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CD-Besprechung

G. Onslow

cpo 1 CD 777 151-2

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Besprechung: 07.07.06

Klassik Heute
Empfehlung

cpo 777 151-2

1 CD • 66min • 2003

Seit einigen Jahren schon betreibt das rührige, stets auf das Abgelegene und Seltene ausgerichtete Label cpo eine umfassende Edition von Werken des französischen Komponisten George Onslow (1784–1853); erschienen sind bisher Sinfonien und Streichquartette. Diese Onslow-Initiative muß generell sehr begrüßt werden, nicht nur wegen der Leistung, den Katalog in Richtung einer vorgestellten Vollständigkeit weiter zu ergänzen. Onslow, der in Frankreich geboren wurde, weil sein Vater wegen eines Skandals sein Geburtsland Großbritannien verlassen mußte, nahm im Frankreich seiner Zeit eine wichtige Funktion ein: Er war nämlich unter den arrivierten und opernbegeisterten Komponisten de facto der einzige, der einen namhaften Bestand an Kammermusik schuf. Darüber hinaus gehörte er zu denjenigen an sich avancierten Tonschöpfern, welche der grassierenden Genie-Semantik zum Opfer fielen, und schnell als bloß „gelehrt“, aber nicht als „inspiriert“ galten. Auch der alte Eintrag im New Grove-Lexikon ist noch nicht frei von solchen Einschätzungen, wenn er die Musik Onslows als „emotional kühl“ bezeichnet. Bert Hagels hervorragender und ausführlicher Einführungstext zur vorliegenden Produktion zweier größerer kammermusikalischer Werke offenbart, daß man heute ein differenzierteres Bild Onslows hat.

Allein die beiden hier eingespielten Werke dürften ausreichen, Onslows noch zu Lebzeiten ramponierten Ruf nachhaltig aufzupolieren. Allein das Quintett Nr. 19 c-moll op. 44 mit seiner opernhaft-pathetischen Einleitung und seinem dramatischen, ja hitzigen Hauptsatz widerlegt das Vorurteil der emotionalen Kühle überzeugend. Was man unzutreffend als mangelnde emotionale Anteilnahme Onslows hatte auslegen können, ist in Wirklichkeit eine fein distanzierte, klassizistische Haltung, welche die Leidenschaft präzise, in durchsichtig komponierten Strukturen äußert; ein Beispiel dafür sind die intrikaten rhythmisch-metrischen Einheiten im Quintett. Anders gesagt: Auch als Gefühlsmensch kommt Onslow nie ins Schwitzen. Genau dieser Balanceakt: zwischen clarité und agitato, gelingt dem Mandelring Quartett hinreißend; die Artikulation ist beseelt, und nicht zuletzt wird auch die heikle Intonation mühelos und blitzsauber bewältigt.

Auch wer erst beginnt, Onslows Werk zu entdecken, wird sein Nonett für Bläser und Streicher a-Moll op. 77 schon beim ersten Hören als eines seiner wohl glücklichsten Werke empfinden. Interessanterweise entstand diese großbesetzte Kammermusik Onslows während einer Lebensphase, die, wie Hagel in seinem Einführungstext vermutet, bereits von Selbstzweifeln geprägt war – Onslow, so die recht plausible These, hätte bewußt nach Besetzungen gesucht, die noch nicht durch die Wiener Klassiker zur Vollendung gebracht worden waren. Das Werk steckt voller Kostbarkeiten, besonders solche motivischer und rhythmischer Natur: Die Coda des Kopfsatzes ist äußerst geistreich geraten, das Scherzo anspringend, und der Variationensatz exponiert reizvollste Situationen, wie etwa diejenige Variation, in der schattenhafte Streicher innerhalb eines klagenden Gesangs der Holzbläser ihr Unwesen treiben. Das Mandelring Quartett vereinigt sich hier mit den Bläsersolisten des Ma’alot Quintetts und verschmilzt tatsächlich zu einem neuen, größeren Ganzen, in welchem die spitzzüngigen Motive in unendlicher Transparenz elegant und leicht zusammenschießen.

Dr. Michael B. Weiß [07.07.2006]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 G. Onslow Nonett a-Moll op. 77 für Violine, Viola, Violoncello, Kontrabaß, Flöte, Oboe, Klarinette, Fagott und Horn
2 Streichquintett Nr. 19 c-Moll op. 44

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Mandelring Quartett Streichquartett
Ma'alot Quintett Bläserquintett
 
777 151-2;0761203715121

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