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Besprechung CD

Pietro Mascagni

Cavalleria Rusticana

Prospero Classical PROSP088

1 CD • 75min • 2022

07.12.2023

Künstlerische Qualität:
Künstlerische Qualität: 8
Klangqualität:
Klangqualität: 8
Gesamteindruck:
Gesamteindruck: 9

So wie in dieser Aufnahme dokumentiert hat man Pietro Mascagnis Cavalleria rusticana noch nie gehört. Es handelt sich nämlich um eine erste Version der Oper, die bislang noch nirgends gespielt wurde, da sich der Komponist schon vor der Uraufführung (17. Mai 1890 in Rom) zu verschiedenen Änderungen, vor allem Strichen und Transpositionen, genötigt sah. Für diese gab es überwiegend pragmatische, d.h. theaterpraktische Gründe. Die betrafen einmal den Chor des Teatro Costanzi, der nach Meinung des Komponisten den Ansprüchen der Partitur nicht durchgehend gewachsen war, was Vereinfachungen notwendig machte. Zum anderen entsprachen sie den Wünschen der beiden berühmten Protagonisten Roberto Stagno und Gemma Bellincioni, die sich über „die grausame Tessitura“ beklagten, „die wahrhaft titanische stimmliche Anstrengungen erfordere“, und deshalb in ihrem großen Duett die Transposition um einen Halbtonschritt nach unten verlangten. In der Partie des Turridu gab es dann noch weitere entsprechende Transpositionen, in Santuzzas Gebetsszene mit Chor sogar um einen Ganzton abwärts. Gravierender war die von einem Mitglied der Jury verursachte Änderung im Auftrittslied des Fuhrmanns Alfio. Francesco d‘Arcais hielt die ganze Nummer für schwach und empfahl, sie wegzulassen. Mascagni kam ihm insoweit entgegen, dass er die dritte Strophe strich, wodurch allerdings das formale Gefüge beschädigt wurde.

Differenzierte Auslegung der Partitur

Im Theateralltag bis heute durchgesetzt hat sich die endgültige Version, wie sie bei der Uraufführung gespielt wurde. Die hier vorliegende Erstveröffentlichung der „Urfassung“ wird daran nichts ändern. Sie hat den Rang einer musikhistorischen Fußnote, stellt aber kaum eine ernsthafte Alternative zu der gebräuchlichen Fassung dar, da sie gegenüber dieser keine unmittelbar ins Ohr springenden Vorzüge hat. Dieser Mitschnitt einer konzertanten Aufführung in Baden-Baden vom Vorjahr ist aber eine begrüßenswerte Ergänzung der bestehenden Diskographie. Zumal sie in interpretatorischer Hinsicht durchaus neue Akzente setzt, die vor allem das Orchesterspiel und die Darstellung der Santuzza betreffen. Thomas Hengelbrock setzt mit dem Chor und dem Orchester des Balthasar Neumann Ensembles nämlich keineswegs auf kruden Verismo und die damit verbundenen grellen Effekte, sondern leuchtet die Partitur differenziert und mit kammermusikalischen Details aus. Dabei zeigt er sich ungemein flexibel in der Wahl der Tempi, gibt einmal Stimmungsmalereien breiten Raum und zeigt sich dann wieder, etwa im Trinklied, geradezu tänzerisch beschwingt, um dann im Finale das Geschehen mit aufwühlendem Pathos kulminieren zu lassen.

Überwiegend lyrische Stimmen

Feine Zwischentöne statt vokaler Kraftakte vernimmt man aber auch bei den Sängern. Die mittlerweile ganz ausgereifte Carolina López Moreno bestrickt mit leuchtenden Sopranhöhen ebenso wie mit ihrer Kunst des diminuendo und des piano und vermittelt der Partie eine emotionale Glut, die auf Tränenseligkeit oder melodramatische Vordergründigkeit verzichten kann. Die anderen Sänger haben nicht ganz das gleiche Kaliber. Turridu und Alfio sind einmal keine sizilianischen Machos, können aber in der eher lyrischen Anlage ihrer Partien nicht durchweg dramatisch überzeugen. Giorgio Berrugi, der sich unlängst an der Wiener Staatsoper sogar an Wagner (Siegmund) versucht hat, ist im Grunde ein Zwischenfachtenor, dem die heroische Attacke weitgehend abgeht. Und der junge Slowene Domen Križaj, der 2019 beim Wettbewerb „Neue Stimmen“ in Gütersloh den 2. Preis erhielt, wäre vorläufig in Rollen wie dem Silvio in Pagliacci besser aufgehoben als in den martialischen Gesängen des brutalen Fuhrmanns Alfio. Die französische Mezzosopranistin Eva Zaïcik gewinnt trotz schöner stimmlicher Anlagen noch zu wenig erotisches Profil als Verführerin Lola, die Veteranin Elisabetta Fiorillo ist eine solide Mamma Lucia.

Das sehr informative und mit schönen alten Fotos liebevoll gestaltete Booklet ist eine zusätzliche Empfehlung, sich diese „Ur“-Cavalleria als Ergänzung zu einer der zahlreichen Referenz-Einspielungen dieser Oper anzuschaffen (zu denen ich persönlich die diversen Live-Mitschnitte mit Giulietta Simionato und Karajans Luxus-Aufnahme mit Fiorenza Cossotto zähle).

Ekkehard Pluta [07.12.2023]

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Komponisten und Werke der Einspielung

Tr.Komponist/Werkhh:mm:ss
CD/SACD 1
Pietro Mascagni
1Cavalleria Rusticana (Oper in einem Akt) 01:14:41

Interpreten der Einspielung

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