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CD-Besprechung

Johann Sebastian Bach: Matthäus-Passion BWV 244

BIS 2 CD BIS-CD-1000/10002

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 6

Klangqualität:
Klangqualität: 10

Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Besprechung: 01.04.00

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BIS BIS-CD-1000/10002

2 CD • 2h 44min • 1999

Es dürfte inzwischen genauso schwer sein, einen neuen Interpretationsansatz zu Bachs Matthäus-Passion zu finden, wie ein Beiheft zu schreiben, in dem etwas steht, was nicht schon hundertmal formuliert worden wäre. Beides gelingt bei dieser BIS-Produktion.

Dabei hat der Leiter des Bach-Collegium Japan die Latte recht hoch angelegt: Seine im Entstehen begriffene Bach-Kantaten-Aufnahme hat Referenz-Charakter, die Johannes-Passion wurde mehrfach preisgekrönt. Vorzüge bietet auch diese Aufnahme wieder reichlich. Der klein besetzte Chor des Bach-Collegium Japan gehört zu den besten Bach-Ensembles überhaupt, seine Textbehandlung ist selbst dann noch vorbildlich, wenn sie wie hier weniger im Vordergrund steht. Wird das Ensemble dazu noch klanglich so ausgewogen präsentiert wie auf dieser Aufnahme, dann kann selbst ein Chor mit nur 28 Sängern den Eindruck riesiger Massen vortäuschen.

Dennoch wird diese Matthäus-Passion wahrscheinlich keine Jubelstürme wie die Johannes-Passion auslösen. Denn Suzuki wählt eine konsequent lyrische Gangart - zu Lasten der inneren Spannung und des dramatischen Flusses in den Turbae-Szenen. Wo Hermann Max vor vier Jahren das Werk noch als packendes Drama begriff, steht bei Suzuki die gläubige Betrachtung im Mittelpunkt. Äußeres Zeichen dafür ist die Länge der Passion: Max war bisher einer der wenigen, der das Stück auf zwei Silberlinge preßte - Suzuki braucht fast 15 Minuten länger. Schon im breit dahinfließenden Eingangschor macht Suzuki deutlich, daß das Zeitalter der rasanten Tempi vorbei ist. Der Satz ist unter seinen Händen noch langsamer als in Hermann Scherchens bahnbrechender Aufnahme von 1953.

Konsequente lyrische Umsetzung und langsame Tempi sind allein noch kein Problem, wie Philippe Herreweghe in seiner neuesten Einspielung der Matthäus-Passion (»Klassik heute« 1/2000) zeigt. Daß sich beide Aufnahmen in der Gesamtlaufzeit kaum unterscheiden, liegt an der Verschiedenheit der Choräle. Die nutzt Herreweghe mit kräftigem Fermaten-Gebrauch zur Kontemplation, Suzuki hingegen wartet hier mit schlichter Einheitsgestaltung auf und liegt damit wohl näher am Original. Am stärksten aber fallen bei dieser Produktion die Rezitative auf, die völlig vom Sprachtempo und -gestus befreit werden. Dies gibt dem Evangelisten Gerd Türk zwar viel Raum für beeindruckende musikalische Ausdeutung, doch mehr als einmal wäre deutlichere Sprachgestaltung wünschenswert - wie auch bei Peter Kooy, der als nachdenklicher und zögerlicher Jesus nicht das Format älterer Aufnahmen erreicht. Eine Überraschung hingegen ist Makoto Sakurada mit klarem, höhensicherem und ausdrucksstarkem Gesang: Da wächst im fernen Japan ein Bach-Tenor heran, der wohl bald zu den Großen der Branche gezählt werden wird.

Hagen Kunze [01.04.2000]

Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.KomponistWerkhh:mm:ss
1 J.S. Bach Matthäus-Passion BWV 244
 
BIS-CD-1000/10002;7318591000020

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