Johan Baptist Vanhal
Symphonies
Münchner Rundfunkorchester • Ivan Repušić
cpo 555 433-2
1 CD • 69min • 2020
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Künstlerische Qualität:![]()
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Gesamteindruck:![]()
Johann Baptist Vanhal (1793-1813), eigentlich Jan Křtitel Vaňhal, hat es vom tschechischen Leibeigenenkind zum geehrten Komponisten in Wien geschafft, gefördert von wohlmeinenden adligen Gönnern. In Wien hat er bei Carl Ditters von Dittersdorf Unterricht genommen, hat sich in Italien, Kroatien und Ungarn umgeschaut und sich 1780 endgültig in Wien niedergelassen, wo er zu den ersten Komponisten zählte, die als freie Musiker leben konnten. Er war extrem fleißig – man zählt über 1300 Werke von ihm, darunter 73 Sinfonien. Die Kontrabassisten schätzen sein Konzert für ihr Instrument. Vier repräsentative von den vielen Sinfonien sind auf dieser CD versammelt, zwei in Dur und zwei in Moll, wobei für die letztere Tonart Vanhal ein Faible hatte. Das zweisprachige Booklet beschreibt sehr genau den Stellenwert Vanhals in Wien und anschaulich die vier Sinfonien. Autor ist der neuseeländische Musikwissenschaftler Allan Badley, der auch der Herausgeber der Gesamtausgabe der Werke von Ignaz Pleyel ist – der wiederum ein Schüler Vanhals war.
Pulsierende Energie
Das Münchner Rundfunkorchester hat die Sinfonien im Studio des Bayerischen Rundfunks aufgenommen, was ein sehr neutrales Klangbild ergibt – ein zu neutrales Klangbild, denn ein bisschen akustische Raumklanghilfe täte dieser Musik gut. Der Dirigent Ivan Repušić treibt sein Orchester zu hochenergischem Spiel, schießt dabei bisweilen darüber hinaus: „Allegro moderato“ heißt die Spielanweisung für den Kopfsatz der g-Moll-Sinfonie (Track 1), Repušić versteht hier nur Allegro und vergisst das moderato, will vielleicht den im Booklet beschriebenen „Eindruck eines intensiven Getriebenseins“ intensivieren. Gerade richtig ist die pulsierende Energie dann im Finalsatz (Track 4). Man kann aber auch sagen, dass so die Charakter-Kontraste der Sätze besser herauskommen, so zur zarten Kammermusik-Atmosphäre des zweiten Satzes (Track 2), das einen Konzertcharakter erhält durch zwei Solo-Instrumente, nämlich Violine und Viola, die beide recht innig gespielt sind. Etwas eilig ist Repušić auch im Cantabile der A-Dur-Sinfonie unterwegs (Track 6): Die angesprochene Kantabilität könnte gehaltvoller ausgespielt sein. Dafür wählt der Dirigent im rasenden Finale („Prestissimo“!) (Track 7) ein etwas gebremstes Tempo. Das Prestissimo-Tempo hätte die überraschenden Wendungen nach Moll noch überraschender gemacht.
Loderndes Moll-Feuer
Sonst hebt Repušić die vielen Wechsel nach Moll, die Vanhal liebt, schön deutlich heraus, lässt auch im Kopfsatz der a-Moll-Sinfonie (Track 8) im aufbrausenden Allegro das Moll-Feuer auflodern. Alle interpretatorische Anteilnahme kann jedoch dem Eindruck von kompositorischer Routine und Un-Originalität in der F-Dur-Sinfonie (Tracks 11-14) nicht mindern – Vanhal ist in Moll origineller.
Rainer W. Janka [00.00.00]
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Komponisten und Werke der Einspielung
| Tr. | Komponist/Werk | hh:mm:ss |
|---|---|---|
| CD/SACD 1 | ||
| Johann Baptist Vanhal | ||
| 1 | Sinfonie g-Moll (Bryan g1) | 00:15:45 |
| 5 | Sinfonie A-Dur Bryan A4 | 00:18:04 |
| 8 | Sinfonie a-Moll Bryan a1 | 00:16:14 |
| 11 | Sinfonie F-Dur Bryan F5 | 00:18:23 |
Interpreten der Einspielung
- Münchner Rundfunkorchester (Orchester)
- Ivan Repušić * 1978 (Dirigent)
