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CD-Besprechung

Philips 462 603-2

2 CD • 2h 01min • 1998

01.08.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Falstaff - seit Toscaninis Zeiten die Lieblingsoper der Dirigenten. Daß das sogenannte "breite" Publikum sich bei Verdi lieber an die Gustostücke von Rigoletto bis Aida hält, steht auf einem anderen Blatt. Die Frage, warum Falstaff zur Festival-Oper, zum Werk für den besonderen Anlaß geworden ist, weit weniger aber zum Zugstück für das Repertoire, läßt sich nicht so leicht beantworten. Vielleicht stimmt es, was einst ein Anonymus aus dem Publikum gesagt hat: die Oper leidet - zumindest teilweise - an ihrem "tempo rapido", alles geht viel zu geschwind dahin, man kommt kaum dazu, die musikalischen Schönheiten und Feinheiten einzufangen. Auch lenkt oft das turbulente Bühnengeschehen von der musikalischen Substanz ab. Es mag also richtig sein: um dieses Werk kennen und lieben zu lernen, muß man nach Kapellmeisterart verfahren, sich Takt für Takt mit dieser Musik anfreunden, am besten anhand einer guten Tonaufnahme. Denn dann erst offenbaren sich die Wunder dieser einzigartigen Partitur.

Die Neuaufnahme unter John Eliot Gardiner, mit dem exzellenten Orchestre Révolutionnaire et Romantique, könnte allen, die bei Verdis Alterswerk noch zu den Unentschlossenen und Zögernden gehören, einen Leitweg bieten, denn kaum je zuvor wurde das Werk so behutsam, so sanft und seidenweich wiedergegeben wie diesmal. Alles ist mit einem milden Dämpfer versehen, der das Grelle, Heftige nach Möglichkeit unterdrückt, und jede Note, jeden Takt in schimmernder Helligkeit aufleuchten läßt. In völliger Übereinstimmung zu dieser orchestralen Finesse steht auch der vokale Teil der Interpretation. Sogar der ruppige Titelheld ist vom allgemeinen "con sordino"-Gebot betroffen. Jean-Philippe Lafont ist sozusagen ein Falstaff auf Filzpantoffeln, der sich allen polternden Ausbrüchen nach Möglichkeit entzieht, der das Füllige, das Machtvolle stets nur kurz andeutet und sich bei jeder Gelegenheit in zarte Schmeicheltöne verflüchtigt. Daß dabei eine wichtige Kontur der Hauptgestalt verloren geht, ist sicher richtig, fügt sich aber in das schonungsvoll-behutsame Gesamtkonzept ohne weiteres ein. Auch Falstaffs Gegenspieler Ford (Anthony Michaels Moore) und die meisten anderen männlichen Darsteller bleiben verhalten, sind zum Teil sogar blaß, wie der Fenton von Antonello Palombi. Hingegen tritt die Weiblichkeit mit allem Glanz der erlesen schönen Stimmen siegreich hervor. Hillevi Martinpelto (Alice), Rebecca Evans (Nannetta), Sara Mingardo (Mrs. Quickly) und Eirian James (Meg Page) - jede von ihnen verdient einen Preis für herrliches, charaktervolles Singen.

Dieser zarte, duftig-filigrane Falstaff mag in seiner Außergewöhnlichkeit zu Widerspruch herausfordern - als eigentümliche Variante verdient er Anerkennung.

Clemens Höslinger [01.08.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Giuseppe Verdi
1Falstaff

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