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CD-Besprechung

harmonia mundi HMI 987057

1 CD • 61min • 2004

06.04.2005

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

Es sind „spanische“ Klischees, wenn von innerer Glut und hitzigem Temperament die Rede ist – aber die hinreißende Musikalität des jungen, 1997 in Madrid gegründeten Cuarteto Casals läßt andere Worte möglicher Annäherung erst einmal arm aussehen! Nicht nur der „spanische“ zweite Satz des Debussy-Quartetts mit seinen Pizzicato-Rhythmen wird hier auf ein neuartiges Energieniveau gehoben, auch die übrigen filigran und harmonisch verzweigten Sätze dieser empfindlichen, keineswegs kraftstrotzenden fin-de-siècle-Quartette werden mit einem Grad an Innenspannung musiziert, die den Hörer keine Sekunde losläßt. Dabei entsteht fast der Eindruck, die Musik würde im Sinne einer permanenten inneren Beschleunigung gespielt – was so nicht stimmt, aber mit einer fast unhörbaren Perfektion zieht das Quartett gestische und rhythmische Zeitwerte vor allem in Spannungspausen so minimal nach vorn, daß die Musik sozusagen stets eine winzige Spur zu früh zu kommen scheint. Die Strichtechniken und die intensiven Farben verstärken dabei den ekstatischen Sog der Musik, so daß hier eigenartig faszinierende Interpretationen entstehen, nicht geeignet für schwache Nerven und gewiß ein Schrecken für jene, die in dieser Phase zwischen Spätromantik und Moderne stets so etwas wie Müdigkeit und Weltenferne entdecken. Das Cuarteto Casals entdeckt hier vor allem Sinnlichkeit, insbesondere in Zemlinskys 1913 entstandenem Quartett. Gewiß ist es ein Hauptwerk und sicher eines der Schönsten des musikalischen Jugendstils, dabei stets so ausdrucksgeladen und an den Grenzen der Tonalität balancierend, daß es vom Hörer mehr Abenteuergeist verlangt als manches Werk des beginnenden Expressionismus. Verglichen mit maßstabsetzenden Einspielungen der Quartette (Debussy: Melos Quartett, Zemlinsky: LaSalle Quartet) bestätigt sich das extrem energetische, aufgeladene Profil der Musiker, wobei die Tatsache, daß sie tendenziell die Tempi etwas schneller nehmen, eher eine Nebenrolle spielt. Gespannt wäre man übrigens, von dem Quartett mit dem Namen des großen Cellisten Schubert zu hören – denkt man an die himmlisch wegsinkenden Schubert-Aufnahmen, in denen man Casals atmen zu hören meint.

Hans-Christian v. Dadelsen [06.04.2005]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Streichquartett g-Moll op. 10 L 85
Alexander Zemlinsky
2Streichquartett Nr. 2 op. 15

Interpreten der Einspielung

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