch schien eine CD-Aufnahme davon noch nicht in Sicht. Die Geschichte der geplatzten Einspielung durch Riccardo Chailly mit dem Leipziger Gewandhausorchester hingegen ist fast schon peinlich. Die offizielle Erstaufnahme mit dem American Symphony Orchestra unter Leon Botstein (2008) ist nur als Download zu erwerben. Nun endlich gibt es die lang erwartete CD: Wieder dirigiert Johannes Wildner, diesmal die Grazer Philharmoniker, das Orchester aus Marxens Heimatstadt.

Marx bestand – auch als Musiktheoretiker – auf der Unverzichtbarkeit der Tonalität, was ihn wie viele seiner noch der Spätromantik verhafteten Zeitgenossen nach 1945 ins Abseits drängte. Nichtsdestotrotz ist die gewaltige Herbstsymphonie harmonisch gewagt, oft bitonal eingefärbt, etwa auf der Höhe von Schrekers Die Gezeichneten. Die Komplexität des kontrapunktischen Orchestersatzes geht sogar noch weiter, erinnert allenfalls an Josef Suks Zrani, die megalomanische Orchestrierung an Skrjabins Prometheus. Felix Weingartner biss sich bei der Uraufführung 1922 daran die Zähne aus, erst Clemens Krauss konnte die Riesenpartitur bändigen und das Stück in Graz und Wien zum Erfolg führen.

Wildner konzentriert sich in erster Linie auf das Entfalten impressionistischer Farbenpracht, was ihm auch mit Unterstützung der wirklich ausgezeichneten Tontechnik hervorragend gelingt. So sind etwa Klavier, Celesta, Harfen und Schlagzeug immer gut erkennbar, ohne sich künstlich in den Vordergrund zu mogeln. Die südländisch gefärbte Tanzpassage im vierten Satz wirkt allerdings allzu exotisch. Dass das viersätzige Stück aber nicht nur eine Aneinanderreihung schöner Klänge ist, sondern überdies durch Formvollendung glänzt, wenn auch für eine Symphonie deutlich zu rhapsodisch, erschließt sich dem Publikum sicherlich erst nach mehrmaligem Hören. Hier vertraut Wildner dem Können des Komponisten und lässt die Musik einfach geschehen; da könnte ein wirklich großer Dirigent noch Überzeugungsarbeit leisten. Für den unbefangenen Hörer mag das dadurch dann auch streckenweise nach Filmmusik klingen – Korngold lässt grüßen. Hierin und ebenso in der Wahl der Tempi sind sich Botstein und Wildner übrigens erstaunlich einig, technisch (Orchester und Aufnahme!) ist die zudem strichlose Neueinspielung in jedem Fall vorzuziehen. Botstein übernimmt alle fakultativen Kürzungen.

Für eine Ersteinspielung kann man mit dieser Aufnahme mehr als zufrieden sein; klanglich ist sie schlicht überwältigend. Um völlig schlüssig durchschaut zu werden, bräuchte es aber nun vor allem viele Konzertaufführungen der Herbstsymphonie. Das Stück gehört jedenfalls einmal genauso ins Repertoire wie mittlerweile Zemlinskys Lyrische Symphonie oder Suks Zrani. Ein echter Coup von cpo, der dieser CD schon jetzt einen vorderen Platz bei den wichtigsten Aufnahmen des Jahres sichern dürfte.

Martin Blaumeiser [21.03.2019]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J. Marx Eine Herbstsymphonie 01:07:00

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Grazer Philharmonisches Orchester Orchester
Johannes Wildner Dirigent
 
555 262-2;0761203526222

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