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CD-Besprechung

George Enescu Complete Works for Violin and Piano Vol. 1

George Enescu<br />Complete Works for Violin and Piano Vol. 1

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Besprechung: 19.03.07

hänssler CLASSIC 98.239

1 CD • 61min • 2005

Ohne Zweifel hätte mir das Anhören dieser CD ein viel größeres Vergnügen bereitet, wenn der Pianist bei seinem Hand=Werk geblieben wäre, anstatt mit unkontrollierten Superlativen in die Fußstapfen von Roger O. Thornhill alias Cary Grant zu treten, der in dem legendären Hitchcock-Streifen North by Northwest dekretierte, es gäbe in der Werbung keine Lügen, sondern nur zweckmäßige Übertreibungen. Dem ist nicht zu widersprechen; in einem Einführungstext zu klassischer Tonkunst sollte man sich dessen allerdings so weit wie möglich enthalten, denn leichter als die Wirksamkeit von Zahncremes oder Deodorants lassen sich historische Fakten überprüfen. Weshalb denn auch die Behauptung, seit Beethoven hätte niemand ein solch bedeutendes Œuvre für Violine und Klavier hinterlassen wie George Enescu, ganz einfach in seine Bestandteile zerfällt allein der Name Brahms sollte vielleicht doch nicht unterschlagen werden, und jemand wie Joseph Joachim Raff, man mag von Einzelnem halten, was man will, gehört auch nicht gerade zu den schmächtigsten Lieferanten fesselnder Violinsonaten ...

Ärgerlich ist ferner, daß wieder einmal Autoritäten aufmarschieren dürfen, die mir mit mächtig-gewaltigen Worten verkünden wollen, daß jedwede mögliche Kritik unmöglich sei. Dabei ist es mir, ehrlich gesagt, völlig egal, ob Carl Flesch oder Max & Moritz die zweite Violinsonate von George Enescu für eines der „wichtigsten Werke der Sonatenliteratur überhaupt“ gehalten haben. Allein die schiere Fülle dessen, was es an Duos gibt, verbietet eine solch radikale Aussage, und das desto mehr, als der Komponist gerade mal 18 war, als er dieses Opus schuf. Als Meinungs- und Geschmacksäußerung völlig unbenommen, provozieren derlei Sentenzen, wenn sie als Apodiktum herausgeschmettert werden, eher zum Beweis des Gegenteils – was ja auch wieder nicht sein soll.

Doch ich grolle nicht weiter, sondern empfehle die CD, der eine zweite folgen soll, aus rein musikalischen Gründen. Weil nämlich zunächst einmal die zehn Eindrücke aus der Kindheit des beinahe sechzigjährigen Enescu eine ganz wunderbare späte Kollektion eigenartigster Stimmungsbilder darstellt; weil die zweite Violinsonate zwar nicht zu den „wichtigsten“ Werken der Gattung gehört, unbedingt aber ein vielversprechendes Charakterportrait des jungen Rumänen liefert; weil der einsätzige Torso einer a-Moll-Sonate (1911) tatsächlich ein bedeutendes Stück Musik ist; und schließlich, weil die Interpretation Verve und Nerv und ein tieferes Verständnis der Materie verrät als das verbale Plädoyer. Man mag aus dem Gesagten auf die künstlerische Qualtität der Produktion schließen: Wenn der Eindruck des Gehört-Miterlebten alle vordergründigen Mißhelligkeiten wegzuwischen vermag, muß eine große gestalterische Kraft am Werke sein. Ob die sich am Bedeutendsten, Wichtigsten, Superlativsten oder nur an einigen wertvollen Duokompositionen äußerst, ist dabei ohne jeden Belang.

Rasmus van Rijn [19.03.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Enescu Impressions d'enfance op. 28 für Violine und Klavier
2 Sonatensatz a-Moll für Violine und Klavier (1911)
3 Sonate Nr. 2 f-Moll op. 6 für Violine und Klavier

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Remus Azoitei Violine
Eduard Stan Klavier
 
98.239;4010276018179

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