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CD-Besprechung

W.A. Mozart

Ludi Musici 2 CD LM 001 A & B

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 01.02.07

Klassik Heute
Empfehlung

Ludi Musici LM 001 A & B

2 CD • 2h 17min • 2006

Dass wir Mozarts Musik für Tasteninstrumente auf den praktisch immer gleichen Instrumenten spielen (Klavier, auch Hammerklavier), ist insofern historisch unkorrekt, als dass sich die Klavierbautechnik im späten 18. Jahrhundert ständig im Fluss befand und Instrumente hervorbrachte, die heute kaum mehr existent sind. Ein solcher Übergang war der Tangentenflügel, eine Zwischenform von Clavichord, Cembalo und Hammerklavier. Beim Tastenanschlag werden teilweise belederte Holzstäbe von unten gegen die Saiten geschleudert, ein zweites Stäbchen dämpft die Saite wieder ab. Dadurch waren unter Beibehaltung des Cembaloklanges feine Lautstärkenänderungen möglich.

Das Duo Marieke Spaans am Tangentenflügel (einem originalen Instrument aus dem späten 18. Jahrhundert) und Anton Steck an der Barockvioline hat nun Mozarts 1778 in Paris entstandene „Sechs Sonaten für Fortepiano unter Begleitung einer Violine“ eingespielt. Herausgekommen ist eine historisch hochinteressante und durch ihr Feuer auch musikalisch überzeugende Aufnahme, die zudem in einer prachtvollen Edition herausgegeben wurde. Die sehr ausführlichen Begleittexte – man kann fast schon von einer Aufnahme zum Buch sprechen – gehen dabei vor allem auf das historische Umfeld von Mozarts Aufenthalt in Paris ein, zudem gibt ein Interview mit dem Cembalobauer Matthias Kramer Einblick in das Wesen des gespielten Tangentenflügels.

Die insgesamt sechs Sonaten, die Mozart selbst als sein Opus 1 bezeichnete, sind auf zwei CDs verteilt, ergänzt durch Interviews mit den Interpreten, in denen sie über die Musik, Mozarts damaliges Umfeld sowie die Instrumentenwahl sprechen. Eine Gesprächspassage nimmt konkreten Bezug zur vorliegenden Aufnahme, wenn Anton Steck davon spricht, dass die Aufnahmemikrophone den Ohren des damaligen Publikums entsprächen. Die Räume, in denen diese Musik gespielt wurde, seien ja viel kleiner gewesen als die heutigen Konzertsäle, in denen viele Feinheiten verloren gingen, so Steck.

Die erste CD beginnt mit der dreisätzigen Sonate in D-Dur KV 306. Durch das vorwärtstreibende, kurzatmige Spiel und die äußerst lebhafte Phrasierung erinnert die Interpretation an eine geschwätzige Unterhaltung, etwa eine lebhafte Marktszene. Die musikalische Rhetorik ist überhaupt das bestimmende Element dieser Aufnahme. Praktisch jeder Einzelsatz kann als kleine Theaterszene gehört werden, als Rollenspiel der Klänge und Töne. Der Kopfsatz der Sonate in C-Dur KV303 etwa ist eine galante Werbungsszene, in der die Violine schmachtet und schwelgt, der Tangentenflügel hingegen mit kühler Distanz antwortet. Aus diesem Gegensatz entwickelt sich ein hinreißendes Miteinander, in der Violine und Flügel Hand in Hand durch die Musik stürmen.

Eine besondere Funktion innerhalb dieses Zyklus bildet die einzige Moll-Sonate, jene in e-Moll KV 304. Hier heben Spaans und Steck die Kontraste besonders hervor. Die Sonate wird so zu einem exemplarischen Werk des musikalischen Sturm-und-Drang, zu einem Dokument emotionaler Widersprüche. Stellenweise meint man, den Komtur des Don Giovanni poltern zu hören oder einen Sturm, der am Fenster rüttelt. Der zweite Satz bringt mit seinem sich im Kreise drehenden Dreiertakt etwas Ruhe, ähnlich wie ein abziehender Wirbelwind, besonders gelungen ist jedoch das Trio. Nach all dieser Unruhe wirkt es wie ein Sonnestrahl.

Die Farbenvielfalt des Tangentenflügels zeigt sich besonders im zweiten Satz von KV 305 und KV 306. Mal klingt er wie eine Harfe, dann wie ein Cembalo, manchmal sogar wie ein Hackbrett oder eine Gitarre. Der äußerst obertonreiche Klang vermischt sich nicht selten so sehr mit dem Ton der Violine, dass beide verschmelzen.

Der Klang dieser Aufnahme beeindruckt unmittelbar. Der Tangentenflügel tönt ausgesprochen voll und kraftvoll, der helle Cembaloklang bestimmt dabei weitgehend das Klangempfinden. Die Violine ist im Stereopanorama nicht wie zumeist üblich in der Mitte postiert, sondern steht auf der rechten Seite. Dies entspricht dem Werktitel „ …mit Begleitung einer Violine“. Besonders deutlich wird der musikhistorische Positionskampf der Violine in der Sonate in G-Dur KV 301. Hier wirkt die Violine mit ihrem stellenweise messerscharfen Klang wie eine Waffe, die sich den ihr zustehenden Platz in der klassisch-romantischen Violinsonate erst erkämpfen muss.

Marieke Spanns und Anton Steck haben mit dieser Edition in Luxusausführung ein gelungenes Beispiel vorgelegt, wie die Wahl der Instrumente und die musikalische Gestaltung eine logische Einheit ergeben. Dafür sowie für die Lebendigkeit und die glasklare Klangqualität dieser Interpretation gibt’s dreimal die Höchstbewertung.

Robert Spoula [01.02.2007]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 W.A. Mozart Sonate D-Dur KV 306 KV 300l für Violine und Klavier (Mannheimer Sonate Nr. 6)
2 Sonate C-Dur KV 293c KV 303 für Violine und Klavier (Mannheimer Sonate Nr. 3)
3 Sonate e-Moll KV 304 KV 300c
4 Sonate A-Dur KV 305 für Violine und Klavier (Mannheimer Sonate Nr. 5)
5 Sonate G-Dur KV 301 für Violine und Klavier (Mannheimer Sonate Nr. 1)
6 Sonate Es-Dur KV 293b KV 302 für Violine und Klavier (Mannheimer Sonate Nr. 2)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Anton Steck Violine
Marieke Spaans Klavier
 
LM 001 A & B;7640131810012

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