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CD-Besprechung

Hungaroton HCD 32361

1 CD • 69min • 2004

10.11.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 3
Klangqualität:
Klangqualität: 4
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 4

Über die Umstände, unter denen Joseph Haydn seine wenigen Werke für die Besetzung eines Streicher-Duos komponiert hat, ist nicht viel bekannt. Die Sammlung von „6 Violin Solo mit Begleitung einer Viola“ scheint vor 1773 entstanden zu sein, also zeitgleich etwa mit den ersten zwanzig frühen Quartetten. Der Werktitel der Sammlung zeigt ein Ungleichgewicht: Der Viola wird eine untergeordnete Rolle zugewiesen, nicht unähnlich der Rolle des Generalbasses in der Triosonate.

Die Besetzung ist also karg, neigt ein wenig zur Monochromie, und doch hat Haydn in diesen sechs Werklein eine bewundernswerte Erfindungskunst bewiesen. Diesem Variationsreichtum auf engstem Raum müßte eine Interpretation mindestens Rechnung tragen, ihm bestenfalls eine eigene Bandbreite gegenüberstellen. Beides leisten die beiden ungarischen Virtuosen leider nicht. Sowohl der Geiger Vilmos Szabadi als auch der Bratscher Péter Bársony haben beeindruckende Karrieren hinter sich und mit berühmten Musikern gespielt. Vielleicht haben sie die Aufgabe, diese sechs kleinen Sonaten mit Leben zu füllen, jedoch einfach nicht ernst genug genommen.

Die Bandbreite ihrer Artikulation schwankt nur zwischen zwei Polen: zum einen einer etwas zu perkussiven, kurz angebundenen Artikulation, zum anderen einem pastosen, breit gezogenen Spiel. Das ist jedoch angesichts der Vielgliedrigkeit der Haydn’schen Kompositionen zu wenig. Ein gutes Beispiel ist der Kopfsatz der Es-Dur-Sonate: Hier müßten die beiden Spieler eine riesige Fülle von Artikulationsmöglichkeiten ausbreiten: verschiedene Staccati, Tenuti, Legati, Marcati und so fort; tatsächlich jedoch kommen sie über eine viel zu enge Palette von Stricharten nicht hinaus. Längere Phrasen werden generell nicht zu melodisch-metrischen Einheiten zusammengefaßt, das Passagenwerk ist selten perfekt genug intoniert. Zudem ist die Dynamik zu einheitlich: Im Kopfsatz der A-Dur-Sonate etwa müßten scharfe forte-piano-Kontraste gegeben werden.

Die Adagio-Sätze, in denen Haydn gerne Abdunklungen in Moll vornimmt (1., 2., 4., 6. Sonate), werden zu wenig ruhig und still gehalten. Hier wäre es möglich, selbst in diesen klein besetzten Duos echte Haydn’sche Tiefen aufreißen; aber dazu hätten die beiden die Spannung der Langsamkeit und Stille aushalten müssen. Immer nähern sie sich nach einem schon halbherzigen Anfang gleich wieder der Durchschnittsgeschwindigkeit, wobei sie zu einem stabilen Tempo nicht fähig sind. Das hat übrigens nichts mit Rubato zu tun: Denn ein reiches Rubato setzt ja gerade die Stabilität als erstes Element voraus.

Zu wenig wird auch gesungen: Im Adagio der D-Dur-Sonate etwa müßten die abreißenden Spitzentöne weit in die Stille der folgenden spannungsvollen Pausentakte hinein tragend aussingen, werden jedoch ungeduldig abgerissen, als ob beide nicht so recht bei der Sache sind. Einen entsprechenden Eindruck liefern die Menuette, deren einzelne Töne zu wenig ausklingen; der Zugriff ist hier meist hemdsärmelig, ja grob (F-Dur-Sonate). Was im Großen und Ganzen zu kurz kommt, ist die Plastizität der Motive und Melodien Haydns, das, was man das „Gestalthafte“ genannt hat. Damit haben die beiden jedoch einen Wesenszug der Musik Haydns verfehlt.

Dr. Michael B. Weiß [10.11.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Sonate Nr. 1 F-Dur Hob. VI:1 für Violine und Viola
2Sonate Nr. 2 A-Dur Hob. VI:2 für Violine und Viola
3Sonate Nr. 3 B-Dur Hob. VI:3 für Violine und Viola
4Sonate Nr. 4 D-Dur Hob. VI:4 für Violine und Viola
5Sonate Nr. 5 Es-Dur Hob. VI:5 für Violine und Viola
6Sonate Nr. 6 C-Dur Hob. VI:6 für Violine und Viola

Interpreten der Einspielung

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