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CD-Besprechung

Beethoven - Sinfonien

DG 469 000-2

5 CD • 5h 37min • 1999, 2000

01.12.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 7

Jetzt fragen sich natürlich viele, was ein weiterer Zyklus der Beethoven-Sinfonien mit Claudio Abbado soll, diesmal in weitgehender Orientierung an Jonathan Del Mars inzwischen abgeschlossener Urtextausgabe. Zunächst das Positive: Es gibt keine Aufnahme dieser Sinfonien, in der so viele Details, insbesondere Thematisches der Holzbläser, in solcher Deutlichkeit zu hören sind, die üblicherweise kaum hörbar zu machen sind. Daß die weithin bemerkenswerte Transparenz und Vielschichtigkeit des Klangbilds mit massiven dynamischen Manipulationen – immer wieder sehr deutliche Anhebung der Holzbläser, die auch viele Marginalien im tutti-fortissimo frappierend zu Gehör bringt – erkauft wird, ist selbstverständlich. Wie es tatsächlich im Raum geklungen hat, kann man sich kaum vorstellen. Diese Art Balance ist primär das Verdienst der Tontechniker, und das reale Ausmaß der Dynamik geht dabei verloren, viele fortissimi wirken anschließend merkwürdig schwach.

Daß Abbado Spitzenkräfte um sich scharen konnte, ist keine Frage, auch wenn Quasthoff hier gewiß Geschmackssache bleibt. Am Niveau der einzelnen Musiker gemessen, sind die Berliner Philharmoniker fraglos das deutsche Spitzenorchester. Doch daß der spezifische Klang – besonders in den Streichern – verloren gegangen ist, wird auf besonders bestürzende Weise deutlich, wenn man an Barenboims unlängst veröffentlichte Aufnahmen mit der Berliner Staatskapelle denkt. Und Abbado hat kein klangliches Konzept, sondern laboriert wechselhaft zwischen Anleihen von historisierender Aufführungspraxis und Furtwängler-Anhänglichkeiten und bleibt in kleingliedriger Gestaltung verhaftet. So kann sich der bezwingende Zusammenhang nirgends einstellen. Und wenn er die Streicher verkürzte tenuti spielen läßt, machen die Holzbläser das noch lange nicht mit.

Abbado bevorzugt flotte bis rasante Tempi. Wie immer zu schnell auch für die besten Musiker ist der Kopfsatz der Siebenten, wo der ternäre Rhythmus in binäre Primitivität umschlägt. Die Wiederholungen macht er sicherheitshalber gleich alle – auch die widerlegte Repetition des Scherzos der Fünften. So entstehen unerträgliche Längen, zumal bei solch kurzatmigem Spiel. Die Phrasierung ist weitgehend dem Belieben der Orchestermusiker überlassen, und oft genug kann im fortissimo auch die raffinierte Tontechnik die Balance nicht mehr retten (etwa im Sturm der Pastorale). Das Finale der Siebenten wird von Anfang an mit brachialem Hochdruck ohne jegliche melodische Physiognomie herausgepeitscht, später fehlen die Reserven für die entscheidende Steigerung in der Durchführung. Und wie unkonturiert determinierende Baßlinien gezeichnet sind (siehe die Coda im Kopfsatz der Siebenten)!

Fazit: zwar überzeugender als etwa David Zinmans Züricher Urtextverfälschungen, aber letztlich ein imposantes Scheitern unter idealen klanglich-technisch Voraussetzungen.

Christoph Schlüren [01.12.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ludwig van Beethoven
1Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21
2Sinfonie Nr. 2 D-Dur op. 36
3Sinfonie Nr. 3 Es-Dur op. 55 (Eroica)
4Sinfonie Nr. 4 B-Dur op. 60
5Sinfonie Nr. 5 c-Moll op. 67
6Sinfonie Nr. 6 F-Dur op. 68 für Orchester (Pastorale)
7Sinfonie Nr. 7 A-Dur op. 92
8Sinfonie Nr. 8 F-Dur op. 93
9Sinfonie Nr. 9 d-Moll op. 125 (mit Schlußchor über Verse aus Schillers "Ode an die Freude")

Interpreten der Einspielung

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