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Besprechung CD

Julian Jaeyoung Kim

Brahms Resonances

KNS Classical A/135

1 CD • 55min • 2023

31.01.2024

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 9
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 8

Der Pianist Julian Jaeyoung Kim, der aus Korea stammt und heute in Los Angeles lebt, hat sein Plattendebüt vorgelegt. Ausschließlich Musik von Johannes Brahms ist hier zu hören – merkwürdigerweise am Steinway, obwohl Julian Jaeyoung Kim als offizieller Bechstein-Artist firmiert. Im Mittelpunkt steht die große f-Moll-Sonate op. 5, die Musikgeschichte geschrieben hat: Der 20-jährige Brahms spielte sie beim Antrittsbesuch im Hause der Schumanns in Düsseldorf. Robert Schumann verfasste prompt einen begeisterten Text in der Neuen Zeitschrift für Musik, wo er Brahms als eine Art Messias pries und so die Weichen für dessen Ruhm legte.

Visitenkarte für die Schumanns

Julian Jaeyoung Kim geht das Frühwerk mit viel Schwung und Enthusiasmus an. Von der späteren Brahms-Melancholie ist hier noch nicht viel zu spüren. Kim spielt sehr gefühlvoll, brillant und detailverliebt. So sorgt er für vielfältige Nuancen, verliert aber die großen Dimensionen der fünfsätzigen Sonate aus dem Blick. Das betrifft vor allem die stürmisch-drängenden, geradezu sinfonisch angelegten Ecksätze. So könnte man sich das Allegro maestoso des Anfangs noch donnernder vorstellen. Das lyrische Seitenthema wiederum geht der Pianist sehr ruhig an; da tritt die Musik fast auf der Stelle.

Mit seinem eher lyrischen Zugriff überzeugt der Pianist in den drei Mittelsätzen der Sonate. Wunderbaren Farbenreichtum und fließende Melodien zaubert er im Andante-Nachtstück hervor. Markant gerät das Scherzo. Im abgründigen Intermezzo brechen die „Trommelwirbel“ eines Trauermarschs in der linken Hand in elegisch verschattete Melodien ein.

Akrobatische Variationen

Nach der monumentalen Sonate machen Brahms‘ Variationen über ein Thema von Paganini op. 35 gleichsam den Rausschmeißer. Sie entstanden für den Liszt-Schüler Carl Tausig, den Brahms sehr bewunderte. Julian Jaeyoung Kim scheint die Variationen, eine halsbrecherisch-virtuoser als die andere, gleichsam aus dem Ärmel zu schütteln. Anstrengungslos wirken bei ihm all die akrobatischen Sprünge, Doppelgriffe, Tonrepetitionen, polyrhythmischen Raffinessen. Kim schöpft den Reichtum des Klavierklangs voll aus. Stilsicher und sensibel wechselt er zwischen dramatischen, heroischen, unterhaltsamen und humorvollen Stimmungen. Ein beeindruckendes Debütalbum!

Antje Rößler [31.01.2024]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Johannes Brahms
1Klaviersonate Nr. 3 f-Moll op. 5 00:33:03
6Variationen über ein Thema von Paganini a-Moll op. 35 00:22:09

Interpreten der Einspielung

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