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CD-Besprechung

Arnold Schönberg: Gurre-Lieder (Oratorium für Soli, Chor und Orchester auf Gedichte von Jens Peter Jacobsen)

OehmsClassics 2 CD OC 501

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 7

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 6

Besprechung: 23.08.04

OehmsClassics OC 501

2 CD • 1h 56min • 2001

Angenommen, ich hätte Arnold Schönbergs Gurre-Lieder noch nie gehört und wollte mich vermittels der vorliegenden Veröffentlichung über das gigantische Werk informieren, in dem der spätere Dodekaphonist endgültig erkannte, daß er kein zweiter Wagner oder Mahler werden würde – dann wäre ich nach dem Erwerb dieser Doppel-CD genauso schlau wie vorher. Dafür wüßte ich allerdings alles über die Historie der Münchner Philharmoniker, über die sechs Gesangssolisten, über die beteiligten Chöre aus München und Bamberg – und natürlich über den Dirigenten James Levine, der gewissermaßen „bis neulich” Chef am Gasteig war. Erst auf Seite 22 des 32seitigen Booklets kommen wir zu einem kurzen Text, der uns neben den grundlegenden Daten über die Komposition mit der Tatsache konfrontiert, daß Bertold Brecht (welche Überraschung) die zwölftönigen Stücke von Schönberg nicht gemocht habe ...

Das möchte ja noch angehen, wenn unter der immensen Flut deutscher und englischer Künstlerbiographien nicht der Platz für ein Libretto hinweggespült worden wäre. Und das sollte man wohl doch gerade im Hinblick auf neue Interessentenkreise mitteilen – zumal manch Unartikuliertes aus den Lautsprechern dringt, wenn man von Ben Heppner – den selbst ein Erich Ponto um sein UfA-R beneidet hätte –, von Waltraud Meier und Ernst Haefliger absieht (rührende Geste, den großen alten Mann als Sprecher zu verpflichten). Übermächtig wird der Wunsch nach der sprichwörtlichen „Tafel 150“ dann bei den großen Chorszenen, und auch das cui bono? will nicht mehr verstummen: Wem außer den Protagonisten und der eingeschworenen Künstlergemeinde ist mit einer Veröffentlichung gedient, die aufgrund ihrer Preisgestaltung das Potential zu großer Verbreitung hätte, gleichzeitig aber just diesen potentiellen Kundenkreis in keiner Weise anspricht?

Immerhin ist die musikalische Seite nicht ohne Meriten – soweit sich das für den Live-Mitschnitt eines derart riesenhaft besetzten Werkes sagen läßt. Zwar scheint mir Deborah Voigt in ihrer Rolle als “kleine Taube” (Tove) ein wenig zu groß, doch insgesamt sind die Positionen gut besetzt: Ben Heppners Waldemar überstrahlt mit seiner mächtigen Partie und seinem heldenhaften Gestus das gesamte Geschehen, die Nebenfiguren – der Klaus-Narr von Matthew Polenzani und der hübsch derbe Bauer von Eike Wilm Schulte – sind wie die Waltraud Meiers Stimme der Waldtaube gut getroffen, und der Chor versteht es, einen prunkvoll-glühenden Lärm zu entfalten. Problematisch sind einzig die klanglichen Dispositionen des Orchesters und vor allem James Levines nicht wirklich sinnlicher Umgang mit den schillernden, gleißenden, hundertausendfach gebrochenen Farben des jugendstilistisch übergewaltigen Klangapparats. Gewiß, in München hat man vor allem in der jüngeren Geschichte gern besonders langsame Tempi „celibriert”, doch wenn das Orchestervorspiel, eine der schönsten Schönberg-Eingebungen überhaupt und sicherlich das direkte Vorbild für Schrekers Vorspiel zu einem Drama, wegen der bedächtigen Gangart in seine instrumentalen Bestandteile zerfällt, wird schlicht eines der ästhetischen Prinzipien des Stils nicht beachtet. Wünschenswert wäre es auch gewesen, wenn Waldemars So tanzen die Engel in schwungvolleren Bögen und wenn die Liebeserklärung der Tove (Nun sag ich dir zum ersten Mal) zerbrechlicher, zarter, verführerischer – irgendwo zwischen Koloman Moser und Aubrey Beardsley – realisiert worden wären: Dann könnte man der Gesamtdarstellung durchaus nachsehen, daß Des Sommerwindes wilde Jagd nicht eben in sommerlicher Glut dahinjagt, sondern eher nach einer orchestralen Pauschalreise klingt. So aber mutet hier doch vieles von dem, was sich in Schönbergs nachwagnerischer Kolossalpartitur an instrumentalen Preziosen verbirgt, ein wenig trist an.

Rasmus van Rijn [23.08.2004]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 A. Schönberg Gurre-Lieder (Oratorium für Soli, Chor und Orchester auf Gedichte von Jens Peter Jacobsen)

Interpreten der Einspielung

Interpret(en)Besetzung
Ben Heppner Waldemar - Tenor
Deborah Voigt Tove - Sopran
Waltraud Meier Waldtaube - Sopran
Eike Wilm Schulte Bauer - Bariton
Ernst Haefliger Sprecher
Philharmonischer Chor München Chor
Männerchor der Bamberger Symphoniker Chor
Münchner Philharmoniker Orchester
James Levine Dirigent
 
OC 501;4260034865013

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