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CD-Besprechung

J.S. Bach • R. Schumann

Sony Classical 1 CD 82876727112

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8

Klangqualität:
Klangqualität: 8

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 15.12.05

Sony Classical 82876727112

1 CD • 70min • 2005

Eine ungewöhnliche Programm-Idee: zwei Toccaten-Kompositionen bilden den Rahmen für eine Reihe von „Kleinen Stücken“ aus dem barocken und romantischen Reservoir der pianistischen Unschuld und Raffinesse. Martin Stadtfeld und sein Produzent lassen also auf geschickte Weise nichts unversucht, die augenblicklich gute Konjunktur zu nutzen und damit weitere Marktanteile zu gewinnen. Und auch unter diesen literarischen Bedingungen erweist sich Stadtfeld als eigenwillig intonierender Gestalter, der die Bachsche Toccata mit spitzen Fingern, ungemein durchsichtig, gleichsam kühlen Blickes auf das vertikale und horizontale Geschehen in Bewegung hält. Und auch die präludierenden Kleinigkeiten spielt er mit einem seziererischen Grundton, der jedem Stück von Beginn an eine überraschende Wendung verleiht. Es liegt nahe, an Glenn Goulds Aufnahmen dieser Kleinigkeiten zu denken, aber Stadtfeld liegt es wohl fern, den kanadischen Pianisten zu kopieren. Doch im ungemütlichen, skalpellhaften Ansatz wird der Hörer ein ästhetisches Verwandtschaftsverhältnis feststellen.

Auch in der Schumann-Abteilung der Bunten Blätter herrscht eine Atmosphäre der entfetteten, strengen Liniengebung. Man erinnert sich an Sviatoslav Richters schwungvolle, rhythmisch elastische, klanggesättigte Eurodisc-Aufnahme. Stadtfelds Mitteilungsradius ist enger, in den „geschwinden“ Partien (wie etwa dem Rachmaninoff-nahen Präludium Nr. 10) weniger impulsiv, aber es gelingt ihm jederzeit Interesse zu erregen und – in den verhaltenen, innigen Blätter-Studien – auch zu erhalten.

Etwas enttäuschend ist für meine Vorstellung die Schumann-Toccata geraten. Der Klang wirkt ausgedünnt, der Beginn nicht entschlossen genug – und im anstrengenden, fingerschweißtreibenden Verlauf geht es nicht ohne Intensitätsverluste ab (Oktavenpassage etwa!). Gleichwohl in ihrer Gesamtheit eine respektable, von Individualität geprägte Publikation. Erlaubt sollte es freilich sein, dem Hochbegabten und seinen Firmen-Mentoren die Frage zu stellen, in welchem Tempo sie in nächster Zeit mit Neueinspielungen an die Öffentlichkeit gehen möchten. Gut Ding’, aber auch gut Pianist braucht Weile!

Peter Cossé † [15.12.2005]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Toccata D-Dur BWV 912
2 Präludium C-Dur BWV 924
3 Präludium d-Moll BWV 926
4 Präludium F-Dur BWV 927
5 Präludium g-Moll BWV 930
6 Präludium F-Dur BWV 928
7 Präludium D-Dur BWV 925
8 Präludium C-Dur BWV 933
9 Präludium c-Moll BWV 934
10 Präludium d-Moll BWV 935
11 Präludium D-Dur BWV 936
12 Präludium E-Dur BWV 937
13 Präludium e-Moll BWV 938
14 Präludium C-Dur BWV 939
15 Präludium c-Moll BWV 999
16 R. Schumann Bunte Blätter op. 99
17 Toccata C-Dur op. 7

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Martin Stadtfeld Klavier
 
82876727112;0082878281125

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