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SACD stereo/surround-Besprechung

Ondine ODE 1086-5

1 SACD stereo/surround • 77min • 2006

10.10.2006

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Die neue, 2005 beendete dritte Sinfonie (in e-Moll) von Peteris Vasks wirkt zwar weniger progressiv als die vorausgehende Zweite (ODE 1005 2), ist aber nicht weniger anspruchsvoll. Der fünfundvierzigminütige Koloß ist als einsätziges Ganzes konzipiert, auch wenn die traditionellen vier Abschnitte erkennbar bleiben. Musikalisch gibt es zwei verschiedene Ebenen, die miteinander konfrontiert werden: Die Einleitung des ersten Abschnitts bildet einen wehmütig-anachronistischen Rückgriff auf romantische Klangwelten, mit einem breit gespannten Thema auf einem Orgelpunkt, das sich nicht scheut, mit dem bekannten Themenkopf des gregorianischen “Dies Irae” zu beginnen, und das in seiner orchestralen Einkleidung stark an die Sinfonien von Howard Hanson (besonders die Nordische und die Romantische) erinnert. Einen bewegteren Kontrast dazu setzt der zweite Themenkomplex, der an Werke des russischen Realismus gemahnt, Schostakowitsch und insbesondere Khatchaturian (mehrfach erklingt eine Musik, die wie ein Zitat des “Sturmes” aus dem Ballett Gayaneh wirkt). Die beiden Kontrast-Ebenen werden nun in immer dichterer Folge miteinander konfrontiert, bis es zu Überlagerungen und Verwerfungen kommt, die erst zum Ende der Sinfonie in Ruhe aufgelöst werden. Das Werk macht es dem Publikum nicht einfach und fordert mehrmaliges Hören, zählt aber zu den eindrucksvollsten Neukompositionen, die ich in letzter Zeit kennengelernt habe.

Das Cellokonzert wurde bereits 1994 beendet und ist für David Geringas komponiert. Die Tonsprache ist stellenweise viel eruptiver als in der Sinfonie, die fünfteilige Struktur klar (Symmetrien treten deutlich zutage); aber die thematische Entwicklung ist nicht so stark, weshalb man dem Konzert weniger leicht zu folgen vermag. Allerdings ist es für das Cello ausgesprochen dankbar gesetzt, der besonderen gesanglichen Qualität dieses Instruments entsprechend, und die Instrumentation ist glücklich gelöst – bei Cellokonzerten ist es für Komponisten immer eine Herausforderung, das Solo-Instrument mit seinem riesigen Tonumfang in keiner Lage zuzudecken; die Mittelstimmen und Tenorinstrumente (Klarinetten, Fagotte, Hörner, Posaunen, Bratschen, Celli) erfordern besondere Aufmerksamkeit und dürfen nie zu dick werden.

Das Spiel des Tampere Philharmonic Orchestra bereitet – anders als in der oben genannten früheren Vasks-Produktion – vor allem in der Sinfonie nicht uneingeschränkt Freude. Gelegentlich haben die Bläser doch erheblich mit der Intonation zu kämpfen, besonders Flöten, Oboen (in der Sinfonie ist das Englischhorn leider immer etwas zu tief) und Posaunen, bei denen im mehrstimmigen Spiel mitunter der Klangaufbau der Akkorde in sich nicht ganz stimmt, wodurch die Harmonik leicht ins Rutschen kommt (ich kenne leider die Partitur der Sinfonie nicht, kann mir aber nicht vorstellen, das Vasks hier Vierteltonschritte komponiert hat...). Das ist besonders schade, weil sich John Storgårds und Solo-Cellist Marko Ylönen mit Leib und Seele für diese ehrlichen, tief empfundenen Werke einsetzen. Daher sei die opulent klingende Produktion auch ungeachtet der genannten kleinen Schwächen des Orchesters wärmstens empfohlen. Eine kleine Korrektur zum Booklet sei der Fairneß halber angebracht: Laut Biographie hat Storgårds bei der CD-Einspielung des Violinkonzerts (ODE 1005 2) das Ostrobothnian Chamber Orchestra dirigiert; tatsächlich spielt er dort jedoch den Solopart und es dirigiert der Gründer und Leiter des Orchesters, Juha Kangas.

Dr. Benjamin G. Cohrs [10.10.2006]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pēteris Vasks
1Sinfonie Nr. 3
2Violoncellokonzert für Violoncello und Orchester

Interpreten der Einspielung

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