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CD-Besprechung

DGA 00289 477 5996

3 CD • 3h 15min • 2005

22.03.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Die abenteuerliche Wiederentdeckung dieser Oper sorgte vor einiger Zeit für Schlagzeilen in den Kulturnachrichten. Vivaldis Motezuma (bei uns Montezuma) fand sich in der Notensammlung der Berliner Singakademie, die als Kriegsbeute von der Sowjetarmee im Jahr 1945 nach Kiew verschleppt worden war. Im Jahr 2002 gelang es dem deutschen Musikforscher Steffen Voss, das Werk, von dem bis dahin nur das Libretto bekannt war, zu verifizieren. Sogleich wollten einige Bühnen die neu entdeckte Oper aufführen und um die ganze Sache entspann sich – wie üblich in solchen Fällen – ein Streit der Fachleute. Gleichwie – das Werk liegt jetzt als Einspielung vor, allerdings mußte dabei auch der Kunst der Rekonstruktion einiges abverlangt werden: Fehlende Rezitative wurden ersetzt, fragmentarisch erhaltene Arien ergänzt, auch Teile aus anderen Opern Vivaldis wurden einbezogen. Eine heikle und mühevolle Arbeit, die von Alessandro Ciccolini mit Kompetenz erstellt wurde. Einzig der zweite Akt des dreiteiligen Stücks ist originaler Vivaldi, in allen anderen Teilen wurde musikalisch „gekittet“. Es ist der Edition hoch anzurechnen, daß sie genaue Informationen über die echten bzw. ergänzten Teile angibt.

Die oft und bis in neueste Zeit als Opernthema verwendete Eroberung Mexikos durch Ferdinando Cortez wurde vom Librettisten (vermutlich Luigi Giusti) mit christlicher Tendenz ausgestattet. Fernando (hier eine Kastratenrolle) rechtfertigt sein hartes Vorgehen mit dem „heiligen“, Auftrag, wird aber insgesamt als edelmütig dargestellt. König Montezuma hingegen erscheint als Ausbund an Rachsucht und Grausamkeit, der nichts dabei fände, seine eigene Tochter umzubringen. Am Schluß jedoch gibt es Versöhnung und Hochzeit: Fernandos Bruder heiratet Montezumas Tochter Teutile. Eine elegante Lösung für den „crash“ der Kulturen.

Vivaldis Oper aus dem Jahr 1733 besitzt in ihrer gestückelten Form begreiflicherweise nicht jene Prägnanz seiner anderen Bühnenwerke, sie enthält aber doch auch zahlreiche Kostbarkeiten. In den lang ausgesponnenen Arien leuchtet die edle Wesensart des alten Venezianers strahlend auf. Im zweiten Akt erlebt man ein relativ umfangreiches Terzett -- eine ungewöhnliche Erscheinung in der barocken Oper. Auch dem Chor ist mehr als sonst üblich ein Mitspracherecht zugewiesen.

Wie fast immer bei den neuen Aufnahmen von Vivaldi-Opern begegnet man auch diesmal einem ganzen Bukett prachtvoller Stimmen: mehr und mehr gewinnt man den Eindruck, daß die besten und klangvollsten Gesangsorgane im Reich der Barockmusik beheimatet sind. Die fabelhafte Altistin Mariana Mijanovic als Montezumas Gattin Mitrena, Roberta Invernizzi als deren Tochter Teutile, ganz besonders Maite Beaumont in der Kastratenrolle des Fernando Cortez, auch Romina Basso als Fernandos Bruder Ramiro und Inga Kalna als Koloraturen singender General Asprano – ein wahrer Triumph aus Können, Stimmglanz und Gestaltung. Der Sänger der Titelrolle hat insoferne keine leichte Aufgaben, als Montezuma sich sehr oft im Hinterhalt versteckt und viele seiner Einwürfe für die anderen unhörbar, also „per se“ gesungen werden. Vito Priante in der einzigen effektiv maskulinen Partie gestaltet die Arien (meistens sind das gesungene Zornausbrüche) mit markantem Baßbariton, in den Rezitativen verliert sich sein Gesang aber allzuoft in Gemurmel. Die orchestrale Wiedergabe durch Il complesso barocco bietet Brillanz und klangliche Durchsichtigkeit. Eine ausgezeichnete Leistung des italienischen Ensembles und dessen Leiters Alan Curtis.

Clemens Höslinger [22.03.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Antonio Vivaldi
1Motezuma RV 723

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