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CD-Besprechung

Actes Sud AT 34100

2 CD • 67min • 1997

01.12.2000

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Von allen Opern-Ausgrabungen aus letzter Zeit ist das die erstaunlichste: ein Werk, das alle Voraussetzungen hat, auf der Bühne gewaltig zu wirken, das eine farbenreiche, aufrührende Musik enthält, die allein beim Zuhören die wildbewegtesten Bilder entstehen läßt – und bis dato unbekannt, kaum jemals wahrgenommen, so etwa der großen Piper-Enzyklopädie des Musiktheaters nicht einmal eine Erwähnung wert.

Die dreiaktige Oper Macbeth von Ernest Bloch, die hier als Erstaufnahme erscheint, ist am Beginn des Zwanzigsten Jahrhunderts entstanden und wurde 1910 an der Pariser Opéra-Comique uraufgeführt. Der aus der französischen Schweiz stammende, später in den USA lebende und wirkende Komponist Ernest Bloch ist heute hauptsächlich durch seine Orchesterkompositionen bekannt und nur die allerwenigsten dürften wissen, daß sich in seinem Werkkatalog auch eine Oper befindet. Was ihn später davon abgehalten mag, den musikdramatischen Weg weiter zu beschreiten – Bloch hat ansonsten nur Bruchstücke eines weiteren Opernwerks namens Jézabel hinterlassen – läßt sich bei so evident vorhandenem szenischem Talent nicht leicht erklären. Blochs Oper nach einem Libretto von Edmond Fleg (recte Flegenheimer) beruht auf einer geschickt konzentrierten und reduzierten Fassung des Shakespeare-Dramas. Wie bei Shakespeare und ganz anders als bei Verdi (dessen Macbeth-Version im Vergleich hier kaum von Relevanz ist) steht die Titelfigur übermächtig im Vordergrund, alle weiteren Rollen des verhältnismäßig großen szenischen Personals, so auch die Lady, erscheinen davon abgerückt, sind mit erheblich geringeren Aufgaben betraut. Eine Merkwürdigkeit stellt die Figur des Pförtners dar, die mit einer Solonummer, einem skurrilen Couplet, hervortritt.

Die ungeheure Größe der Titelpartie mag möglicherweise ein Aufführungs-Hindernis darstellen, es ist dies wahrhaftig eine Monster-Rolle, schwierig und mit höchsten Anforderungen versehen. Der Bariton Jean-Philipp Lafont bewältigt die Riesenaufgabe nicht ohne Anstrengung, doch mit starker Präsenz und Intensität. Sehr eindringlich auch Markella Harziano als Lady Macbeth. Hervorragend die Gesamtleitung der konzertanten Aufführung (live aus der Opéra Berlioz – Le Corum) durch den Dirigenten Friedemann Layer, der damit ein wichtiges Werk des Musiktheaters vom Scheintod erlöst. Blochs Musik zu Macbeth zeigt stilistische Nähe zu Debussy, dessen Pelléas et Mélisande dazu in zeitlicher Nähe steht, doch richtige Abhängigkeiten lassen sich bei diesem durch und durch individuellen Werk kaum nachweisen. Schade, daß es den Begleittext nur in französischer Sprache gibt. Ernest Blochs Macbeth sollte mehr sein als ein bloß regionales Ereignis.

Clemens Höslinger [01.12.2000]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Ernest Bloch
1Macbeth

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