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Besprechung CD

Claude Debussy

Complete Works for Piano Duo • III
Genova & Dimitrov Piano Duo

OehmsClassics OC1742

1 CD • 71min • 2024

27.01.2026

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 10
Klangqualität:
Klangqualität: 10
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 10

Klassik Heute
Empfehlung

Mit der dritten Folge der Werke Claude Debussys für zwei Pianisten endet wohl vorerst das Projekt, denn hiermit wurden alle Originalkompositionen und sämtliche vom Komponisten selbst erstellten Transkriptionen eigener Werke vom Genova & Dimitrov Piano Duo eingespielt. Es gäbe für die Besetzung allerdings noch ein paar Arrangements Debussys von Musik anderer Komponisten. Die ersten beiden Folgen erwiesen sich als äußerst gelungen, und dementsprechend waren die Erwartungen des Rezensenten an die neue CD hoch.

Lebendiger, vielschichtiger Klang und hervorragende Aufnahmetechnik

Die Zusammenstellung enthält wieder Raritäten des Repertoires, aber auch mit Ravels Bearbeitung der Trois Nocturnes für zwei Klaviere recht bekannte Musik. Mit der originalen Orchesterfassung von 1899 hatte Debussy bekanntlich zu der Sprache gefunden, die seinen Ruhm als Impressionisten begründete. Ravels Transkription entstand erst 1909 und enthält ziemlich viel von der für ihn typischen Behandlung des Klavierklangs. Das Duo bleibt seinem Konzept absolut treu: Farbreichtum bei technisch überragendem Zusammenspiel. Wieder gelingt hier eine makellose Darbietung, die Nuancen der Orchestrierung kongenial umsetzt und die Stimmungen der drei Sätze quasi plastisch greifbar werden lässt. Die erneut perfekte Aufnahmetechnik des WDR mit angemessenem Hall unterstützt den Wunsch nach uneingeschränkter Räumlichkeit zusätzlich. So entsteht genau die Sicht Ravels zehn Jahre nach der eigentlichen Komposition; nur dessen Umsetzung des Schlusses von Sirènes mangelt es ein wenig an Stringenz, wofür die Interpreten freilich keine Schuld trifft.

Engagierte Wiedergaben diverser Frühwerke

Der Rest des hier vorgestellten Repertoires ist für Klavier vierhändig, darunter vier Frühwerke der Jahre 1881–82, als der junge Komponist mit seiner Gönnerin Nadeschda von Meck durch Europa reiste. Das Andante cantabile, das Intermezzo, die Diane-Ouvertüre, vor allem aber die kleine, engagierte Suite Le Triomphe de Bacchus spiegeln noch den Geist der Romantik, mit robustem und stellenweise virtuosem Klaviersatz. Dies liegt Genova & Dimitrov offenkundig und bei etwas ruhigeren Tempi als in einigen Konkurrenzaufnahmen verhelfen sie etlichen Details der sicher unterschätzten Musik mit Hingabe zu ihrem Recht.

Späte Kleinode: die Six Épigraphes antiques

Eine ganz eigene pianistische Welt gelang Debussy in seinen späten Six Épigraphes antiques von 1914/15. Obwohl das Material der zusammen nur 15-minütigen Miniaturen teils auf schon um 1900 entstandenen Liedern beruht und der Klavierklang radikal reduziert erscheint, jedoch tatsächlich weit entfernt von der Simplizität der Petite Suite (1889), bringt der Komponist hier seinen gesamten impressionistischen Erfahrungsschatz konzentriert auf den Punkt. Stellenweise exotisches Kolorit, ausgefeilte Harmonik, Pianistik und geschickt eingebaute Ostinati erreichen ein Höchstmaß an Charakterisierungskunst. Andere Interpreten haben hier auch einen anderen Anschlag und vorsichtigere Pedalisierung als bei früheren Stücken Debussys gewählt und ihre Priorität auf absolute, quasi analytische Transparenz gelegt. Genova & Dimitrov machen dies nicht, fangen die Stimmungen vor allem wieder mit fein justierter Dynamik ein, was gut gelingt. Nur bei der Agogik könnte man sich etwas mehr Freiheiten und Flexibilität wünschen. Die meist strikt durchgezogenen Tempi wirken hier fast zu steif. Matthias Corvins Booklettext geht bei aller Kürze in Ordnung. Unverständlich jedoch, warum man bei Oehms in der Tracklist noch die veraltete Debussy-Katalogisierung von François Lesure von 1977 benutzt, statt der längst üblichen, revidierten L-Nummern von 2001. Insgesamt verdient die CD trotzdem wieder eine klare Empfehlung.

Martin Blaumeiser [27.01.2026]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Claude Debussy
1Diane Ouverture 00:07:37
2Nuages L 91/1 (aus: Trois Nocturnes für 2 Klaviere) 00:06:01
3Fêtes L 91/2 (aus: Trois Nocturnes für 2 Klaviere) 00:06:21
4Sirènes L 91/3 (aus: Trois Nocturnes für 2 Klaviere) 00:09:42
5Intermezzo L 27 00:04:17
6Pour invoquer Pan, dieu du vent L 131 Nr. 1 (aus: Six épigraphes antiques) 00:02:03
7Pour un tombeau sans nom L 131 Nr. 2 (aus: Six épigraphes antiques) 00:03:19
8Pour que la nuit soit propice L 131 Nr. 3 (aus: Six épigraphes antiques) 00:02:18
9Pour la danseuse aux crotales L 131Nr. 4 (aus: Six épigraphes antiques) 00:02:03
10Pour l'Égyptienne L 131 Nr. 5 (aus: Six épigraphes antiques) 00:02:55
11Pour remercier la pluie au matin L 131 Nr. 6 (aus: Six épigraphes antiques) 00:02:02
12Le Triomphe de Bacchus L 38 00:13:39
15Andante cantabile 00:08:29

Interpreten der Einspielung

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