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SACD-Besprechung

harmonia mundi HMC 801829.30

2 SACD • 2h 05min • 2003

07.09.2004

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 9
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Beginnen wir von hinten. Haydns Jahreszeiten-Oratorium endet mit einer religiösen Apotheose: „Dann singen wir, dann gehen wir ein in deines Reiches Herrlichkeit. Amen.“ Gemeint ist das christliche Bekenntnis zur Auferstehung nach dem winterlichen Sterben der Natur (als Metapher des Todes), „vorüber sind die leidvollen Tage, des Lebens Winterstürme“. Haydn komponierte dieses musikalisch unmittelbar anrührende Finale im Anschluß einer Fugensteigerung von Händelscher Wucht als eine homophon im Wortrhythmus skandierende Schlußaussage. Fazit eines von prallem Landleben, Arbeitsfleiß, Naturstimmungen, Glaube, Liebe, Hoffnung und dörflicher Fröhlichkeit durchpulsten Großgemäldes, Bestätigung für den kompositorisch bis in alle Details durchformten und zu Recht verdienten Riesen- und Dauererfolg dieses altersreifen Werkes. Was aber versteht man phonetisch von den erwähnten, im Tutti deklamierten Schlußzeilen des Librettos? Kein Wort.

Und damit ist eine fundamentale Einschränkung dieser an sich glanzvoll besetzten Aufführung von den Innsbrucker Festwochen 2003 benannt. Lediglich der Tenor Werner Güra in seiner Rolle als junger Landmann Lukas hat anscheinend einen günstigen Platz vor den Mikrophonen zugewiesen bekommen und zeigt sich zugleich versiert genug, um mit klangvoller Sangeslust auch alle Texte mit dem Mut zu deutlicher Artikulierung aller Konsonanten (vor allem als wichtige Verständnishilfe bei Wortabschlüssen) über die Rampe zu bringen. Alle anderen Sänger (Marlis Petersen und Dietrich Henschel als Hanne und Pächter Simon), leider auch der hinter dem Orchester positionierte vorzügliche RIAS-Kammerchor, brillieren zwar im besten künstlerischen Sinne, bewegen sich aber textlich überwiegend in akustischen Grauzonen.

Ungeschmälert im Vordergrund steht das hervorragend im Originalklang musizierende Freiburger Barockorchester, dessen matt klimperndes Hammerklavier als Begleitinstrument für die Rezitative man als eine durchaus ungewohnte Überraschungsfarbe registrieren muß. René Jacobs hat alle Fäden in der Hand und überzeugt dank seines künstlerischen Konzeptes. Interessant und wichtig zugleich ist der Hinweis im Beiheft, daß man einst bei einer der Wiener Erstaufführungen der Jahreszeiten in der Händelschen Großbesetzung nach englischem Vorbild – mit über 200 Mitwirkenden – den Chor vorn neben dem Orchester aufgestellt hat. Diese Art der Balance vermißt man hier. Ein hervorzuhebendes Merkmal der vorliegenden Aufführung ist dafür die quellenmäßige Rekonstruktion von Haydns ursprünglichen, erheblich umfangreicheren Einleitungsmusiken zu den einzelnen Abschnitten. Diese Entdeckung verdient einen Sonderbeifall, auch wenn man sie nicht als „Originalfassung“, sondern als eine vom Komponisten vor der Aufführung veränderte „Urfassung“ bezeichnen sollte.

Dr. Gerhard Pätzig [07.09.2004]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Joseph Haydn
1Die Jahreszeiten Hob. XXI:3

Interpreten der Einspielung

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