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CD-Besprechung

Teldec 3984-26866-2

2 CD • 1h 52min • 1993/96/99

01.03.2001

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Alfred Schnittke und Gidon Kremer waren eng befreundet. Persönlich wie künstlerisch verband beide eine eng verwandte Denkungsart, eine Ästhetik, die sich mehr um künstlerische Moral, um Aussagen, um Schönheit kümmerte und weit weniger bis überhaupt nicht um Schulen, Schubladen, kompositorische Schicklichkeiten. Und diese musikalische Wesensverwandtschaft führte dazu, daß kaum bei einem anderen Interpreten das Bekenntnishafte der Musik Alfred Schnittkes deutlicher hervor leuchtet, nachdrücklicher nach der Seele des Zuhörers greift, als bei Gidon Kremer. Da legt dann die so oft wie gern gescholtene Polystilistik Schnittkes alles Heterogene ab, wird zum Kosmos emotionalen Erlebens, zum Monument des Glaubens an das Schöne und Gute aller Zeiten.

Besser, eindringlicher, bewegender als auf diesen beiden CDs sind die vier Violinkonzerte wohl nicht zu spielen. Weil Kremer sich immer wieder neu auf den speziellen Ton der Werke einläßt: Auf die üppigen, streckenweise auch ein wenig plüschigen Romantik-Reflexe im ersten von 1956, das der Komponist unverändert ließ, obwohl er sich selbst recht deutlich von dieser Tonsprache distanzierte ("Es war eine Tschaikowsky-Rachmaninoff-Klangwelt, überschattet von Schostakowitsch und geschmückt mit heutigen Orchesterkonventionen. Aber es war auch ein kleiner Hauch von allem, was später kam, und deswegen soll es auch bleiben."), auf die dramaturgisch kleinteilige, programmatisch erstaunlich präzise durchgedeutete Evangeliums-Paraphrase des zweiten, auf die scheinzitathafte Vielfalt des bizarr besetzten dritten, das die ästhetische Gleichzeitigkeit des musikgeschichtlich Ungleichzeitigen so betörend sublimiert, und auf die im besten Sinne romantische Seelenmusik des Vierten, das Schnittke Kremer widmete.

Hier gelingt in knapp 40 Minuten die konzertante Zusammenschau von Schnittkes emotionaler Musikästhetik: Es ist "kein konstruiertes Babel, sondern ein Versuch, von Ton zu Ton und von Pause zu Pause eine melodische Spannung herzustellen, mit freier Verwendung von ,neuen' und ,alten' Techniken." Schließlich sublimiert der Komponist in der "visuellen Kadenz" jene lärmende Stille, die für sein Schaffen zunehmend wichtiger wurde und die von ihren Grenzen aus, vom klingenden Umfeld, mit nachgerade unerträglicher Spannung aufgeladen wird.

Christoph Eschenbach - auch er war mit Schnittke persönlich vertraut - ist Kremer mit den drei fabelhaften Orchestern ein traumhaft flexibler Begleiter bei diesem monumentalen wie bewegenden Freundschaftsdienst auf CD. Und beide lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß Alfred Schnittke zu den ganz Großen des gerade abgelaufenen Jahrhunderts zählte. Erstklassiger Klang.

Peter Korfmacher [01.03.2001]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Alfred Schnittke
1Violinkonzert Nr. 1
2Violinkonzert Nr. 2
3Violinkonzert Nr. 3
4Konzert Nr. 4 für Violine und Orchester

Interpreten der Einspielung

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