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CD-Besprechung

Thorofon CTH 2573

1 CD • 68min • 2010

28.10.2010

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 5
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Für diese Aufnahme hat Eduard Stan einige Walzer, Mazurken und Nocturnes zusammengestellt, dazu noch als „große“ Werke zwei Polonaisen und die Barcarolle. Allen gemeinsam ist die Tonart cis- bzw. fis-Moll. Im Beiheft schreibt der Pianist dazu: „Bei der Werkauswahl habe ich das Ziel verfolgt, auf der Grundlage eines in sich geschlossenen Tonartenkosmos sowohl die Vielfalt und Verschiedenartigkeit Chopinscher Tanzformen zu präsentieren, als diese auch in Kontrast zu epischen und lyrisch-dramatischen Werken zu setzen.ì Ein interessanter Ansatz also, den er im weiteren Text noch ergänzt durch seine persönliche Sicht auf diese Werke. Dass er dabei allerdings Chopins Musik mit Alice im Wunderland, seinem eigenen christlichen Glauben und dem tragischen Flugzeugabsturz am 10. April dieses Jahres bei Smolensk verknüpft, mag manchem als zu dick aufgetragen erscheinen.

Doch wie spielt Eduard Stan nun „seinen“ Chopin? Er hat ein gutes Gespür für einen ausgewogenen Klavierklang, kein Zweifel, und gerade die rechte Hand verfügt über viele Nuancen gesanglichen Spiels. Seine Stärke ist die Lyrik, und beispielsweise im Schlussteil des Walzers op. 64,2 oder in der Mazurka op. 63,3 gelingen ihm in ihrer Schlichtheit ergreifende Momente ruhigen, nachdenklichen Aussingens. Auch die Polonaise op. 26/1 profitiert in ihren kantablen Teilen von dieser Qualität. Andererseits offenbart sie gleichzeitig, was Stans Chopin-Spiel fast durchgehend fehlt: die Kunst der rhythmischen Gestaltung und vor allem die nötige Dosis Adrenalin. Selbst wenn Chopin con anima oder appassionato vorgibt, lässt sich der Pianist nicht dazu bewegen, endlich einmal die Zügel schießen zu lassen und sich in das „Drama des Ringens, der Anstrengung, der Wut und Beharrlichkeit“ (ein weiteres Zitat aus Stans Begleittext) zu stürzen. Und welch grundlegende Bedeutung eine durchdachte und lebendige rhythmische Struktur für alle diese raffinierten Meisterwerke tänzerischer Verfeinerung besitzt – das scheint Eduard Stan noch nicht verinnerlicht zu haben, auch wenn er als Vorbilder die ganz großen Namen Rubinstein, Zimerman und Moravec nennt. Seine Tempi sind grundsätzlich sehr breit, was durch ein fast ausschließlich ins Langsame ziehendes Rubato noch verstärkt wird, und viele Passagen, deren große Linie nur ein klug organisierter Puls tragen kann, zerfallen in kleine aneinander gereihte Einheiten und bleiben dadurch auf einem fast schon naiv anmutenden Level stehen. So verhungern ihm vor allem die beiden Nocturnes trotz aller Klangschönheit, und auch die Polonaise op. 44 mit ihrem manisch insistierenden Mittelteil kann nicht das patriotische Feuer entfachen, in dessen Geist sie geschrieben wurde.

Durch diesen einseitigen Zugang kann das Vorhaben, die Vielfalt und Kontraste von Chopins Musik zu demonstrieren, nicht glücken. Und dass Eduard Stan als Hauptquelle für seine Interpretation den mittlerweile doch schon deutlich überholten Paderewski-Notentext benutzt und nicht zur hervorragenden Neuausgabe von Jan Ekier greift, trägt noch ein Weiteres zum unausgewogenen Gesamteindruck dieser CD bei.

Henri Ducard [28.10.2010]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Frédéric Chopin
1Barcarolle Fis-Dur op. 60 00:09:39
2Mazurka fis-Moll op. 59 Nr. 3 00:03:52
3Nocturne Fis-Dur op. 15 Nr. 2 00:04:03
4Valse cis-Moll op. 64 Nr. 2 00:04:20
5Polonaise cis-Moll op. 26 Nr. 1 – Allegro appassionato 00:09:41
6Mazurka cis-Moll op. 63 Nr. 3 00:02:25
7Prélude cis-Moll op. 45 00:05:56
8Mazurka cis-Moll op. 50 Nr. 3 00:06:03
9Nocturne cis-Moll op. 27 Nr. 1 00:06:05
10Mazurka cis-Moll op. 41 Nr. 1 00:04:01
11Polonaise fis-Moll op. 44 – Tempo di polacca - doppio movmento, tempo di Mazurka - Tempo I 00:12:16

Interpreten der Einspielung

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