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CD-Besprechung

La cantada española en América

harmonia mundi HMC987064

1 CD • 61min • 2005

27.12.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Allein aufgrund ihrer Überlieferungsgeschichte sind die hier versammelten spanischen Kantaten des späten 17. und frühen 18. Jahrhunderts hochinteressant: Obwohl ihre Komponisten, Joseph de Torres und sein Schüler Joseph de Nebra, beide vor allem in Madrid wirkten, ist ihre Musik zu großen Teilen in südamerikanischen Quellen überliefert, vor allem in Guatemala, wohin die spanische Besatzungsmacht ihr eigenes Repertoire eingeschifft hatte. Der Kulturexport in die Kolonien erwies sich als Glücksfall, da bei dem Brand am Weihnachtsabend 1734 in Madrid ein großer Teil der Musikdrucke zerstört wurde und seither die Quellen in Guatemala die einzig greifbaren sind. Diese Quellenlage wird im Beiheft von Cristina Diego Pacheco äußerst informativ dargestellt und gleichzeitig in einen breiten europäischen Kontext gestellt; es ist schade, daß die Firma sich nicht zu einer deutschen Übersetzung entschließen konnte, zumal die Komponisten hierzulande praktisch unbekannt sind.

Wie interessant ist nun die Musik selbst, unabhängig von der faszinierenden Quellenphilologie? Derjenige Hörer, der die vier Kantaten von Torres und Nebra mit der Erwartung hört, einem eigenständigen spanischen Barock zu begegnen, wird enttäuscht sein. Die spanische Komposition war deutlich an italienischen Vorbildern ausgerichtet und es fällt schwer, spezifisch spanische Elemente in den Stücken wahrzunehmen; diese Meinung vertritt auch Pachecos Begleittext, in welchem die Autorin die These aufstellt, das 18. Jahrhundert hätte generell eher in Richtung einer universalen, nicht etwa nationalen Stilistik gearbeitet.

Die vier kammermusikalisch besetzten Solo-Kantaten sind mit ihrem Wechsel von Rezitativ und Arie formal etwas schematisch angelegt; die Modell-Artigkeit wird verstärkt dadurch, daß die Arien fast durchgängig schnell und virtuos, eher an einem Konzept instrumentaler Geläufigkeit angelehnt sind, als an Sanglichkeit orientiert. Sätze, in welchen einmal das Tempo verlangsamt ist und damit dem Sänger die Chance gegeben wird, den Affekt etwas zu vertiefen, üben denn auch außerordentlich starke Wirkung aus. Eine solche sehr willkommene Ruhe-Insel ist das Grave Suspensión amante aus der Kantate Vuela abejuela von Joseph de Torres.

Die Musiker bilden ein technisch einheitliches, interpretatorisch jedoch ungleichgewichtiges Niveau aus. Der Countertenor Carlos Mena, an der Schola Cantorum in Basel Schüler unter anderem von René Jacobs, überzeugt durchgehend mit seinem fülligen, warmen und weichen, dennoch immer ausreichend kontrolliert geführten Alt. Mena präsentiert sich als genügend beweglich für die raschen Passagen, die jedoch immer noch belkantistische Elemente behalten, weil die Stimme eine solche stark wirkende Farbigkeit ausstrahlt.

In puncto musikalischer Vielfalt bleibt das Ensemble Al ayre espanol unter Eduardo López Banzo leider hinter dem vokalen Solisten zurück. Banzo läßt, auf’s Ganze gerechnet, zu kurz angebunden musizieren, kantet Phrasenschlüsse und Schlußakkorde sehr hart ab und treibt die ohnehin hohe motorische Dichte der Fakturen der einzelnen Arie hoch. Das scheint sinnvoll, wenn die Arien, wie etwa Lleve entera confianza aus Joseph de Nebras Dulzura espiritual auf virtuosen Effekt hin angelegt sind; generell hätte jedoch etwas mehr Ruhe und Klangsinn dem Musizieren gut getan.

Dr. Michael B. Weiß [27.12.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
José Melchor de Nebra
1Cantada al Santísimo Bello pastor
Joseph Torres
2Cantada al Santísimo Vuela abujuela
3Cantada al Santísimo Panal de amor divino
Anon.
4Obra de segundo tono
José Melchor de Nebra
5Cantada al Santísimo Dulzura espiritual

Interpreten der Einspielung

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