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CD-Besprechung

Mysterien Sonaten

Alpha Productions Alpha038

2 CD • 2h 00min • 2002

20.11.2003

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 7
Klangqualität:
Klangqualität: 7
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Bibers Mysteriensonaten sind heute sein bekanntestes Werk, obwohl sie seinerzeit gar nicht veröffentlicht, sondern nur in einer Prachthandschrift dem Salzburger Erzbischof überreicht wurden. Es ist private Musik für Kenner, zwar den fünfzehn Mysterien des Rosenkranzes zugeordnet, aber nicht im eigentlichen Sinne programmatisch. Die jeweiligen Inhalte der Mysterien werden nicht in Klang umgesetzt; vielmehr regt der Klang an, über die Inhalte zu meditieren. Erhöht wird die Farbigkeit des Klanges durch die vielfältigen Skordaturen, also durch das beabsichtigte Umstimmen der Geigensaiten, das einerseits ungewöhnliche Resonanzverhältnisse schafft, andererseits Doppel- und Tripelgriffe ermöglicht, die auf einer normal gestimmten Geige unspielbar sind – kurzum: es geht hier nicht um Aussagen, sondern in mehrfacher Hinsicht um „Stimmungen“.

Dieser Zyklus von fünfzehn Sonaten, an den sich noch eine unbegleitete Passacaglia als sechzehntes Stück anschließt, bleibt für jeden Geiger eine seltene Herausforderung, vergleichbar wohl nur mit Bachs Sonaten und Partiten. Alice Piérot meistert die hohen Hürden mit einer zuverlässigen Intonation, was allein schon ehrlichen Respekt verdient. Ihr Ton ist allerdings nicht so warm und geschmeidig wie der von Gunar Letzbor in der ersten Vergleichseinspielung (Arcana), ihre Artikulation nicht so raffiniert und ihr Impetus nicht so souverän wie der von John Holloway in der zweiten (Virgin). Gleichwohl ist auch bei Piérot eine liebevolle Hingabe zu spüren, ein Versenken ins Mystische, ein Spiel, das aus dem Herzen kommt und nicht so affektiert ist wie das von Reinhard Goebel in der dritten Vergleichseinspielung (Archiv-Produktion).

Vor einiger Zeit ist es Mode geworden, barocke Kammermusik mit einem möglichst farbigen und vielfältigen Continuoapparat aufzuführen. John Holloway hat dies auf die Spitze getrieben, und auch Gunar Letzbor favorisierte eine immer neue Kombination aus Streich-, Zupf- und Tasteninstrumenten. Im Vergleich hierzu gehen Les Veilleurs de Nuit mit Gambe, Theorbe und Claviorganum (einer Kombination aus Cembalo und Orgel) nicht ins Extrem, obwohl gerade Pascal Monteilhet bisweilen die begleitende Rolle aufgibt und zum zweiten Solisten wird. Historisch gesehen, ist dies alles aber inzwischen recht fragwürdig; vieles deutet nämlich darauf hin, daß Biber sich nur von einer kleinen Orgel oder einem kleinen Cembalo begleiten ließ und auf diese Weise gewissermaßen kurze Wege bei der Aufführung schaffte, also eine noch höhere Reaktionsschnelligkeit und eine noch größere Konzentration. Eine Einspielung in diesem Sinne ist bei harmonia mundi France mit Andrew Manze und Richard Egarr angekündigt. Wer die nicht abwarten will, findet in der vorliegenden Produktion eine zwar nicht perfekte, aber doch von tiefer Musikalität geprägte Interpretation.

Dr. Matthias Hengelbrock [20.11.2003]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Heinrich Ignaz Franz Biber
1Die Rosenkranzsonaten – Die fünf freudenhaften Mysterien
2Die Rosenkranzsonaten – Die fünf schmerzenreichen Mysterien
3Die Rosenkranzsonaten – Die fünf glorreichen Mysterien

Interpreten der Einspielung

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